Bernd Ohm erzählt in zwei Teilen die Geschichte eines alten Gerichts

Warum Hilgermissen auch Wittmersloh heißen könnte

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„Gohgericht“ von Ferdinand Brütt. Das um 1920 entstandene Werk soll eine mittelalterliche Gerichtssitzung in der Lüneburger Heide darstellen. Diese Vorzeichnung für ein Bild im Sitzungssaal des Landgerichts Lüneburg befindet sich heute im Stadthaus von Bergen.

Hoya - Wittmersloh · Während die Bürger der Gemeinde Hilgermissen über das Für und Wider von Straßennamen streiten, hat der Magelser Bernd Ohm kürzlich dafür plädiert, bei einer Einführung von Straßennamen gleich auch die Gemeinde umzubenennen.

Als neuen Namen schlägt er Wittmersloh vor und erklärt an dieser Stelle die Herkunft der Bezeichnung. Wir drucken den Text in zwei Teilen.

Dass die Gemeinde Hilgermissen nach einem ihrer Ortsteile benannt ist, führt immer wieder zu Missverständnissen (siehe Kasten). Dabei ist es gar nicht schwer, eine historische Rechts- und Verwaltungsgemeinschaft zu finden, die zu großen Teilen deckungsgleich mit der heutigen Gemeinde war: das Gohgericht Wittmersloh.

Mitte des 19. Jahrhunderts wirkte in Hoya und Nienburg der Rechtsanwalt Albert Heinrich Oppermann, dem wir nicht nur die Verewigung der Grafenstadt als „Heustedt“ in seinem Roman „Hundert Jahre“ verdanken, sondern auch einen äußerst wertvollen historischen Aufsatz über das Gerichtswesen des alten Amts Hoya unter den Grafen und den Welfenfürsten. Das Amt war demnach bis Mitte des 17. Jahrhunderts in vier Gohgerichte (Bücken, Hoya, Gandesbergen/Hämelheide und eben Wittmersloh) unterteilt, die neben der niederen Gerichtsbarkeit auch bestimmte Verwaltungsaufgaben wahrzunehmen hatten, etwa die Einteilung der Burgdienste, die Organisation der Landesverteidigung und die Erhebung von Steuern und Abgaben.

Die Tradition der Gohgerichte ist in ganz Nordwestdeutschland verbreitetet und reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück, möglicherweise bis zur germanischen Thingversammlung. Der „Sachsenspiegel“, eine im 13. Jahrhundert entstandene Sammlung des damaligen Gewohnheitsrechts, liefert uns genauere Informationen: Vorsitzender Richter war der „Gohgrefe“, ursprünglich ein Wahlamt, das aber später meist erblich wurde und in die Hände des örtlichen Kleinadels und der Landesherren geriet. Alle Haushaltsvorstände waren zur Anwesenheit bei den regelmäßig abgehaltenen Gerichtsversammlungen verpflichtet, und die Urteilsfindung erfolgte durch Geschworene. Die Zuständigkeit dieser Gerichte war unterschiedlich und reichte mancherorts bis zur hohen Gerichtsbarkeit, dem Blutbann, welche Vergehen verhandelte, die mit Verstümmelungen oder mit dem Tod bestraft werden konnten. Im Amt Hoya war für den Blutbann allerdings ein vor dem Schloss durchgeführtes übergeordnetes Landgericht zuständig, unsere Gohgerichte hatten also vor allem über kleinere Delikte und Eigentumsfragen zu entscheiden.

Das Gericht Wittmersloh wird 1250 erstmals urkundlich genannt, allerdings noch als „Gericht Wechold“. Ende des 14. Jahrhunderts ist im Güterregister der Hoyaer Grafen vom „richte to Witmerslo“ die Rede, später taucht dann auch noch die hochdeutsche Form „Wißmersloh“ auf. Zuständig war das Gericht für die Dörfer der heutigen Gemeinde Hilgermissen, außerdem für Oiste und Martfeld. 1646 wurde die letzte Gerichtsversammlung abgehalten, deren Protokoll der Ubbendorfer Dorfschullehrer Fritz Helfers in den 1930er-Jahren fand.

Was der Name Wittmersloh  bedeutet, wo das Gericht gehalten wurde und was die Siebenmeier damit zu schaffen hatten, erfahren Sie in einer unserer kommenden Ausgaben.

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