„Listen T(wo)“ verband beschwingte Weihnachtslieder mit Swing-Evergreens / Konzert hätte größeres Echo verdient gehabt

Nur am Anfang stockte der „Motor“

Traf mit ihrer samtweichen, jazzigen Simme jeden Ton: Brigitte Heinemann.

Dünsen - „Entschuldigung, ich muss kurz abbrechen. Das Piano ist nicht auf den Boxen. Das fängt ja gut an“, seufzte Brigitte Heinemann nach den ersten Takten eines Intro-Medleys aus „Sentimental Journey“ und „Winter Wonderland“ in der Dünsener Zufluchtskirche. Doch der „Motor“ stockte nur ganz zu Beginn. Was folgte, war ein wunderbar beschwingtes Konzert, das auf besondere Weise in die nahenden Festtage einstimmte.

Die Liebe zum Jazz packte ihn im Alter von 15 Jahren und hat Nicolai Thein seither nicht mehr losgelassen.

Einen ungewöhnlichen, aber sehr homogen wirkenden Song-Mix servierte das Duo „Listen T(w)o“ seinem Publikum am Freitagabend. Weihnachtslieder aus dem englischsprachigen Raum wie „Santa Clause is comin‘ to town“, „Rudolph, the red nosed reindeer“, „Santa Baby“ oder „Have yourself a merry little christmas“ gingen eine reizvolle Verbindung mit jazzigen Evergreens – vorwiegend aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – ein. Da avancierte „Jingle Bells“ zu „Swingle Bells“. Fußpitzen wippten; hier und da sangen die rund 35 Zuhörer mit. Das Konzert hätte ein besseres Echo verdient gehabt.

Nicolai Thein, Brigitte Heinemanns kongenialer Partner, übernahm den instrumentalen Part auf dem E-Piano und streute immer wieder gefühlvolle Soli ein. Schon als Kind, im Alter von sieben Jahren, bekam er Klavierunterricht erteilt. Eigentlich kein Wunder, stammt der Profi-Musiker doch aus einer renommierten Instrumentenbauerfamilie. „Ich bin zuerst klassisch ausgebildet worden“, verriet er in der Konzertpause. Mit 15 entdeckte er seine Liebe zum Jazz, und die zieht ihn noch heute in seinen Bann. Thein ließ das Publikum an seinem großen musikalischen Hintergrundwissen teilhaben. Ehe der ursprünglich von Harry Warren (Melodie) und Mack Gordon (Text) 1941 geschriebene Glenn-Miller-Klassiker „Chattanooga Choo Choo“ erklang, verriet er etwa, dass dieser Swing-Hit mit der ersten goldenen Schallplatte überhaupt ausgezeichnet worden sei. Und das habe durchaus etwas geheißen. In den 40-er Jahren seien nämlich noch eine Million verkaufter Tonträger nötig gewesen, um die Auszeichnung zu erhalten. „Heute reichen dafür 100 000.“

Brigitte Heinemann sponn den roten Faden durchs Programm und sprach zwischen den Titeln über bescheidene und maßlose Wünsche. Thematisch dazu passten Songs wie „Diamonds are a girl‘s best friend“, mit dem Marilyn Monroe die Männerherzen in „Manche mögen‘s heiß“ höher schlagen ließ, oder „Kauf mir einen bunten Luftballon“.

Dem Titel „Night and day“ verlieh die Sängerin mit einem „Shaker“, einer Art Rassel, südamerikanisches Esprit. Immer wieder streute das Duo sehr melancholische, besinnliche Momente ein – etwa als Heinemann den Geist von Weihnachten besang, der die Menschen jung halten möge.

Der Mix aus Christmas-Songs und Swing der 1940-er bis 60-er Jahre kommt im Übrigen nicht nur bei „Landratten“, sondern ebenso bei Matrosen ausgezeichnet an: Vor zwei Jahren hatten die beiden Bremer Musiker, die auch in der Band „Slap Scat“ zusammen auf der Bühne stehen, Songs aus ihrem Weihnachtsprogramm auf eine CD für die Deutsche Seemannsmission gebannt. Die Tonträger wurden an Schiffs-crews verschenkt. Heinemann und Thein gingen sogar auf einen Frachter, der damals im Bremer Industriehafen vor Anker lag und verteilten dort nicht nur CDs, sondern stimmten zusammen mit der indischen Besatzung Weihnachtslieder wie „Jingle Bells“ an. „Ich war selbst mal Seemannsbraut und weiß um die soziale Isolation an Bord“, begründete dies die Sängerin. Für sie und ihren Partner blieb das Singen mit den Matrosen ein unvergessliches Erlebnis.

Vielleicht nicht unbedingt unvergessliche, aber zumindest sehr kurzweilige zwei Stunden bescherte das Duo seinem Dünsener Publikum, das „Listen T(w)o“ erst nach mehreren Zugaben gehen ließ.

An der Akustik gab es nichts zu mäkeln. Altbürgermeister Heinrich Wessel missfiel nur das für seinen Geschmack zu dominante Piano. „Können Sie das Klavier ein bisschen leiser machen?“, fragte er zwischenzeitlich Brigitte Heinemann und verband dies zugleich mit einem Kompliment: „Sie haben doch so eine schöne Stimme. Das haben Sie doch gar nicht nötig.“

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