Beauftragter Heinrich Sudmann kümmert sich um Erhalt der plattdeutschen Sprache

„Andere Gemeinden sind schon weiter als wir“

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Plattdeutschbeauftragter für die Samtgemeinde Harpstedt: Heinrich Sudmann.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken„Als ich zur Schule kam, konnte ich kein Hochdeutsch. Das musste Lehrer Karl Dörges nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Kindern in der Dorfschule in Klein Köhren erst einmal beibringen. Keine leichte Aufgabe für ihn“, erinnert sich Heinrich Sudmann. Der heute 75-Jährige ist mit Platt aufgewachsen. Die niederdeutsche Sprache hat ihn sein ganzes Leben hindurch begleitet, übrigens auch auf den redensartlichen „Brettern, die die Welt bedeuten“ – als Regisseur und Laiendarsteller. Heute kümmert sich der Harpstedter als Plattdüütschbeoptragter um Erhalt und Verbreitung des Plattdeutschen in der Samtgemeinde.

Viel Zeit bleibt ihm momentan nicht für diese ehrenamtliche Aufgabe. „Andere Kommunen sind auch schon viel weiter als wir“, spielt er auf Plattdeutsch-Arbeitsgemeinschaften (AGs) an, die sich an verschiedenen Schulen im Landkreis etabliert haben.

In Harpstedt könnte sich womöglich bald etwas tun. Rektor Peter Bilski würde gern schon ab Sommer Plattdeutsch im Rahmen des Ganztagsschulangebotes an der Haupt- und Realschule anbieten. Voraussetzung sei allerdings, dass sich dafür eine Honorarkraft mit den nötigen Sprachkenntnissen finde. „Ich bin sehr dafür“, betont der Schulleiter. „Ich komme aus Leer. Da wurde noch deutlich mehr Platt als hier gesprochen.“ Im Lehrerkollegium gebe es leider niemanden, der das könne, bedauert Peter Bilski.

Ähnlich sieht es auch an der benachbarten Grundschule aus. „Nur eine Kollegin spricht Platt, allerdings ein anderes als das hierzulande geläufige. Das ist natürlich ein Problem, das man bedenken muss“, weiß Rektor Wolfgang Kunsch. „Wenn aber jemand Plattdeutsch kann, eine AG bei uns anbieten möchte und mit Kindern gut umzugehen versteht, dann rennt er bei mir offene Türen ein.“ Der- oder diejenige müsste die Arbeitsgemeinschaft allerdings rein ehrenamtlich übernehmen: „Honorarkräfte dürfen wir als Grundschule nicht einstellen.“

In Dünsen lässt Lehrerin Andrea Bitter mitunter plattdeutsche Beiträge in den Unterricht einfließen. Die Kollegin lese auch schon mal bei passenden Anlässen vor der ganzen Schülerschaft etwas in niederdeutscher Sprache vor, etwa eine Weihnachtsgeschichte, erläutert Grundschulrektorin Gabriele Chapus. „Eine fest installierte AG haben wir aber nicht“, fügt sie hinzu. Wenn das Thema Plattdeutsch im Kollegium thematisiert worden sei, dann sei es stets um den Erhalt gegangen. „Es gibt an unserer Schule nur zwei Kinder, die noch Platt sprechen“, erläutert die Rektorin. „In die Richtung, Plattdeutsch auch Jungen und Mädchen beizubringen, die es gar nicht beherrschen, haben wir bislang nicht gedacht.“

Heinrich Sudmann ist auch als Gästeführer unterwegs – und dabei durchaus in der Lage, Besuchern die Schönheiten Harpstedts in niederdeutscher Sprache oder „zweisprachig“ zu vermitteln. Das werde allerdings nicht besonders stark nachgefragt, weiß er.

Mehr Kultur „op Platt“ wünscht sich der 75-Jährige in der Samtgemeinde ebenfalls, „beispielsweise mal in Form eines kleinen Lesewettbewerbs“. Im Gedächtnis geblieben ist ihm eine Veranstaltung in Littel mit Wort- und Liedbeiträgen in niederdeutscher Sprache und Beteiligung verschiedener Chöre. „Das ging vom Landkreis aus. Ich habe vorgeschlagen, so etwas in diesem Herbst im Koems-Saal zu organisieren“, erläutert Sudmann. Steffen Akkermann, Leiter des Gemischten Chors Harpstedt, sei „sehr dafür“.

Als Regisseur oder Darsteller in plattdeutschen Stücken hat Sudmann jahrzehntelang gewirkt – in der früheren Laienspielgruppe der Landjugend ebenso wie in der Theatergruppe der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt, wo er noch heute als Spielleiter fungiert. Gern denkt er an Aufführungen von Lustspielen auf Feuerwehrbällen bei Küver und im Gasthaus Amerika sowie zuletzt im Koems zurück.

Dass Sudmann in seinem Leben sehr viel Platt sprach und spricht, hatte aber auch eine Kehrseite. Es sei ihm lange schwer gefallen, im Hochdeutschen „mir“ und „mich“ richtig anzuwenden, gesteht er ein.

Als Plattdeutschbeauftragter kann der Harpstedter übrigens auf Verstärkung zurückgreifen: Inge Harrach aus Kirchseelte sei bereit, ihn zu unterstützen.

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