Rechte versuchen, Auto anzuzünden

Anschlag: Gefährliche Entwicklung

Oldenburg - DELMENHORST (cs) · Die Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten in Delmenhorst gehen weiter. In der Nacht zu gestern verübten dem rechten Spektrum zuzuordnende Täter einen Brandanschlag auf ein Auto. Der Sohn der Besitzer engagiere sich antifaschistisch, schreibt die Antifa Delmenhorst auf ihrer Website. Gefährliche Entwicklungen zeichnen sich ab. Es bleibt nicht ohne Folgen, dass die „Jungen Nationalen“ (JN) in der Stadt stark vertreten sind.

Eine halbe Stunde nach Mitternacht versuchten die Täter, den Wagen anzuzünden. Der konnte aber noch rechtzeitig zur Seite gefahren werden. Ein Reifen war beschädigt, eine Hecke an der Straße brannte. Die Feuerwehr musste ausrücken. „Nur wenige Minuten später wäre der Tank des Fahrzeugs explodiert“, weist die Antifa in ihrer Erklärung auf die Gefahr des Angriffs hin. „Schnell wäre das Feuer auf das direkt neben dem Auto befindliche Wohnhaus übergesprungen. Schwere Verletzungen – oder gar die Tötung von Menschen – wurden durch die Neonazis in Kauf genommen.“ Gestern rief die Organisation zu einer Spontan-Demonstration um 18 Uhr auf. „Wir möchten die Brisanz der Situation in ihrer vollen Gänze aufzeigen.“ Die Stadt hatte die Aktion genehmigt.

Denn hinter den Tätern vermutet die Antifa Mitglieder des „Nationalen Widerstands Delmenhorst“ und der JN, der Jugendorganisation der NPD. So weit wollte Polizeisprecher Carsten Grallert gestern nicht gehen. „Solche Taten gibt es immer wieder, das ist keine ganz neue Entwicklung.“ Es gebe in Delmenhorst eine aktive linke und rechte Szene – die Tat sei „mutmaßlich aus diesen Szenen begangen worden.“ Zu Sachbeschädigungen oder auch Körperverletzungen sei es in der zurückliegenden Zeit immer wieder gekommen. „Die mutmaßlich von Tätern aus dem linken beziehungsweise rechten Spektrum wechselseitig verübt wurden.“ Und fügt hinzu: „Es gibt jetzt in Delmenhorst eine aktivere Szene.“ Das sei darauf zurückzuführen, dass „Personen hierhin gezogen sind, die aktiv waren oder sind“. Was die politische Einordnung der Opfer und Täter angeht, hält sich die Polizei aber zurück. Die betroffene Familie bezeichnet Grallert als „rechtskritisch“.

„Wir bemühen uns, die Lage und die Entwicklungen, die sich abzeichnen, immer im Blick zu haben“, so Grallert. Nicht immer einfach für die Polizei: Denn Hinweise aus der Bevölkerung oder von Betroffenen sind nicht selbstverständlich. So hatte auch die Familie, auf deren Wagen nun ein Brandanschlag verübt worden ist, bereits im Vorfeld einen „Diffamierungen beziehungsweise Drohungen enthaltenden Brief“ bekommen – davon erfuhren die Beamten aber erst nach dem Anschlag. „Für uns ist es immer wichtig, Informationen zu bekommen. Ohne diese können wir nichts machen.“ Wenn sich im Hintergrund Vorfälle potenzierten und die Situation dann eskaliere, „ist das für uns eine unglückliche Situation“, betont der Polizeisprecher. Gerade das Fachkommissariat für Staatsschutzdelikte sei für die Vorfälle zuständig. „Aber wir sind auf Informationen von außerhalb angewiesen.“ Deshalb bittet die Polizei auch in diesem Fall um Mithilfe: Zeugen sollten sich unter Tel. 04221/1559115 melden.

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