Nationalspielerin Bianca Schmidt absolviert Grundausbildung in Clausewitz-Kaserne

Tarnanzug statt Fußball-Dress

Kreiszeitung Syke

Nienburg - Von Kurt HenschelNIENBURG · „Die Vorbereitung auf die Europameisterschaft im vergangenen Jahr war schon hart, aber das hier ist auch heftig.“ Das erklärte gestern Bianca Schmidt während der 48-Stunden-Übung, die die Fußball-Nationalspielerin als Soldatin auf dem Übungsplatz der Clausewitz-Kaserne in Nienburg zu absolvieren hatte – als Teil ihrer allgemeinen Grundausbildung bei der Bundeswehr.

Die 20-jährige Spielerin des 1. FFC Turbine Potsdam ist seit dem 4. Januar beim EloKaBtl 912 in Nienburg stationiert. Ihre Nationalmannschaftskolleginnen Babett Peter, Simone Laudehr sowie Fatmire Bajramaj hatten im Jahr 2008 ebenfalls ihre achtwöchige Grundausbildung in Nienburg absolviert, um danach in die Sportfördergruppe in Warendorf zu gehen.

Bianca Schmidt hatte sich Tipps eingeholt bei ihren Fußball-Kolleginnen und sich dann dazu entschlossen, sich für zunächst zwei Jahre bei der Bundeswehr zu verpflichten. „Es ist für mich die beste Möglichkeit, mich intensiv meiner Fußball-Karriere widmen zu können“, so die Abwehrspielerin, die Ende Februar ebenfalls in die Sportfördergruppe Warendorf geht. „Ich möchte unbedingt bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr im eigenen Land zum Team von Bundestrainerin Claudia Neid gehören“, erklärte die inzwischen mit dem Dienstgrad „Gefreiter“ ausgestattete Soldatin ihre klaren sportlichen Ziele.

Die im Januar 1990 in Gera geborene Schmidt ist eine von derzeit 30 Sportsoldaten in der Clausewitz-Kaserne in Nienburg. Ihr Zimmer (Schmidt: „Das heißt bei der Bundeswehr ,Stube‘ “) teilt sie unter anderem mit Elena Walendzik, einer Boxerin aus Hannover, die bereits viermal Deutsche Meisterin sowie einmal Zweite und einmal Dritte bei Europameisterschaften war. „Bianca ist sehr nett und kameradschaftlich“, so die Boxerin über ihre Mitbewohnerin.

Bianca Schmidt, die gestern auf dem Bundeswehr-Übungsgelände auch für einen Beitrag für das DFB-TV zur Verfügung stand, erklärte überzeugend, dass sie sich „ganz schön umstellen“ musste: „Sonst habe ich immer mindestens neun Stunden geschlafen, jetzt sind es höchstens fünf“, sagte die Leistungssportlerin aus Potsdam. Und auch an das Essen in der Kaserne habe sie sich erst gewöhnen müssen. Ohne vor ihren Vorgesetzten zu sehr ins Detail zu gehen, sagte sie recht diplomatisch: „Das passt schon.“

Und es passt insgesamt alles, so die inzwischen zehnfache Nationalspielerin: „Der Zusammenhalt ist ganz toll, denn alle sind immer für einander da“, freut sich „Frau Gefreiter Bianca Schmidt“.

Eine bevorzugte Behandlung für die Sportsoldaten gibt es übrigens nicht. „Alle sind gleich“, beteuerten sowohl der stellvertretende Kommandeur des EloKaBtl 912, Major Elmar Henschen, als auch Bianca Schmidts Kompaniechef, Hauptmann Lars Neitzel. Beide sind stolz darauf, dass die Bundeswehr der „Sportförderer Nummer eins“ sei und dass das Nienburger Bataillon entsprechendes „Rüstzeug“ an die Sportsoldaten vermitteln dürfe.

Und wie ist es um die Eitelkeit der gern hübsch aussehenden Damen in Uniform bestellt ? „Sonst schminken wir uns, um schön auszusehen, hier aber, um nicht erkannt zu werden“, wie Bianca Schmidt und Stuben-Mitbewohnerin Elena Walendzik lächelnd verrieten.

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