Hauptschule in Hoya trägt seit gestern den Namen der Jüdin Marion Blumenthal-Lazan

Stolze „Patin zum Anfassen“

Kreiszeitung Syke

Hoya - Von Kurt Henschel. Während die Narren im Lande gestern – wie in jedem Jahr – in die Faschingzeit gestartet sind, erlebte die Hauptschule in Hoya einen „einmaligen“ Moment und darf ihrer Geschichte ein historisches Datum hinzufügen: Der 11. November 2010 ist der Tag, an dem die Einrichtung die offizielle Erlaubnis erhielt, sich „Marion-Blumenthal-Hauptschule“ nennen zu dürfen. Grund für eine Feier der ganz besonderen Art.

Herzlich und harmonisch, absolut freundschaftlich und familiär verlief das gut zweistündige Namensgebungszeremoniell, das Schulleiterin Eike Reiche einleitete. „Der ideale Tag ist heute – wenn wir ihn dazu machen“, zitierte sie den griechischen Philosophen Horaz und unterstrich damit die Bedeutung des Ereignisses.

Im Beisein vieler Gäste begrüßte Eike Reiche insbesondere die Frau, deren Namen die Schule in Hoya künftig trägt: Marion Blumenthal-Lazan. Die in Hoya geborene Jüdin war mit Unterstützung von Sponsoren und in Begleitung ihres Mannes Nathaniel Lazan von New York nach Hoya gereist, um als „Namenspatin zum Anfassen“, wie sie Landrat Heinrich Eggers bezeichnete, dabeizusein.

„Alle identifizieren sich mit Ihrem Schicksal und schätzen Ihren Umgang mit jungen Menschen“, attestierte Eggers der Patin. Sie sei zudem eine „Zeitzeugin mit positiver Art“, die es verstehe, „junge Menschen zu faszinieren.“ Eggers: „Zeitzeugen sind wichtiger als Geschichtsbücher – durch sie erhält Geschichte ein Gesicht.“

So gehört nun das Gesicht von Marion Blumenthal-Lazan untrennbar zur Hoyaer Hauptschule. Deren Schüler, Lehrer und die Elternschaft feierten „ihre Marion“ gestern beinahe frenetisch und erhoben sich ehrfurchtsvoll von ihren Sitzen, nachdem die Hauptperson zu ihnen gesprochen hatte.

Strahlend-freundlich präsentierte sich trotz ihrer schlimmen Vergangenheit die Jüdin Marion Blumenthal-Lazan, die links mit Schulleiterin Eike Reiche und Landrat Heinrich Eggers bei der gestrigen Namensgebung für die Hauptschule Hoya zu sehen ist.

„Liebe Hoyaer Freunde“ – für diese Anrede brauste der erste Applaus im Forum der Schule auf. Dann fuhr sie fort und sagte: „Wer hätte das vor 65 Jahren gedacht ? Heute schließt sich ein Kreis für meine Familie.“ Sie dankte insbesondere der Familie Heike und Hans Huth, ohne die es für sie wohl keine Rückkehr nach Hoya gegeben hätte, und sieht es als „außergewöhnliche und ganz besondere Ehre“ an, dass die Schule ihren Namen trägt.

Antisemitismus nicht vergessen, ihn heute aber verhindern – dieser Aufgabe hat sich die „Marion-Blumenthal-Hauptschule“ ebenso verschrieben und großes Engagement gelobt. Das sei bewundersnwert, bestätigten neben Landrat Heinrich Eggers die Namensgeberin sowie Ursula Reimers, Regierungsschuldirektorin von der Außenstelle Syke der Landesschulbehörde Hannover.

Mit einem Beitrag einer Projektgruppe, die sich auf die Spuren von Marion Blumenthal begeben hatte, mit Klezmer-Musik vom „Trio Caligari“, mit Beiträgen der „Schulbänd“ sowie einem ergreifenden Schlusswort der Schulleiterin endete die Feier, in deren Verlauf sich die stolze und sichtlich gerührte Namens patin mehrfach herzlich umarmt sah, sich die genaue Anzahl der Herzlichkeiten vermutlich nur „gefühlt“ gemerkt haben dürfte.

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