Wiesenhof zapft in Lohne das Grundwasser an, und die Anwohner fürchten um ihre Biotope

Die Angst vor dem Elefanten

Geflügelproduzent am Pranger: Wiesenhof steht erneut im Kreuzfeuer der Kritik.

Oldenburg - LOHNE (dn) · Der größte deutsche Hähnchenhersteller hat ein Imageproblem. Der Verdacht, die Firma Wiesenhof würde sich hauptsächlich billiger Arbeitskräfte aus dem Ausland bedienen, ist inzwischen nichts Neues mehr; in Lohne steht das Unternehmen gerade auch im Kreuzfeuer der Umweltschützer.

Die 2,4 Millionen Hähnchen, die das Unternehmen künftig statt der bisher 1,6 Millionen im westlichen Kreis Vechta schlachten will, sind weniger das Problem als die Innenreinigung ihrer Gebäude, für die Wiesenhof das Grundwasser anzapft. Weil dadurch die Lohner Feuchtbiotope auszutrocknen drohen, überbieten sich Naturfreunde und Politiker zurzeit in ihren Attacken gegen das Schlachtunternehmen, das sich auch in der Bevölkerung einer breiten Opposition gegenüber sieht.

„Wenn der Riesenelefant kommt und mit seinem Rüssel das Wasser wegsaugt, dann gibt das hier eine Katastrophe“, fürchtet Anwohnerin Rosemarie Kurzbach die Konsequenzen einer neuerlichen Wiesenhof-Bohrung in Südlohne; aus gutem Grund. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren sukzessive Wasserstellen in und um Lohne aufgekauft; mittlerweile liegen die privaten Brunnen in diesen Gebieten komplett trocken. „Wir müssen sehen, woran das liegt“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer und verweist auf ein laufendes Gutachten – das von Wiesenhof in Auftrag gegeben wurde. Bis zu dessen Ergebnis könne auch der Landkreis nichts machen.

Ein Spiel auf Zeit, glaubt die eilig gegründete Initiative gegen Grundwasserentnahme und ging erfolgreich auf Unterschriftensammlung. In weniger als drei Wochen sammelte die Gruppe um Sprecher Klaus Kurwinkel über 600 Unterschriften, „und das ist nur ein Zwischenwert“. Viele fürchten, dass das Grundwasser noch weiter absinkt, meinte Kurwinkel gestern gegenüber Radio Bremen und greift schon einmal dem Ergebnis des Gutachtens vor: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Wasserentnahme, zumal in dieser Dimension, keine Auswirkungen hat“, meint er: „Wir reden nicht von tausend Kubikmetern – es geht hier um hundertausende Kubikmeter.“

Mittlerweile ist sich sogar die Politik ungewohnt einig. Die kombinierte Fraktion von SPD, Grünen, FDP und Freier Unabhängiger Wählergemeinschaft im Stadtrat gehörte ohnehin zu den Kritikern der ersten Stunde und stürzt sich nun mit Wonne erneut auf das Thema. „Wir waren die einzigen, die die Grundwasserproblematik verstanden haben“, meint Fraktionsvorsitzender Eckhard Knospe; „wie aus heiterem Himmel“ sprang Ende des vergangenen Jahres auch die sonst eher unternehmerfreundlich eingestellte CDU auf den Zug der Mahner auf und forderte eine bessere Bürgerbeteiligung.

Die Stadtverwaltung hat zumindest angekündigt, Wiesenhof gezielt auf den Zahn zu fühlen. „Jede Grundwasserentnahme wird sorgfältig durch den Landkreis Vechta geprüft werden müssen“, sagt Gerdesmeyer: „Wenn eine Beeinträchtigung vorliegt, werden wir nicht zustimmen.“ Alles hängt nun am laufenden Gutachten: Fällt das negativ aus, darf Wiesenhof auch die Schlachtzahl nicht erhöhen. Und muss woanders nach Wasser suchen.

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