Verein LuIse sammelt Spenden für kleines Mädchen / Zehen wie Stecknadelköpfe

Loona kämpft sich ins Leben

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Die Eltern Christiane Koch und Frank Ermisch mit ihren Drillingen Loona, Lena und Luca.

Hassbergen - von Leif Rullhusen.  Eltern können wohl kaum vor eine grausamere Entscheidung gestellt werden. „Um zwei unserer Drillinge zu retten mussten wir während der Schwangerschaft entscheiden, ob wir Loona opfern“, berichtet Vater Frank Ermisch.

Die Eltern waren dazu bereit. „Wir wollten Loona gehen lassen, damit die anderen beiden überleben können“, blickt Christiane Koch auf den unfassbar schweren Entschluss zurück.

17 Monate später hält die Haßbergerin ihre Tochter im Arm. Loona hat gekämpft und lebt. Wie lange und wie sie sich weiter entwickelt, weiß hingegen niemand. Auch nicht die Spezialisten der Medizinischen Hochschule Hannover MHH, die Loona sowie ihre beiden Schwestern Lena und Luca auf die Welt brachten. „Das entscheidet Loona. Im Moment geht es ihr den Umständen entsprechend gut“, erzählt ihr Vater. Loona kam aufgrund einer Unterversorgung während der Schwangerschaft mit einer endlos langen Liste an Krankheiten auf die Welt. Und das viel zu früh in der 28. Schwangerschaftswoche. Sie leidet an dem Child-Syndrom – einer nahezu unerforschten Lungenkrankheit, stark geschädigten Nieren, einer Schilddrüsenunterfunktion und einer partiellen Netzhautablösung. Zudem schwamm ihr Gehirn die ersten acht Lebensmonate in Blut, statt in Hirnflüssigkeit.

Als Loona das Licht der Welt erblickte, war sie gerade einmal 22 Zentimeter groß und wog ganze 485 Gramm. „Sie hatte Zehen so klein, wie Stecknadelköpfe“, erinnert sich Frank Ermisch. „Unter den mit Pflastern befestigten vielen Sensoren war sie fast nicht zu sehen.“

Während Lena und Luca sich trotz der viel zu frühen Geburt ganz normal entwickelten und mittlerweile durch die Wohnung an der Haßberger Hauptstraße laufen, musste Loona beatmet werden, bekam ihre Ernährung über eine Magensonde und benötigte eine lückenlose intensiv-medizinische Betreuung. Erst nach sechs Monaten durfte Christiane Koch mit Loona das MHH unter Vorbehalt der Ärzte verlassen.

Neben den vielen gesundheitlichen Problemen ihrer Tochter erwartete Christiane Koch noch ein weiteres: Sie hätte Anspruch auf eine entsprechend ausgebildete Pflegekraft für eine pausenlose Überwachung. „Es gibt aber einfach keine“, erzählt die Mutter. Nach mehreren Monaten gab sie die Suche schließlich auf und fasste einen Entschluss. „Ich mache das alleine“, entschied sie sich. Die Haßbergerin machte einen Erste-Hilfe-Kurs für Frühgeborne und ließ sich im Krankenhaus in die Bedienung der Überwachungsinstrumente, in die Beatmung sowie in die Handhabung der Magensonde einweisen.

Der ursprungliche Plan, nach zwei Jahren in ihren Beruf in einem Taxi-Unternehmen zurückzukehren, ist hinfällig. Ebenso, wie jede halbwegs normale Freizeitgestaltung der Eltern. Seit der Geburt ihrer Drillinge waren Christiane Koch und Frank Ermisch ein einziges Mal im Kino sowie mit Ermisch erwachsener Tochter essen. „Selbst einen entsprechend ausgebildeten Babysitter für wenige Stunden zu bekommen, ist nicht möglich“, berichten Loonas Mutter. Eine Kinderkrankenschwester sei zwei Mal gekommen. Danach nie wieder. Einzige Unterstützung ist aktuell die Haushaltshilfe eines ambulanten Pflegedienstes.

Auch wenn Loona in den vergangenen Monaten oft sprunghafte Fortschritte machte, ist die weitere Entwicklung vollkommen ungewiss. „Vielleicht spricht und läuft sie irgendwann. Möglicherweise geht sie sogar einmal zur Schule. Es kann aber auch sein, dass sie bettlägerig bleibt“, blickt Christiane Koch mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Hinzu kommt die ungewisse Lebenserwartung. „Loona hatte in der Vergangenheit mehrere sogenannte Totalabstürze, bei denen die Atmung aussetzte. Nie lange, trotzdem ist ungewiss, wie sich diese auf ihr Gehirn ausgewirkt haben“, erläutert Ermisch. Derzeit hänge Loona in ihrer Entwicklung neun Monate zurück. Die Prognose einiger Ärzte, sie würde kein Jahr alt, hat die Kleine auf jeden Fall ignoriert. Im Sommer konnte sogar die Beatmung mit Sauerstoff eingestellt werden. Auch das Kortison, das sie aufgrund ihrer Lungenerkrankung bekam, wurde bereits erfolgreich abgesetzt.

Neben den Sorgen um die Zukunft ihrer Tochter lastet auf den Schultern der Eltern noch deren angespannte finanzielle Lage. Die ist derart prekär, dass Frank Ermisch und Christiane Koch in einer Fern- beziehungsweise Wochenendbeziehung leben. Während Ermisch in Langenhagen beruflich gebunden ist, will Christiane Koch ihren beiden älteren Söhnen (12 und 14 Jahre) keinen Schulwechsel zumuten und sie zudem nicht aus ihrem sozialen Umfeld herausreißen. „Für das tägliche Pendeln reicht unser Geld aktuell nicht“, erklärt die Mutter. Als wäre das noch nicht genug, hatten die beiden anfangs jede Menge Ärger mit ihrer Krankenkasse. Fast systematisch sei jeder Antrag erst einmal abgelehnt worden. „Selbst lebenserhaltende Maßnahmen, wie einen Sauerstofftank“, ist Familienvater Ermisch noch immer fassungslos. Teilweise hätte die MHH mit rechtlichen Schritten gedroht, bevor die Kasse reagiert habe. Zumindest dieses Problem hat die Familie durch einen Wechsel der Krankenkassen beseitigen können.

Die grundsätzliche finanzielle Lage hat sich deshalb natürlich nicht entspannt. Anschaffungen jeglicher Art außer der Reihe sind für die Familie derzeit nicht zu stemmen. Deshalb ist sie auf Unterstützung angewiesen. Der gemeinnützige Verein LuIse aus Stolzenau hat den Eltern bereits mit einer neuen Waschmaschine und einem Sandkasten unter die Arme gegriffen und will dies auch weiterhin machen.

Vor zehn Jahren gründete Ramona Törper LuIse, um Angehörige in der häuslichen Altenpflege zu unterstützen. Das ist allerdings nicht der einzige Zweck. „Wir fördern neben der Begegnung von jungen und alten Menschen auch die von gesunden und kranken“, verdeutlicht die Vereinsvorsitzende. In der Vergangenheit erfüllte LuIse Pflegebedürftigen schon so manchen ausgefallenen Wunsch. Nun bittet der Verein um Unterstützung für die Familie Koch/Ermisch. „Die Familie braucht einen Pkw, in dem sie die Drillinge inklusive Spezialrollstuhl transportieren kann. Häufig fahren sie zur MHH in Hannover“, erklärt Ramona Törper. Spenden nimmt LuIse unter dem Stichwort „Loona“ entgegen. „Die sind steuerlich absetzbar und natürlich zweckgebunden“, versichert die LuIse-Vorsitzende.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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