Rahdener Eisengießerei fertigt Gullydeckel mit Stadtwappen

Wenn Hoya kommt,muss Amsterdam warten

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Jürgen Hagedorn (Mitte) erklärte Jens Neinhardt (rechts) und Rolf Klatteam Aluminiummodell den Fertigungsprozess.

Rahden / Hoya - Von Kai Pröpper. Der frisch gegossene 95-Kilo-Gullydeckel poltert glühend vom Fließband in den Putzkorb. In der Mitte schimmert rot das Hoyaer Stadtwappen.

Gießereileiter Ingo Schröder (links) verdeutlicht, wie die schwarzen Sandformen aufeinandergelegt werden.

Es ist der erste von 25 Deckeln, der jetzt bei Meier-Guss in Rahden vom Band gelaufen ist – unter den Augen von Dr. Jens Neinhardt. Der Hoyaer hatte den Kauf  angeregt und vom Rat im zweiten Anlauf die Zustimmung erhalten. Gemeinsam mit seinem Schützen- und Skatbruder Rolf Klatte und Kreiszeitungsredakteur Kai Pröpper hat er nun den Fertigungsprozess beobachtet.

Jürgen Hagedorn von der Eisengießerei Heinrich Meier im westfälischen Rahden stand ihnen dabei Rede und Antwort. Ein zweiteiliges Aluminium-Modell bildet die Grundlage. An dicken Ketten hievt ein Mitarbeiter beide Teile in die vollautomatische Gießanlage, die theoretisch eine Person vom Computer aus steuern kann.

Dann werden große Formkästen mit Sand gefüllt. Der wird so oft wiederverwendet, dass er mittlerweile pechschwarz ist, erklärt Gießereileiter Ingo Schröder.

So sieht er aus, der fertige Gullydeckel mit Wappen. Unten zu erkennen: die Vertiefung für das Sponsorenschild.

Mit 400 Bar presst die Maschine anschließend einen Abdruck der Aluminiumformen in den Sand – die Oberseite des Gullydeckels in den einen Formkasten, die Unterseite in einen anderen. Der Sand wird dadurch so fest, dass er dem später eingefüllten Eisen standhält. Zwei Gullydeckel und zwei weitere Teile für eine andere Produktion passen neben ein ander in eine Form. „Wenn der Sand schlecht ist, können sie das Ergebnis vergessen“, sagt Schröder.

Für jeden Artikel entsteht in Rahden eine solche Sandform. Immer wieder bekomme die Gießerei Anfragen zur Fertigung von Unikaten, sagt Schröder. „Das geht bei unserer Anlage aber nicht. Wir brauchen schon eine Serie.“ Um die 25 Vollguss-Deckel für Hoya zu gießen, unterbricht die Firma kurzzeitig die Fertigung von Deckeln für die niederländische Hauptstadt Amsterdam.

Ist der Sand gepresst, werden die Formen für Unter- und Oberseite der Gullydeckel aufeinandergelegt. Nur ein etwa apfelgroßes Loch bleibt offen. In dieses fließt das 1 300 Grad heiße Guss eisen. Es stammt aus dem benachbarten Herz der Gießerei, dem mit Koks geheizten Heißwind-Kupol-Ofen. Die Temperatur im Inneren dieses Monstrums beträgt fast 1 500 Grad. Bis das flüssige Metall in der Sandform abgekühlt und erstarrt ist, kommen die Formkästen in einen „Kühlbahnhof“.

Vollmachen bitte: Das rund 1300 Grad heiße Gusseisen fließt durch einen Trichter in den Formkasten.

„Gehen wir mal ins Warme“, lädt Ingo Schröder seine Gäste ein, dem Ofen etwas näher zu kommen. Funken sprühen beim Umfüllen der flüssigen Metalls. „Das sind nur Staubpartikel, die verbrennen“, beruhigt der gelernte Modellbauer und gewährt auch Einblicke in die Modell-Abteilung sowie das Rohstoff-Lager der Firma. Dort warten Heizkörper, Rohre und so manch andere Gegenstände auf ihre Einschmelzung.

„Die Führung ist optimal“, lobt Jens Neinhardt begeistert. „Es ist erstaunlich, dass uns die Mitarbeiter alles so offen zeigen.“

Die Besichtigungstour endet am Fließband, auf dem die fertigen Deckel sowie Sand- und Metallreste liegen. Mit Handschuhen und Schürhaken reißt ein Mitarbeiter überflüssige Eisenstücke in einen Korb – sie landen schlussendlich wieder im Ofen.

Die Deckel fahren in eine Strahlkabine, wo sie von Sandpartikeln befreit werden. Etwa 200 Grad sind sie noch heiß, als Mitarbeiter sie auf Stahlgestelle wuchten. Dann kommen sie in die Qualitätskontrolle und demnächst auf die Hoyaer Gullyschächte.

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