Experten und Aktive diskutieren im Rathaus über sinnvolle Maßnahmen und Kosten / Faltblatt und Fachforum angedacht

Altbausanierung – warum tut sich nichts?

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Warum Altbauten oft nicht saniert werden und was man dagegen tun kann – darüber diskutierten „EnergieBasisBerater“, Mitglieder des Kreises „Energieeffizientes Dötlingen“ und Experten am Dienstag im Rathaus. ·

Neerstedt - Von Tanja SchneiderWarum tut sich im Bereich „Altbausanierung“ einfach nichts? Mit dieser Frage beschäftigten sich am Dienstagabend die Mitglieder des Arbeitskreises „Energieeffizientes Dötlingen“, die „EnergieBasisBerater“ sowie geladene Experten im Neerstedter Rathaus. Die Erkenntnis kam schnell: Viele Hauseigentümer sind zum einen schlecht informiert und scheuen zum anderen die Kosten – gerade wenn es um eine Komplettsanierung geht.

„Wir stellen in unserer Arbeitsgruppe ‚Private Haushalte‘ immer wieder fest, dass sich bei Häusern, die in den 50er, 60er und 70er Jahren in der Gemeinde gebaut wurden, viel mehr tun müsste“, berichtete Bauamtsleiter Uwe Kläner und nannte ein Beispiel. Er erinnerte an das Praxistreffen der „EnergieBasisBerater“, bei dem sie ein Wohnhaus von 1967 in Dötlingen unter die Lupe genommen hatten. „Auf den ersten Blick war es tiptop, aber energetisch gesehen eine Katastrophe“, so Kläner. Von der Heizung bis zum unisolierten Dachgeschoss reichte die Mängelliste. „Doch der Eigentümer war zufrieden.“

Für Kläner ein Zeichen für fehlende Informationen. Hier müsse „den Bürgern aufs Rad“ geholfen werden. „Neben einer guten Beratung bedarf es einer besseren Informationspolitik“, so Kläner. Denkbar wären ein Faltblatt, eine entsprechende Darstellung auf der Internetseite der Gemeinde Dötlingen und ein Fachforum. Dieses könnte bereits Ende Januar/Anfang Februar über die Bühne gehen und soll eine große Bandbreite an Fachwissen bündeln.

Deutlich wurde während des Treffens im Rathaus aber auch: Sanieren kann teuer werden. Selbst, wer um die energetischen Defizite seiner vier Wände Bescheid weiß, möchte deshalb nicht unbedingt für Abhilfe sorgen. „Gerade ältere Leute rechnen da ganz genau nach, ob es sich für sie überhaupt noch lohnt“, sagte „EnergieBasisBerater“ Harri Brendler. Die Chance, Altbauten energetisch auf einen neuen Stand zu bringen, ergebe sich häufig erst, wenn die Erben die Häuser übernommen hätten.

„Der Aufwand ist groß, die Kosten sind hoch. Bei einer Komplett-Maßnahme kann es schon 30 bis 40 Jahre dauern, bis es sich amortisiert“, bestätigte auch Energieberater Karl-Wilhelm Jacobi vom Wildeshauser Planungsbüro IFT, der als einer von vier Experten eingeladen war. Das halte viele ab, und damit bleibe das Haus so wie es ist.

Oder der Eigentümer reißt es ab und baut neu. So wie im Fall des Neerstedters Klaus Grotelüschen. Das Mitglied des Projektteams „Energieeffizientes Dötlingen“ berichtete am Dienstag aus eigener Erfahrung: „Als ich mein Haus gekauft habe, wollte ich eigentlich sanieren. Doch das hätte mich mehr gekostet“, erklärte er. Hermann Raschen, Leiter der Volksbank Neerstedt, gab zu bedenken, dass zu den planbaren Sanierungskosten auch oft noch Überraschungen dazu kommen. Das schrecke ebenso ab wie die für den Laien unübersichtlichen Fördermöglichkeiten.

Dass es nicht immer der Komplettumbau sein muss und man auch mit kleinen Änderungen viel erreichen könne, betonte Projektleiter Thomas Myslik. „Wem nützt die modernste Heizung, wenn sie ständig bei offenem Fenster voll aufgedreht ist?“ Das senke nicht die Energiekosten. Und die werden laut Stefan Tholen von der EWE in den kommenden Jahren ohnehin steigen. „Ich gehe davon aus, dass Strom und Gas noch teurer werden. Deshalb muss effizienter damit umgegangenen werden“, sagte er. Schon Kleinigkeiten wie die richtige Einstellung der Zeitschaltuhr könnten helfen.

Und genau an diesem Punkt sollen die neun „EnergieBasisBerater“ in der Gemeinde ansetzen. Es ginge nicht darum, Experten zu ersetzen, sondern zu informieren und zu vermitteln. „Wir brauchen eine vernünftige, solide, heimische und neutrale Beratung für alle, die in Altbauten sitzen“, so Kläner.

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