Hebamme Maren Drewes: Bald keine Haftpflicht mehr im Angebot

„Wenn sich nichts ändert, muss ich schließen“

Alles, außer der Geburt bietet Maren Drewes in ihrer Hebammenpraxis an – ohne Haftpflichtversicherung darf sie aber nicht arbeiten.
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Alles, außer der Geburt bietet Maren Drewes in ihrer Hebammenpraxis an – ohne Haftpflichtversicherung darf sie aber nicht arbeiten.

Bad Rehburg - Von Beate Ney-Janßen. Hebammen in ganz Deutschland schlagen Alarm: Ihnen sollen die Haftpflichtversicherungen gekündigt werden – was einem Berufsverbot gleichkäme. Auch die Bad Rehburger Praxis von Hebamme Maren Drewes ist davon betroffen.

„Wenn sich nichts ändert, muss ich meine Praxis im nächsten Jahr schließen.“ Maren Drewes hofft, dass es dazu nicht kommt. Schließlich macht sie ihre Arbeit als Hebamme nicht nur sehr gerne, sondern offensichtlich wird sie auch dringend gebraucht. Allein schon die spielenden Kinder auf dem Fußboden, die Säuglinge in den Armen ihrer Mütter, die Schwangeren, die auf eine Akupunktur warten, die Frauen, die eben ihre Rückbildungsgymnastik beendet haben, und das Telefon, das immer wieder klingelt, weil werdende Mütter einen Rat suchen, legen Zeugnis davon ab.

So ungefähr geht es montags in den Vormittagsstunden in der Hebammenpraxis von Maren Drewes zu. Dann sind jeweils Mütter und Kinder zum Still- und Müttercafé eingeladen und so manches andere kommt dann eben auch noch zusammen. Junge Mütter sitzen dort am großen Frühstückstisch zusammen und reden über das, worüber junge Mütter eben so reden – aber nicht nur das. Hier, sagt eine Frau, lernten sie sich auch kennen. So manche der Mütter und Kinder würden schließlich vom Kindergarten über die Schulzeit noch viele Jahre miteinander zu tun haben.

Die erste Annäherung also, der erste Kontakt und die Chance auf lange Freundschaften – und das schon kurz nach der Geburt. Dass sie dazu auch in vielen Belangen die Dienste von Maren Drewes in Anspruch nehmen können, die fröhlich inmitten des Gewusels alle versorgt, versteht sich von selbst.

Weshalb Maren Drewes, die Hebamme, in deren Praxis in Bad Rehburg diese Mütter zusammenkommen, womöglich bald schließen muss, hat beileibe nichts damit zu tun, dass ihre Arbeit nicht nachgefragt wird. Und wenn die Bezahlung über die Krankenkassen auch nicht eben üppig ist, so ist Drewes doch zufrieden. Das drohende Ende ihrer Praxis liegt vielmehr in der Haftpflichtversicherung. Da kann es nämlich geschehen, dass es eine solche für Hebammen demnächst nicht mehr gibt.

Seit Jahren schon, sagt sie, seien die Versicherungen immer teurer geworden. Sie, als Hebamme, die „alles, außer der Geburt“ – also von der Vorsorge bei den Schwangeren bis zur Nachsorge lange nach der Geburt – mache, seien die Prämien dabei noch vergleichsweise günstig. Um die 600 Euro zahlt sie momentan jährlich. Hebammen, die Frauen und Kinder während der Geburt betreuten, müssten ein Zehnfaches dessen zahlen. Aktuell liegt der Satz solcher Hebammen bei rund 4 240 Euro. Im Jahr 2008 waren es noch rund 1 500 Euro.

Für die Hebammen, die Geburtshilfe leisteten, sagt Drewes, sei es jetzt schon so, dass sie eigentlich nicht mehr arbeiten könnten – die Vergütung je Geburt sei nämlich keineswegs prozentual zur Höhe der Versicherungs-Prämie angestiegen. Richtig kritisch werde es für alle aber ab Mitte 2015 – denn für das kommende Jahr habe auch die letzte Versicherung, die Hebammen überhaupt aufnehmen wolle, angekündigt, keine neuen Verträge mehr abzuschließen. Da die aktuellen Verträge ohnehin stets zeitlich befristet waren, heißt das, dass – sofern keine Einigung erzielt wird – in 2015 keine Hebamme mehr arbeiten kann. „Das“, sagt Drewes, „kommt einem Berufsverbot gleich.“

Dass die Prämien so immens angestiegen sind und nun womöglich keine einzige Versicherung mehr angeboten werden soll, liegt aber keinesfalls daran, dass mehr Kinder und Mütter durch Fehler von Hebammen geschädigt werden als zu früheren Zeiten. Diese Anzahl ist nicht gestiegen – wohl aber die Schadensersatzforderungen, die aus Fehlern resultieren.

Die gestiegene Lebenserwartung der Geschädigten kann leicht zu Schadensersatzansprüchen in Millionen-Höhe führen. Wie wichtig und richtig die Arbeit von Hebammen sei, werde doch in der Politik immer wieder betont, sagt Drewes. Nun müsse von dieser Seite auch Hilfe kommen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat sich zwischenzeitig in die Verhandlungen des Hebammenverbandes und der Versicherungsträger eingeschaltet. Wie wir in unserer heutigen Ausgabe auf der Politik-Seite im vorderen Teil berichten, wird eine Begrenzung der Kostenrisiken in Erwägung gezogen. Auf eine schnelle Lösung hoffen alle – nicht zuletzt die vielen Mütter und Kinder, die sich in der Praxis von Maren Drewes gut aufgehoben fühlen.è Politik

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