Bernd Ohm erzählt die Geschichte des alten Gerichts in Hilgermissen – Teil zwei

Von Wittmersloh, der Rolle der Siebenmeier und dem Ende

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Auf dieser Karte von 1898 ist der Eitzendorfer Ortsteil Holsten noch verzeichnet. Dort tagte das Gericht in einem Wald.

Hoya - Wittmersloh · Jahrhundertelang sprach das Gohgericht Wittmersloh Recht auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Hilgermissen sowie für Oiste und Martfeld, davon schrieb der Magelser Bernd Ohm in unserer gestrigen Ausgabe. Heute setzen wir seinen zweiteiligen historischen Bericht fort.

Das Gericht Wittmersloh wird 1250 erstmals genannt. Doch was bezeichnet der Name? Die Endung „-loh“ ist ein altes niederdeutsches Wort für den Wald. „Witte“ hingegen taucht im Sprachgebrauch des Mittelalters vor allem in der Bremer Gegend in Bedeutungen wie „Gesetz“ oder „Ratsversammlung“ auf, man vergleiche etwa die „Wittheit zu Bremen“, mit der die Gesamtheit der Bremer Ratsherren bezeichnet wurde, oder das „Wittegeld“, das zahlen musste, wer zur Versammlung nicht erschien. Die Bedeutung des Ortsnamens ist also in etwa „Wald der Gerichts- und Ratsversammlung“.

Auch die Lage dieses Waldstücks kann man einigermaßen sicher angeben: „Wismelohe jetzo dicitur Holsten“ heißt es 1583 im Erbregister der Grafschaft Hoya, und südlich des Eitzendorfer Ortsteils Holsten erstreckt sich auf der kurhannoverschen Landesaufnahme von 1771 ein „königlicher Sünder“, also ein kleiner Wald im Privatbesitz von König Georg III. von England, der als Kurfürst von Hannover Erbe der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg und damit der Grafen von Hoya war. Das Gericht wurde damals schon lange nicht mehr gehalten, aber der alte Gerichtswald war offenbar immer noch im Besitz des Rechtsnachfolgers der früheren Gerichtsherren. Diese Lokalisierung wird auch dadurch gestützt, dass manche Gerichtsversammlungen in der näheren Umgebung auf den Höfen von Eitzendorfer Bauern oder beim Wührdener Siebenmeier stattfanden.

Die Siebenmeier spielten ohnehin eine große Rolle für das Gerichtswesen. Urkundlich belegt ist ihre Rolle als ständige Beisitzer beim Hoyaer Landgericht. Der Hoyaer Rechtsanwalt Albert Heinrich Oppermann nimmt Mitte des 19. Jahrhunderts in einem Aufsatz über das Gerichtswesen sicher zu Recht an, dass bei den Gohgerichten die jeweils örtlichen Siebenmeier dieselbe Funktion ausübten. Diese herausgehobene Stellung dürften sie ihrer ursprünglichen Rolle als „Verwaltungsleiter“ des Ma ter ni stifts Bücken zu verdanken haben. Die Angehörigen des Stifts und dessen sämtliche Hörige und Leibeigene waren nämlich durch mehrere königliche Edikte von der Zuständigkeit der öffentlichen Richter ausgenommen, sodass im Früh- und Hochmittelalter eine eigene Gerichtsbarkeit bestanden haben muss, die wahrscheinlich durch den Stiftsvogt und die Siebenmeier ausgeübt wurde. Die Grafen von Hoya setzten sich später in den Besitz der öffentlichen Gewalt ebenso wie in den der Vogteigewalt des Stiftes und nahmen dies wohl zum Anlass, beide Gerichtsbarkeiten wieder zusammenzuführen und die Siebenmeier zum Ausgleich als Beisitzer in den öffentlichen Gerichten einzusetzen.

So wirkte das Gohgericht Wittmersloh bis ins Jahr 1646.

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