Vierte Deutsche Scrabble-Meisterschaft startet heute in Nienburg

70 Wort-Akrobaten erliegen dem Bann der Buchstaben

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Nehmen an der heute in Nienburg beginnenden Deutschen „Scrabble“-Meisterschaft zwar nicht teil, gehören aber längst zu den Nachwuchs-Wort- und Buchstaben-Akrobaten: Max (l.) und Jonas.

Nienburg - Von Kurt HenschelDie Augsburgerin Ulla Trappe hatte im vergangenen Jahr bei der Deutschen Scrabble-Meisterschaft in Nienburg ihre Überlegenheit unter den Wort-Künstlern eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Sie erreichte in 20 Spielen ungefährdet das Finale, wo sie ihrem Gegner Theo Kardel aus Borchen (Nordrhein-Westfalen) keine Chance ließ. Ihren Titel kann sie an diesem Wochenende nicht verteidigen, denn sie gehört nicht zu den 70 Wort-Akrobaten, die sich für das Rennen um den Titel im Theater angemeldet haben.

Sehr wohl mit von der Partie ist der Vorjahres-Zweite. Ob Kardel die Abwesenheit von Ulla Trappe nutzen kann, sei „im Vorfeld nicht einzuschätzen“, erklärt Sebastian Herzog (Hannover). Er ist Präsident des Vereins „Scrabble Deutschland“ und gehört selbst zu denen, die sich um den Sieg bemühen. Nach Rang vier im Vorjahr möchte er über die Pfingst-Feiertage jetzt gern einen Platz auf dem Treppchen ergattern.

Obwohl in Nienburg ausschließlich Erwachsene am Start sind, betont Herzog die Bedeutung der Jugendarbeit im Verein „Scrabble Deutschland“. Eines der Ziele, so äußerte sich der Präsident in einem Interview, sei es, den Jugendlichen die Vielseitigkeit der deutschen Sprache sowie die Grammatik schmackhaft zu machen. Auf die Frage, ob das über das Spiel zu schaffen sei, hatte Herzog in dem genannten Interview geantwortet: „Und ob!“ Schüler hätten mit dem Duden gelernt, sogar in die Grammatik geschaut. „Das würden sie freiwillig doch nie tun“, so der Turnier-Organisator. Es habe den Schülern sogar beim Rechnen etwas gebracht: „Unter den Schülern gab es verbreitet Schwächen in der Multiplikation. Wenn sie richtig gerechnet hätten, wäre für sie mehr drin gewesen“, so der Scrabble-Präsident. Er fügte hinzu: „Als Gegner musst du deinen Mitspieler nicht korrigieren, wenn er seine Punkte falsch zusammenrechnet. Es ist seine eigene Dummheit.“ Auf diese Weise hätten die Jugendlichen beim Spielen auch Rechnen geübt.

Herzog, der im Auftrag der Firma „Mattel“ die Regeln aktualisiert hat, freut sich auf das Wiedersehen der Wort-Akrobaten, die erneut dem Bann der Buchstaben erliegen dürften, bis feststeht, wer sich Deutscher Meister nennen darf.

Gegen 12 Uhr begrüßt Herzog heute die Teilnehmer und erläutert das Regelwerk. Von 13 bis 19 Uhr laufen die ersten Spiele, die jeweils eine Stunde dauern. Morgen und am Sonntag geht es jeweils um 9.30 Uhr los, am Montag beginnt das 20. Spiel bereits um 9.15 Uhr. Es folgen um 11 und um 12.15 Uhr das erste und zweite Finale, ehe es die Sieger ehrung gibt.

Über die Einhaltung der Regeln wachen übrigens Schiedsrichter. Zuschauer können die Partien zumeist in einem Nebenraum auf einer Leinwand verfolgen, damit die Spieler selbst ihre Ruhe haben und sich voll auf ihre Buchstaben-Kombinationen konzentrieren können. Für den Erfolg indes gibt es kein Rezept: Es sei ein Mix aus Glück und Strategie, so Deutschland-Präsident Sebastian Herzog.

Übrigens: Diese Meisterschaft geht wieder in Nienburg über die Bühne, weil die Organisation im Vorjahr „hervorragend“ gewesen sei. So treffen sich also die besten Wort-Künstler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum erneut dort.

Ein paar Details zum Spiel:

· Scrabble: Ein Brettspiel, bei dem die Spieler aus zufällig gezogenen Buchstaben Wörter legen und dabei die verschiedenen Bonusfelder auf dem Spielbrett nutzen können.

· Spielbrett: Auf dem Spielbrett finden sich 225 (15 × 15) Spielfelder, von denen 60 Bonusfelder sind: 24 × doppelter Buchstabenwert (hellblaue Felder), 16 × doppelter Wortwert (rosafarbene Felder), 12 × dreifacher Buchstabenwert (dunkelblaue Felder), 8 × dreifacher Wortwert (rote Felder). Hinzu kommt der Stern in der Mitte des Spielbretts, der ebenfalls den Wert eines Wortes verdoppelt.

· Buchstabensteinchen: In der deutschen Version wird Scrabble seit 1989 mit 102 Steinchen gespielt (100 mit Buchstaben bedruckt und zwei ohne Aufschrift). Die einzelnen Buchstaben kommen unterschiedlich häufig vor und werden unterschiedlich gewertet. Anzahl und Punktwert richten sich dabei wesentlich nach der Häufigkeit des Buchstabens in der Sprache. Allerdings wird auch die „Spielbarkeit“ eines Buchstabens berücksichtigt. Aktuell ist die Buchstabenverteilung im deutschsprachigen Scrabble wie folgt (in Klammern jeweils die Häufigkeit der Buchstaben):

1 Punkt: E (15), N (9), S (7), I (6), R (6), T (6), U (6), A (5), D (4)

2 Punkte: H (4), G (3), L (3), O (3)

3 Punkte: M (4), B (2), W (1), Z (1)

4 Punkte: C (2), F (2), K (2), P (1)

6 Punkte: Ä (1), J (1), Ü (1), V (1)

8 Punkte: Ö (1), X (1)

10 Punkte: Q (1), Y (1)

0 Punkte: Joker/Blanko (2)

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