Peter Skibbe gibt nach 29 Jahren als Kraftfahrer der Kreisverwaltung Schlüssel an Richard Nowak ab

Alle Chefs stets sicher chauffiert

Den hinteren Bereich des Dienstwagens braucht Frank Eger nur, um seine Bonbons und die Anzugsjacke zu verstauen. Sonst sitzt er vorn mit Fahrer Peter Skibbe (l.) auf Augenhöhe. Morgen muss der Landrat Abschied von seinem Vertrauten nehmen.

Landkreis - (ck) · Seine Chefs chauffierte Peter Skibbe stets unfallfrei durch die Republik und das benachbarte Ausland. Schon die einstigen Oberkreisdirektoren Erich Wille und Wolfgang Haubold oder die Landräte Albert Klusmann, Werner Finke und Hermann Bokelmann vertrauten ihm – insgesamt 29 Jahre lang auf fast 1,3 Millionen Kilometern. Die längsten Strecken legte der heute 61-Jährige jedoch mit dem aktuellen Landrat Frank Eger zurück – denn die neuen Zeiten interkommunaler Kooperationen und häufiger Verhandlungen mit Land oder Bund erfordern Egers regelmäßige Präsenz in Hannover und Berlin. Doch trotz Termindrucks und langer Distanzen „gehe ich jetzt mit null Punkten in den Ruhestand“, sagt Skibbe stolz.

Heute feiert der Wildeshauser seinen 62. Geburtstag – die letzte größere Tour lässt er sich deshalb dennoch nicht nehmen: Zusammen mit Nachfolger Richard Nowak aus Kirchhatten holt er den neuen Leasing-BMW aus München ab. Die Fahrt will der „Alte“ nutzen, um dem „Neuen“ einige Tipps zu geben. „Vor allem Gelassenheit braucht er“, sagt der routinierte Kraftfahrer. Und Verschwiegenheit, ergänzt Eger: „Zwischen Herrn Skibbe und

nMit Eger nur bei

nMusikwahl uneins

mir besteht ein enges Vertrauensverhältnis. Das muss auch so sein. Denn mit ihm verbringe ich mehr Zeit pro Tag als mit meiner Frau.“

So lernte der ausgebildete Kraftfahrzeugmechaniker auch, mit Launen des engagierten Landrats klarzukommen. Gegen ihn richtete sich die gelegentliche Aufregung nie, denn von Staus oder „Verfransen“ im Großstadt-Dschungel blieben beide verschont. Nur einmal mussten sie über einer Straßenkarte „brüten“. Seitdem die Navigationssysteme Einzug in die Kreis-Karosse hielten, gehört aber auch das der Vergangenheit an. Nur die hohe Bürokratie dauert Eger bisweilen zu lange. „Dann muss ich schon mal sagen: Regen Sie sich nicht auf, Sie können es sowieso nicht ändern“, verrät Skibbe.

In der Tat sei der Chef seit seinem Amtsantritt im Jahr 2001 ruhiger geworden. Doch Ärger im Polit-Alltag bleibt natürlich nie ganz aus. Skibbe hat dafür ebenfalls den passenden Spruch parat: „Bei Ihrem Gehalt müssen Sie das aushalten.“

Doch sein Chauffeur habe sich ebenso geändert, meint der Landrat: „Früher hat er ständig ,Radio Niedersachsen‘ gehört, seit zwei Jahren auch mal was anderes“, feixt Eger. Die Programmwahl hatte jedoch seinen Grund, erklärt Skibbe: „Bei dieser Musik muss man nicht viel nachdenken. Und wenn Herr Eger nicht dabei ist, höre ich sowieso lieber Klassik – aber damit muss ich ihm nicht kommen, wenn er neben mir sitzt.“ Grundsätzlich nimmt der Landrat als Beifahrer Platz – und nicht etwa hinten. Dort liegt nur sein Süßigkeiten-Vorrat.

Und wenn Skibbe während des Wartens auf seinen Chef mal keine Klassik hört, mit Minister-Chauffeuren plaudert oder durch Berlins Straßen spaziert, liest er. „Am liebsten Biografien.“ Zurzeit liegt „Beim Häuten der Zwiebel“ von Günter Grass im Dienstwagen.

Vielleicht bildet das die Grundlage für seine Gelassenheit, die der Vater eines Sohnes gut gebrauchen kann. Unterwegs klingelt ständig Egers Handy. Außerhalb der Anrufe arbeitet der Verwaltungschef am Laptop auf dem offenen Handschuhfach – oder er tauscht sich mit Skibbe aus. Sieben Tage in der Woche sind beide zusammen unterwegs. „Klar, dass wir uns da auch mit der Urlaubsplanung absprechen“, sagt der Fast-Ruheständler.

Anders verhielt es sich auch nicht vor Egers Zeit. Die meisten Termine riss er mit Oberkreisdirektor Haubold herunter. „Er fuhr nie selbst, hat mir immer nur einen Zeitpunkt der Ankunft genannt – und ich durfte sagen, wann wir starten.“ Nur einmal musste Haubold ans Steuer: während einer Dienstfahrt durch Frankreich, als sich Skibbe unterwegs das Knie verdrehte.

Einen weiteren der wenigen Zwischenfälle gab's 2002 mit Eger, als beide in eine Massenkarambolage auf der A 2 gerieten: „Irgendwie flogen Autoteile und ein Wagen an uns vorbei, aber Herr Skibbe hat eiskalt reagiert und uns auf den Standstreifen in Sicherheit gesteuert.“ Sie hielten an und erkundigten sich, ob sie helfen könnten. Das mussten sie nicht, „aber mir war nach dieser knappen Situation schlecht“, erinnerte sich der Landrat.

Am alten BMW gab's damals dank Skibbes Fahrertraining nur einen Kratzer – und um den kümmerte er sich wie um alle Dienstwagen der Kreisverwaltung. 16 sind es momentan. Zudem sorgt er mit dem Aufbau der Mikrofonanlage für den „guten Ton“ während der Kreistagssitzungen. Zuletzt kam eine weitere Aufgabe hinzu: Viele der 625 Bewerbungen um seine Nachfolge sah er sich mit an, teils saß er auch in den Auswahlgesprächen.

Morgen nun gibt Peter Skibbe die BMW-Schlüssel an Richard Nowak ab und braust mit seinem privaten Volvo XC 90 davon. Für immer? Nicht ganz. „Wir haben vereinbart, dass ich während seiner Urlaube mal einspringe – wenn ich überhaupt Zeit habe.“ Denn jetzt will sich der 62-Jährige mehr um seine drei Häuser und das Ferienhaus in Ungarn kümmern. „Vorher wollen meine Partnerin und ich aber noch durch die USA touren.“ Dann sitzt der frisch gebackene Ruheständler nicht auf dem Fahrersitz, sondern nimmt im bequemen Reisebus Platz. Mal sehen, ob es ihm da nicht in den Füßen für Gas und Bremse juckt.

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