Einziger Bewerber für Amt des Samtgemeindebürgermeisters

Jens Beckmeyer: „Riesige Verantwortung oder ganz viel Freizeit“

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Jens Beckmeyer (SPD) aus Nendorf auf einer Bank in seinem Garten und mit Sitzungsvorlagen: Er bewirbt sich um das Amt des Mittelweser-Samtgemeindebürgermeisters.

Nendorf - Von Kurt Henschel. Jens Beckmeyer aus dem Stolzenauer Ortsteil Nendorf ist – wie bereits berichtet – der einzige Bewerber für die Nachfolge von Bernd Müller. Der amtierende Bürgermeister der Samtgemeinde Mittelweser will seinen Posten freiwillig räumen und sich anderweitig orientieren. Folglich braucht es einen neuen Chef für die Verwaltung der Samtgemeinde, die vor fünf Jahren durch die Fusion der Gemeinden Stolzenau und Landesbergen entstanden ist. Deren Chef dürfte nach der Wahl am 11. September ab dem 1. November allem Anschein nach Jens Beckmeyer heißen.

Ist das Ergebnis der Wahl vorauszusehen? Ist die Müller-Nachfolge für Jens Beckmeyer ein Selbstläufer? Kann sich der Kandidat seinen Wahlkampf sparen? Beckmeyer weiß es selbst nicht so genau, denn derzeit überwiege bei ihm noch die Verwunderung darüber, dass außer ihm niemand Interesse bekundet hat, die Müller-Nachfolge antreten zu wollen.

Und dennoch: „Ich mache es so, wie ich es auch bei Konkurrenz geplant hatte“, erklärt der 44-jährige Finanzbeamte, der seit knapp 25 Jahren von Minden aus als Betriebsprüfer für das dortige Finanzamt zu großen Firmen ausschwärmt, um die vorgeschriebenen Betriebsprüfungen vorzunehmen. „Sowas dauert jeweils zwischen drei Wochen und zwei Jahren“, so der ledige Nendorfer, der mit seinen Geschwistern auf dem elterlichen Anwesen lebt.

Lesen Sie hierzu einen Kommentar von Kurt Henschel.

Beckmeyer verfügt über eine 20-jährige kommunalpolitische Erfahrung. Für den SPD-Mann begann alles im Rat der Gemeinde Stolzenau, ehe es für ihn später auch in den Samtgemeinderat sowie in den Nienburger Kreistag ging. Für alle drei Gremien kandidiert er nicht mehr, denn er hatte bereits im Januar über seine neuen Pläne, Bernd Müller beerben zu wollen, informiert: erst sein privates Umfeld, dann seine Partei, danach seinen Arbeitgeber.

Alle, mit denen er vor Abgabe seiner Bewerbung gesprochen habe, hätten seinen Plan „ohne Ablehnung zur Kenntnis genommen“, sagt Beckmeyer, der mit Blick auf den Tag der Wahl die Lage wie folgt einschätzt: „Entweder habe ich bald eine riesige Verantwortung oder ganz viel Freizeit.“

Sollte bei den Bürgern „die Auswahl zwischen Ja und Nein“ zu seinen Gunsten ausfallen, dann werde er „viel lernen müssen“. Beckmeyer sei schließlich keiner, der „Verwaltung gelernt“ habe, der während seiner kommunalpolitischen Zeit „aber viel mitbekommen“ habe. Außerdem sei „die Verwaltung gut aufgestellt“, weiß Beckmeyer, der ein „gutes Verhältnis zu Bernd Müller“ habe und im Falle seiner Wahl zu dessen Nachfolger auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Personal der Verwaltung hoffe und baue.

Kein Zurücklehnen – kein Bangemachen

Beckmeyer will „vorangehen“. Er möchte eine deutliche Zustimmung der Wähler. Deshalb will er sich vor dem 11. September nicht bequem zurücklehnen, sondern auf die Menschen zugehen. „Ich möchte, dass mich die Leute kennenlernen.“ So zieht er sechs Info-Abende durch, an denen er sich präsentieren und Fragen der Wahlberechtigten beantworten möchte.

Dafür nimmt Beckmeyer ab dem 8. August unbezahlten Urlaub. Gleich nach der Wahl geht es für ihn wieder zur Arbeit, wobei er im Falle seiner Wahl die laufenden Betriebsprüfungen abschließen will, ehe er sich dann zum 31. Oktober vom Finanzamts-Team und von seinem Status als Beamter auf Lebenszeit verabschieden würde. „Wir haben in Minden ein super Betriebsklima. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn ich an einen möglicherweise baldigen Abschied denke“, so Beckmeyer. Seine Vorgesetzten in Minden hätten ihn zwar gern behalten, „aber sie akzeptieren meinen Plan und unterstützen mich“.

Der Nendorfer hofft, die Menschen für eine Teilnahme an den Info-Veranstaltungen gewinnen zu können. Er wünscht sich „ein möglichst gutes Ergebnis“, denn eine nur knappe Mehrheit der Stimmen entspräche nicht seinem Anspruch.

„Seine“ SPD habe ihn einstimmig zum Kandidaten gewählt, der Rest der politischen Landschaft habe signalisiert, „ihn für geeignet“ zu halten. Politische Rückendeckung habe er, dennoch sei es sein Ziel, das Amt „für alle“ auszuführen – „unabhängig von Parteien“.

Der Radtour-, Wander- und Fernreise-Fan, der sich wegen der zahlreichen Attentate in der jüngsten Zeit „nicht bangemachen“ lässt, sehr wohl aber seine Reiseziele sorgsam auswählt, formuliert seine Ziele als möglicher Samtgemeindebürgermeister wie folgt: Es gelte, das bereits angeschobene Organisations-Gutachten für die Verwaltung umzusetzen, ebenso den Feuerwehr-Bedarfsplan.

Außerdem weiter am Ball bleiben müsse die Samtgemeinde bezüglich eines Tourismus-Konzepts, ferner gelte es, die Mobilität der Menschen in der Samtgemeinde zu erhöhen. Beckmeyer nennt die Stichworte „Sammel-Taxi“ und „Bürgerbus“, ohne sich bereits auf ein mögliches „Wie“ festlegen zu wollen: „Wir müssen dazu auf alle Fälle ernste Überlegungen anstellen.“

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