Diakoniewoche gestern in Gottesdienst mit Gastpredigerin Annelie Keil eröffnet

Von Abschied und Ankunft

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Pastorin Christina Kleingeist (6.v.l.) begrüßte die Sozialwissenschaftlerin Dr. Annelie Keil (rechts daneben) als Gastpredigerin. Marlis Winkler (ganz rechts) läutete die Diakonische Woche des Kirchenkreises Syke-Hoya offiziell ein. Der Hospizverein der Samtgemeinde hatte eine Ausstellung vorbereitet und nahm mit Käthe Horstmann, Gabriele Proske, Silke Meier-Sudmann, Anke Scheele, Uta Reinking, Elke Grünhagen, Karin Möller und Elke Kopmann-Cordes (von links) am Gottesdienst teil.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Mit Gedanken über das Pflanzen und Ernten, Werden und Sterben oder auch Abschied und Ankunft hat Gastpredigerin Dr. Annelie Keil gestern während eines im Zeichen der Hospizarbeit stehenden, recht gut besuchten Gottesdienstes in der Harpstedter Christuskirche, der zugleich die Diakonische Woche im Kirchenkreis Syke-Hoya einläutete, die Ambivalenz des Daseins verdeutlicht.

„Das menschliche Leben beginnt schon mit einem Abschied. Wir müssen uns nach neun Monaten verabschieden von der wunderbaren ,Wohnung‘ im Mutterleib“, sagte die renommierte Bremer Sozialwissenschaftlerin vorab im Gespräch mit der Kreiszeitung. Auch der Tod trage eine Ambivalenz in sich. „Wenn wir sterben, geben wir ja gewissermaßen den Raum für die nächste Generation frei.“

Die 74-jährige Professorin predigte über Jakobs – im Alten Testament nachzulesenden – Traum von der „Himmelsleiter“ (Genesis 28). Geboren werden und „sterben lernen“ – das bleibe, so sagte sie, ein ewiges Rätsel. „Viele kleine Tode, Millionen Abschiede gehen der letzten Erfahrung unserer Endlichkeit voraus. Eine Liebe stirbt, ein unhaltbarer Gedanke auch. Eine Vision zerbricht im Wahnsinn der Normalität. Und jedem Anfang wohnt ein neuer Zauber inne. Kriege, Stürme, Fluten reißen weg, was wir für Heimat hielten. Doch an den Rändern der Zerstörung wächst der Frieden.“ Solche Gedanken passten zum Gottesdienstmotto „Abschiednehmen ins Leben holen“ – wie auch die Mitwirkung von Aktivposten des Vereins „Hospiz Samtgemeinde Harpstedt“, die zusätzlich in einer Ausstellung an Stellwänden über Sterbebegleitung und ihre Arbeit informierten. Bei den Fürbitten und einer Lesung brachten sich Elke Kopmann-Cordes und Käthe Horstmann aktiv ein; Hospizhelferin Karin Möller stellte sich Interviewfragen von Pastorin Christina Kleingeist zu Hospizverein und -arbeit.

Ein neuer Ausbildungskurs zum Sterbebegleiter oder zur Sterbebegleiterin soll im Oktober beginnen. Recht gut angenommen wird das „Trauercafé“, das jeweils am ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr seine Pforten in der Begegnungsstätte an der Amtsfreiheit öffnet. In der Hospizarbeit in der Samtgemeinde spielen Religion, Weltanschauung und Nationalität der auf dem letzten Abschnitt ihres Lebens zu begleitenden Menschen keine Rolle.

Musikalisch gestalteten der Harpstedter Kirchenchor mit seiner Leiterin Daniela Predescu und Christa Kaiser an der Orgel den Gottesdienst. Die offizielle Eröffnung der Diakoniewoche oblag Marlis Winkler, der neuen Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis.

Die Ausstellung des Hospizvereins verbleibt bis zum 15. September in der Christuskirche und kann während der Kirchenöffnungszeiten (sonntags von 13.30 Uhr bis 17 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 12 und 17 bis 18 Uhr) in Augenschein genommen werden.

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