„Fußbälle sind auch schwarz und weiß“

Stolzenau: Gymnasium-AG gibt anti-rassistische Sprüche über Verkaufstresen

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Schule ohne Rassismus – dafür setzen sich Schüler einer AG mit den neuen Pfandbechern ein. Mit dabei: Grant Hendrik Tonne (3. von rechts), Vera Grafe (2. von links) und Schulleiter Matthias Ackermann (links).

Stolzenau - Von Beate Ney-Janßen. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist das Gymnasium Stolzenau bereits seit einigen Jahren. Mit Kaffee-Bechern setzt eine AG gegen Rassismus nun ein Zeichen, das überall im Schulalltag deutlich sein wird. „Seine Herkunft kann man nicht ändern. Sein Verhalten schon.“ – Das ist einer von drei Sprüchen, die jeder, der in der Mensa der Schule nun Kaffee oder Kakao bestellt, mit auf den Weg bekommt. „Unterschiede verbinden uns!“ und „Fußbälle sind auch schwarz und weiß.“ lauten die beiden anderen. Aufgedruckt ist jeweils einer der Sprüche auf die Kaffeebecher, die in der Mensa die Einweglösung ablösen.

Als in der Mensa überlegt wurde, Pfandbecher einzuführen für mehr Nachhaltigkeit, sei die Anti-Rassismus-AG mit einer Idee dazu gekommen, berichtete einer der Schüler. Daraus wurde ein gemeinsames Projekt. Das Ergebnis sind die Becher mit den Sprüchen gegen Rassismus. Den ersten dieser Becher hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne überreicht bekommen. Er wurde nämlich lange bevor er dieses Amt übernahm schon Pate für das Gymnasium als „Schule ohne Rassismus“.

Den Becher werde er gleich als gutes Beispiel mitnehmen zu einer Tagung, in der es um Nachhaltigkeit gehe, sagte Tonne – und attestierte den Schülern der AG und deren Lehrerin Vera Grafe „absolut fantastische Arbeit“. Noch wichtiger würden solche Aktionen angesichts der tagesaktuellen Ereignisse. Der widerwärtigen Art und Weise, in der gehetzt, gespalten und ausgegrenzt werde, müsse begegnet werden.

Es gehe darum, sich nicht mehr still zu ärgern, sondern aufzustehen und laut und deutlich seine Meinung dagegen zu sagen. Ein klares Bekenntnis zur Demokratie – das seien auch solche Aktionen wie diese Becher. Grafe und die Schüler aus der AG hatten in der Schülerschaft des Gymnasiums insgesamt 13 Sprüche zur Auswahl gestellt, von denen drei ausgewählt werden sollten. 482 Wahlzettel kamen zurück – womit sich mehr als 50 Prozent der Schüler an diesem demokratischen Prozess beteiligt hatten. 

Nun stehen 600 Becher in der Mensa. Fünf Euro Pfand sind je Becher zu hinterlegen. Werden sie zurückgegeben, so können auch Pfandchips ausgegeben werden. Finanziert worden ist das Projekt mit Unterstützung des Fördervereins der Schule und der Volksbank Nienburg. Über ihr nächstes Projekt beginnen die Schüler der Anti-Rassismus-AG gerade nachzudenken. 

Möglicherweise soll die Stolzenauer „Weserkampfbahn“ zum Thema gemacht werden. Die Sporthalle neben dieser „Kampfbahn“, sagte Lehrerin Vera Grafe, sei von Gustav Lipmann gespendet worden – einem Juden aus Stolzenau, für dessen Nachfahren bereits Stolpersteine im Pflaster der Straße verlegt wurden. Es könne doch darüber nachgedacht werden, ob ein Begriff aus der Nazi-Zeit wie „Weserkampfbahn“ generell und erst recht in diesem Zusammenhang angebracht sei.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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