Nitratgehalt im Grundwasser: OOWV veranstaltete Expertentagung

„Anlagen haben hier absolut nichts mehr zu suchen“

Mit Mais lassen sich Biogasanlagen am lukrativsten betreiben – allerdings belastet Maisanbau auch am meisten den Boden.
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Mit Mais lassen sich Biogasanlagen am lukrativsten betreiben – allerdings belastet Maisanbau auch am meisten den Boden.

Landkreis - „Die Qualität des Grundwassers ist im Landkreis Oldenburg hervorragend“, sagt Egon Harms, Bereichsleiter für den Gewässerschutz beim OOWV. Dass dies aber auch langfristig so bleibt, sei alles andere als sicher. Durch intensive Landwirtschaft (Düngung) gebe es auf vielen Flächen mittlerweile einen Überschuss an Stickstoff. Dieser gelange in Form von Nitraten (Salze) ins Grundwasser.

Bislang beschränken sich erhöhte Messwerte auf das sogenannte Oberflächenwasser, das relativ dicht unter der Erdoberfläche lagert – doch einmal in Gang gebracht, lässt sich der Prozess kaum aufhalten: „Schon in fünf bis zehn Jahren könnten die Salze bis zum Trinkwasser durchgesickert sein“, warnt Harms. Das Leitungswasser wäre in Folge dessen für Menschen ungenießbar. „Nitrat lässt sich aus dem Trinkwasser nicht wieder entfernen. Der Preis für eine Flasche Wasser im Supermarkt würde sich verdoppeln“, prophezeit der Experte.

Unter den Stichworten Biogas- und Düngemittelproblematik ist die alarmierende Sachlage mehr als bekannt. Es mangelt jedoch an Lösungen. Aus diesem Grund veranstaltete der OOWV gestern eine Expertentagung zum Thema Stickstoffbilanzierung in der Landwirtschaft. Rund 80 Agrar-Experten aus ganz Deutschland waren zum OOWV-Standort nach Großenkneten gekommen, um den Ausführungen von Vertretern der Technischen Universität München, des Mitteldeutschen Instituts für angewandte Standortkunde und Bodenschutz Halle sowie der Leibniz-Universität Hannover zu lauschen. Anschließend wurde angestrengt diskutiert.

Wie lassen sich Landwirtschaft und Naturschutz wieder auf einen gemeinsamen Nenner bringen? Diese auf den ersten Blick einfache Frage bietet Raum für mehrere, durchaus komplizierte Ansätze. Der Meinungsaustausch zog sich von 9.45 Uhr bis in den Nachmittag hin. Anschließend stellten sich einige Referenten den Fragen der Journalisten.

„Der Landkreis Oldenburg hat ein gigantisches Stickstoffproblem“, sagte Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen (TU München). Früher habe es in dieser Region viel weniger Tiere und auch viel weniger Maisanbau gegeben. „Im Grunde könnten die ganzen Tiere von der Fläche her gar nicht ernährt werden“, erklärte er. Möglich sei dies nur, da die Landwirte zusätzliche Futtermittel aus dem Ausland kauften.

Obwohl das Problem politisch längst erkannt sei, werde es sich in Zukunft noch verstärken, lautete Hülsbergens Prognose. Insbesondere die Biogastechnik befinde sich weiterhin auf dem Vormarsch. „Biogas ist unter den richtigen Umständen sicherlich umweltschonend und förderlich. Im Landkreis Oldenburg ist die Struktur aber so, dass die Anlagen hier absolut nichts mehr zu suchen haben“, betonte er. Problematisch nannte es der Professor und Doktor, dass Maispflanzen für den Betrieb einer Biogasanlage mit Abstand den größten Ertrag lieferten, jedoch gleichzeitig auch Stickstoff besonders förderten. „Durch Zuschüsse ließe sich vielleicht ein Anreiz schaffen, so dass Landwirte auf die Verwendung von Mais verzichten und stattdessen auf eine andere Kulturart zurückgreifen“, schlug Hülsbergen vor.

Andreas Löloff, Diplom-Agraringenieur beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, verwies auf bereits angelaufene Wasserschutzmaßnahmen, an denen sich Landwirte allerdings auf freiwilliger Basis beteiligen können. Während Löloff einige Teilerfolge dieser Maßnahmen (beispielsweise auch Fruchtwechsel) in den Vordergrund stellte, war Dr. Christina Aue (OOWV, Abteilung Gewässerschutz) der Ansicht, dass in diesem Zusammenhang die Anreize für die Landwirte nicht groß genug seien. Bis etwa 1993 hätten die Schutzmaßnahmen gut funktioniert – für die Kooperation habe es schon genügt, dem Landwirt vielleicht 200 Euro pro Monat zu zahlen. Angesichts enorm hoher Pachtpreise seien solche Entlohnungen aber mittlerweile nicht mehr lukrativ, so Aue.

Als weiteres positives Maßnahmen-Beispiel brachte Löloff die sogenannte Verbringeverordnung ins Gespräch: Wenn es in einem Gebiet überschüssige Düngemittel gibt, werden diese in ein Bedarfsgebiet abtransportiert.

Letztendlich waren sich aber alle Experten einig, dass grundsätzlich der Weg nur über die politische Ebene führt. „Und da ist eine Zusammenarbeit mit den Landwirten von großer Bedeutung“, unterstrich Kurt-Jürgen Hülsbergen. · js

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