Jacqueline Sendmeyer hat als Gastschülerin in den USA neue Freundschaften geschlossen

Der Abschied fiel ihr richtig schwer

Den American Way of Life hat sie eingehend kennen gelernt. Elf Monate im US-Bundesstaat Kansas liegen hinter ihr: Jacqueline Sendmeyer ist zurück in ihrer Heimat. · Archivfoto: boh

Harpstedt - Die deutsche Sprache beherrsche sie noch, sagt Jacqueline Sendmeyer und lächelt. Allerdings sei es ihr nach der Rückkehr in die Heimat schon passiert, dass „ich manchmal mitten in einer Konversation auf Englisch umgeschaltet habe“.

Elf erlebnisreiche Monate liegen hinter der Harpstedterin, die als Gastschülerin in Olathe im US-Bundesstaat Kansas den American Way of Life genoss. Nun hofft sie auf ein möglichst baldiges Wiedersehen mit ihren in den USA hinzugewonnenen Freundinnen. Die Mädchen wollen sie beizeiten besuchen oder zu sich einladen.

Die teilweise doch zunächst sehr ungewohnte amerikanische Kultur und Lebensart hat Jacqueline eingehend erfahren. Sie wunderte sich darüber, dass Steuern nicht in ausgewiesene Verkaufspreise eingerechnet sind, die Menschen in Olathe wegen der oft schwülen Witterung mit Ausnahme von Bäumen und Büschen kaum etwas in ihren Gärten anpflanzen und der Gast im Restaurant bis zu 20 Prozent Trinkgeld gewährt. „In Amerika haben alle von Ost nach West verlaufenden Straßen eine Nummer und alle, die von Nord nach Süd führen, einen Namen“, entging der 16-Jährigen nicht. Dadurch sei es leicht, ein Ziel anhand von Wegbeschreibungen auch in einer nicht vertrauten Umgebung zu finden.

Sehr augenfällige Unterschiede offenbarte das Bildungssystem: „Die Grundschule währt von der ersten bis zur fünften Klasse. Dann folgen eine Mittelschule für Klassen sechs bis acht und die High School für die letzten vier Jahre. Da es in den USA keine Unterteilung in Gymnasium, Real- und Hauptschule gibt, besuchen nach der Entlassung so gut wie  alle  Schüler   ein Col-lege“, erzählt die Harpstedterin. Der Unterricht unter der Woche dauere von 8 bis 13 Uhr und werde nur in der Mittagszeit von einer Pause unterbrochen. Die Lehrer hätten feste Räume in der Schule, und nach dem Unterricht stünden sie Rat und Hilfe suchenden Schülern als Ansprechpartner zur Verfügung.

Gleich mehrere Erfolge bescherten Jacqueline einen runden Abschluss ihres Gastschülerjahrs. Zum Ende der Leichtathletik-Saison gewann ihr Team den „State“- Titel. Die Abschlussarbeiten bereiteten keine Probleme: Die Harpstedterin bestand alles, was es zu bestehen gab, schaffte es – wie auch viele andere Schüler – sogar auf die „Principal’s Honor Role“ und erhielt als Belohnung einen Anstecker und eine Urkunde. Voraussetzung dafür, auf diese Liste zu kommen, ist ein guter Notendurchschnitt.

Gegen Ende ihres Jahrs in den USA wohnte die Harpstedterin für einige Wochen bei ihrer besten amerikanischen Freundin Makenzie. Deren Familie schloss das Mädchen aus „Germany“ sogleich ins Herz. „Man kann auf jeden Fall mehr als ein Zuhause haben, sogar mehr als zwei“, lautet eine der Lehren, die Jacqueline aus ihrem Aufenthalt in den Staaten zieht.

Ein Highlight wartete Ende Juni auf sie und Makenzie. Beide fuhren zusammen mit ihrer Freundin Kristen sowie weiteren Jungendlichen, die sich mit der Kirche verbunden fühlen, nach Los Angeles. Dort arbeiteten sie im „Dream Center“, einer Einrichtung, die Obdachlosen, Alkoholikern und anderen Bedürftigen hilft. „Wir haben Essen ausgegeben und mit den Menschen gebetet, in den Straßen Müll aufgesammelt und die Kirche geputzt. Wir haben uns aber natürlich auch den Hollywood Boulevard mit den pinkfarbenen Sternen der Stars auf dem Boden angeschaut und sind am Venice Beach im Pazifik schwimmen gegangen.“

Bei Besuchen von Gottesdiensten mit Band, christlicher Rockmusik und auf Leinwand projizierten Liedtexten, die von der Gemeinde eifrig mitgesungen wurden, fühlte sich Jacqueline Sendmeyer so gar nicht an ihre Heimat erinnert. Die Gotteshäuser hätten „Sitze wie im Kino und eher selten Kirchtürme oder gar Glocken“, erinnert sie sich. Die 16-Jährige lernte die Kirchen in Amerika als wichtigen Bestandteil des sozialen Lebens kennen.

Schon mit etwas Wehmut denkt sie an das Ende der Gastschülerzeit zurück: „Der Abschied fiel mir echt schwer, da viele meiner besten Freundinnen im Urlaub waren und nicht mit zum Flughafen konnten.“

Wieder im beschaulichen Harpstedt angekommen, wunderte sich Jacqueline Sendmeyer über ein für die Bürger des Fleckens ganz alltägliches Bild: „Ich habe an nur einem Tag wohl mehr Fahrräder gesehen als in knapp einem Jahr in den USA.“ · eb/boh

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