Familie Cordes aus Wardenburg sucht verzweifelt eine barrierefreie Wohnung

In anderthalb Monaten droht das Obdachlosenheim

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Bis zum 12. Mai muss Michael Cordes mit Frau, Tochter und Sohn das Haus in Wardenburg geräumt haben. Auch seine vielen Tiere würde er nur äußerst ungerne zurücklassen. ·

Oldenburg - WARDENBURG · Für Michael Cordes und seine Familie wird die Zeit knapp: Wenn die derzeit in Wardenburg lebende Familie nicht ausgesprochen schnell eine Wohnung findet, steht sie zum 12. Mai 2012 auf der Straße.

Der Frust sitzt tief. „Wir sind da in eine Situation geraten, für die wir im Grunde nichts können“, berichtet Michael Cordes. Der gelernte KFZ-Mechaniker erlitt vor mehreren Jahren eine folgenschwere Rückenverletzung. Völlig unerwartet platzte eine Ader im Bereich der Wirbelsäule. Seitdem ist der heute 47-Jährige zu 80 Prozent gehbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen.

Mit der Verletzung wendete sich vieles im Leben zum Negativen. Zuerst musste Cordes seinen Job aufgeben. Er absolvierte zwar eine Umschulung zum technischen Zeichner, dennoch konnte er bis heute keinen neuen Job finden. Es folgten finanzielle Probleme und 2010 schließlich die Zwangsversteigerung seines Hauses – die Raten für den Kredit konnten nicht mehr aufgebracht werden. Noch heute wohnt Cordes mit seiner Familie in dem Haus. Allerdings drängt der neue Eigentümer auf den Auszug. „Was ja im Grunde auch verständlich ist“, sagt Cordes. „Wir würden sofort gehen, wenn wir eine neue Wohnung gefunden haben.“ Das Problem: Mit seinem Rollstuhl braucht der Familienvater eine barrierefreie Umgebung, sonst gestaltet sich der Alltag schwierig. „Das fängt schon im Badezimmer an. Treppensteigen ist für mich quasi unmöglich“, erzählt er.

Wenn Michael Cordes bis zum 12. Mai keine Lösung vorweisen kann, soll er mit seiner Familie in einem Obdachlosenheim untergebracht werden. „Das hat die Gemeinde so entschieden. Ich finde das unmenschlich“, sagt er.

Neben seinem eigenen Unglück hadert der 47-Jährige auch mit dem Schicksal seiner Tiere. Auf dem Hof am Rande von Wardenburg leben zwei Hunde, mehrere Katzen, vier Gänse und zwei Hühner. Nur äußerst ungerne würde die Familie ihr Leben auf dem Lande aufgeben. „Am liebsten wäre es mir, wenn wir vielleicht einen alten Resthof finden würden. Der muss auch gar nicht so groß sein“, meint Cordes. Derzeit lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern auf einem 260 Quadratmeter großen Grundstück. Er sei bereit, mitunter große Abstriche zu machen. Allerdings sei die Familie an Wardenburg gebunden; die 15-jährige Tochter und der 20-jährige Sohn haben dort ihre Ausbildungsorte. Den Vorschlag der Gemeinde, die Familie zu trennen und in zwei Wohnungen zu ziehen, lehnt Cordes ab. „Es wurde in Gesprächen tatsächlich vorausgesetzt, dass mein Sohn ja ohnehin ausziehen wolle“, berichtet er.

Schlussendlich wandte er sich an die Fraktionsvorsitzende der Linken im Niedersächsischen Landtag, Kreszentia Flauger. Bei ihr stieß er mit seinen Problemen auf offene Ohren. „Die Familie braucht Hilfe“, sagt die Politikerin und schiebt einen Appell an potenzielle Vermieter hinterher: „Falls jemand eine geeignete Wohnung – drei bis vier Zimmer, behindertengerechte Sanitäranlagen und barrierefreien Zugang in Wardenburg oder Sandkrug – zur Verfügung hat, sollte er sich mit Michael Cordes in Verbindung setzen.“ Auch, falls jemand ein Jobangebot im Bereich technischer Zeichner oder diesbezüglich eine Idee hat, kann er sich bei dem 47-Jährigen unter der Telefonnummer 0162/6356054 melden. · js

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