Gefährliche Gleichgültigkeit

Trotz Verbot: Jogger, Quadfahrer und Hundebesitzer auf Bundeswehr-Übungsplatz in Nienburg

Ein Hubschrauber über Baumwipfeln.
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Hubschrauberpiloten nutzen den Standortübungsplatz Nienburg-Langendamm als Trainingsgelände.

Verbotsschilder warnen überdeutlich vor dem Betreten des Standortübungsplatzes in Nienburg-Langendamm. Oft vergeblich: Trotz großer Gefahr nutzen Jogger, Quadfahrer und Hundebesitzer regelmäßig den Bundeswehr-Übungsplatz.

Nienburg . Auf dem Standortübungsplatz in Nienburg-Langendamm ist ständig Übungsbetrieb. Nicht nur Soldaten des Standortes nutzen diesen, wie Maik Hoerhold als Informationsfeldwebel für das Multinational Civil-Military Cooperation Command in einer Pressemitteilung erklärt. Auch andere Bundeswehreinheiten und die Polizei sind öfter dort.

Alle Standortübungsplätze verfügen ringsum über Verbotsschilder, führt die Bundeswehr in ihrer Mitteilung aus, stellt aber fest: Diese werden oftmals missachtet. Der Glaube einiger Anwohner und Abenteuerlustiger, ein ruhiges und ungefährliches Gelände zu betreten – trotz anderslautender Hinweise –, könne mit schweren Verletzungen oder im schlimmsten Fall tödlich enden, betont Hoerhold.

37 Hinweisschilder weisen entlang des Standortübungsplatzes Nienburg-Langendamm auf Gefahren hin.

Was am Nienburger Standort beobachtet wird? Anwohner führen ihre Hunde Gassi. Quer über die sogenannte Mörserwiese seien schon geführte Jogging-Gruppen beobachtet worden. Auch Quads und Enduros würden häufiger auf der Panzerübungsstrecke gesehen.

Soldaten mit schweren Fahrzeugen seien auf dem Gelände unterwegs, gelegentlich auch nachts und an Wochenenden, erläutert Stabsfeldwebel Marco Singer, der als neuer Standortfeldwebel den Übungsplatz betreut. Sie üben bei Dunkelheit das geräuscharme Fahren ohne Licht, trainieren den Bau von Sperren aus messerscharfem Bandstacheldraht und heben Kampfstände aus, die für Menschen, die dort nichts verloren haben, leicht zur Fallgrube werden können. Darüber hinaus werde darüber nachgedacht, bei Bedarf in begrenztem Umfang Schießbetrieb durchzuführen. Von zwischenzeitigen ruhigeren Phase sollten sich Neugierige daher nicht täuschen lassen.

„Nur, weil in Nienburg keine Kettenfahrzeuge mehr stationiert sind, heißt das nicht, dass auf dem Übungsplatz nichts mehr los ist“, wird Singer weiter zitiert. „In vielen Bereichen des heutigen Lebens sind zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber Vorschriften oder der Nervenkitzel, etwas Verbotenes und Gefährliches zu tun, Ursachen für schwere Unglücke. In unserem Verantwortungsbereich dürfen wir so etwas nicht zulassen“, ergänzt er.

Wo der Einsatz von Gefechtsfahrzeugen wie Dingo und Eagle geprobt wird, ist der Zugang verboten.

Hinzu komme, dass auf dem Gelände immer wieder alte Munitionsteile gefunden werden, die noch von der früher dort befindlichen Lufthauptmunitionsanstalt der Wehrmacht stammen. Zwar seien die Munitionsvorräte bei Kriegsende gesprengt worden, aber der Erdboden konnte bis heute nur unvollständig bereinigt werden. Schon im November 1945 kamen 17 Personen, die auf dem nicht mehr gesicherten Gelände nach Verwertbarem suchten, durch eine Explosion von Munitionsresten ums Leben; 1953 fand ein weiterer Mensch das gleiche Schicksal. Auch bei der Bekämpfung eines Waldbrandes im Jahr 1951 kam es zu einer Explosion, bei der drei Feuerwehrleute verletzt wurden, erinnert die Bundeswehr.

Wer als Soldat in Langendamm übe, dem seien die gefährlichen Stellen nach einer Einweisung bekannt. Sie können dort ihre Tätigkeiten einschränken. Dasselbe gelte für den Bundesförster, der den Wald auf dem Standortübungsplatz bewirtschaftet, sowie für die Jäger, die in Absprache den Wildbestand regulieren. Wer das Gelände unbefugt betritt, hat diese Kenntnis nicht. „Ich würde meinen Hund nicht in einem Gebiet schnuppern lassen, in dem noch unentdeckte Explosivstoffe, giftige Schwermetalle, Phosphor und andere Stoffe verstreut sind“, rät Marco Singer. Auch vom heutigen Übungsbetrieb bleiben Munitionsteile liegen, die nicht alle wiedergefunden werden, vor allem von verschossener Leucht- und Signalmunition.

Oberst Andreas Timm, der die Geschäfte des Standortältesten führt, betont, dass die Bundeswehr für ihr Gelände verantwortlich ist, aber wegen der eindeutigen Beschilderung nicht für Schäden haftet. „Wenn es gar nicht anders geht, müssen wir doch über rechtliche Konsequenzen nachdenken, bevor etwas passiert.“

Zum Erholen oder Hunde ausführen stehe der Nienburger Bevölkerung der ehemalige benachbarte Übungsplatz am Osterberg, der aufwendig restauriert wurde, seit den 1990er-Jahren als Naherholungsgebiet zur Verfügung. Dort gebe es genügend Fläche in unmittelbarer Nähe. Ein aktiv genutztes militärisches Übungsgelände könne, müsse und dürfe nicht als Abenteuerspielplatz herhalten.

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