Spezialisten ziehen im Belebungsbecken lockere Rührwerk-Schrauben an

Auf Tauchstation in der Eystruper Kläranlage

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In einem wasserdichten Anzug tauchte der Spezialist einer Firma aus Schleswig-Holstein in Eystrup ab und kontrollierte auch die übrigen drei intakten Rührwerke.

Eystrup - In totaler Finsternis, in einem Gummianzug steckend, mit einer Art Tiefseehelm auf dem Kopf und ausschließlich auf den Tastsinn angewiesen Reparaturarbeiten erledigen – das ist kein Vergnügen. Um so weniger, wenn man dabei in der Kläranlage Eystrup taucht. Der Grund für den Einsatz: „Im Belebungs becken hatte sich eines von vier Rührwerken gelockert“, teilte Bianca Nitsch auf Nachfrage mit.

Sie ist Abwassermeisterin beim Kreisverband für Wasserwirtschaft, der im Auftrag der Samtgemeinde die Betriebsführung der Kläranlage Eystrup innehat.

Bianca Nitsch verantwortet den Betrieb der Kläranlagen im Verbandsgebiet und beschreibt den Hintergrund des ungewöhnlichen Tauchgangs: „Das Belebungsbecken ist das Herzstück eines Klärwerks. Die Bakterien darin sind entscheidend für die Aufbereitung. Wenn die Rührwerke nicht funktionieren, können die Bakterien nicht arbeiten, und das Abwasser wird nicht ausreichend geklärt.“

Gibt es einen Schaden an einem der Rührwerke oder lockern sich, wie in Eystrup geschehen, lediglich ein paar Schrauben, blieb früher keine andere Wahl als das Wasser im Becken abzulassen – was die Klärleistung zumindest stark einschränkte. „Das war ein gigantischer Aufwand“, sagt die Fachfrau, „und verursacht enorme Kosten: Man kann ja die ungeklärten Abwässer nicht einfach in den Fluss leiten. Die müssen abgefahren und andernorts geklärt werden. Und es dauert rund sechs Wochen, bis eine Kläranlage nach der Stilllegung des Belebungsbeckens wieder im Normalbetrieb läuft, weil die Bakterienkulturen einige Zeit brauchen, bis sie wieder ,fit‘ sind.“

Vor diesem Hintergrund greift der Kreisverband im Fall der Fälle auf die Fachleute der Firma Wittmann aus Schleswig-Holstein zurück. Deren Taucherkolonnen haben sich auf die Reparatur von Kläranlagen spezialisiert. Der Einsatz im rund 4,50 Meter tiefen Belebungsbecken ist für sie nichts Besonderes: „Die Taucher machen sich anhand von Zeichnungen mit den Installationen im Becken vertraut“, erklärt Bianca Nitsch. „Und dann geht’s runter. Da unten ist es stockfinster und so trüb, dass man nichts sehen kann. Die verlassen sich auf ihren Tastsinn und arbeiten nach dem Gedächtnis.“

Manche Einsätze führen die Taucher sogar in Faultürme, die deutlich tiefer als das 2  500 Kubikmeter fassende Belebungsbecken sind. Dann kommt zur nicht gerade angenehmen Arbeitsumgebung noch ein erhöhtes Sicherheitsrisiko hinzu.

Vier Stunden dauerte der Einsatz in Eystrup. „Weil die Fachleute schon mal da waren, haben wir die Verschraubung der drei übrigen Rührwerke gleich mit überprüfen lassen“, sagt die Abwassermeisterin, die die Arbeiten gemeinsam mit Jürgen Köneking vom Bauamt der Samtgemeinde verfolgte. Der zeigte sich beeindruckt und hoch zufrieden von der schnellen Umsetzung der Maßnahme: Hätte man die Anlage stilllegen müssen, wären die Kosten um ein Vielfaches höher gewesen, von der möglichen Umweltgefährdung ganz zu schweigen.

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