SB-Filialen statt persönlicher Beratung 

Sparkasse Nienburg: Elf Geschäftsstellen vor dem Aus 

Landkreis Nienburg - Von Maren Hustedt. 11 der aktuell 22 Sparkassen-Geschäftsstellen im Landkreis Nienburg werden umgewandelt. Statt persönlicher Beratung gibt es dort künftig Terminals, an denen die Kunden ihre Geschäfte selbst tätigen können. Der Grund: Die Sparkasse Nienburg muss nun selbst sparen. 

Zwischen 2011 und 2016 haben sich die Betriebsergebnisse halbiert. Die Zinsüberschüsse sind rückläufig. Außerdem muss Eigenkapital erwirtschaftet werden. Das Kundenverhalten hat sich verändert – deutlich hin zur Online-Nutzung im Rahmen der wachsenden Digitalisierung. Während in den 80er Jahren der Kunde durchschnittlich zweimal im Monat in die Bankfiliale kam, um sich beraten zu lassen, kommt er heute nur noch einmal im Jahr. So lauteten die Angaben, welche die Vorstandsmitglieder der Sparkasse Nienburg, Wolfgang Wilke und Winfried Schmierer, im gestrigen Gespräch gegenüber den geladenen Pressevertretern machten. „Wir müssen reagieren“, erklärte Wolfgang Wilke und legte anschließend dar, wie sich diese Reaktion auf die Zukunft der Sparkasse Nienburg auswirken wird.

Das Thema, mit größeren Sparkassen zu fusionieren, stehe nicht im Raum. „Wir haben ermittelt, dass der Landkreis Nienburg wirtschaftsstark genug ist“, so Wilke. Damit die Sparkasse Nienburg künftig weiter selbstständig wirtschaften könne, müssten aber 37 Prozent der aktuellen Kosten eingespart werden. Dazu gehöre, dass 45 Prozent der Mitarbeiterstärke reduziert werden müssten.

Hälfte der Belegschaft einsparen

420 Köpfe – in Voll- und Teilzeit – arbeiten derzeit bei der Sparkasse im Landkreis Nienburg. Über die Hälfte davon muss nun wohl gehen. „Unsere Altersstruktur ist sehr kopflastig“, so Wilke. Mit den in Frage kommenden Mitarbeitern befinde man sich bereits in Gesprächen, um individuelle Lösungen für den frühzeitigen Ruhestand auszugestalten. Auch das „Kaufen von Urlaubstagen“ durch die Mitarbeiter sorge für Entlastung. In 2017 seien bereits 900 solcher Tage in Anspruch genommen worden. Betriebsbedingte Kündigungen seien dennoch nicht ausgeschlossen: „Aber das ist nicht unser Plan“, so Wilke.

Haben die Presse über die Änderungen informiert (von links): Winfried Schmierer und Wolfgang Wilke von der Sparkasse Nienburg.

Vor dem Hintergrund des öffentlichen Auftrags der Sparkasse, die Bevölkerung flächendeckend zu versorgen, habe man sich dazu entschlossen, die Filiallandschaft umzustrukturieren. Von den aktuell 31 Standorten der Sparkasse im Landkreis sollen über einen Zeitraum von rund fünf Jahren 27 verbleiben – allerdings nur 11 künftig mit Personal versehen, in Form von sogenannten Beratungscentren.

16 SB-Filialen stünden darüber hinaus für die Geschäfte des täglichen Lebens zur Verfügung – ergänzt um „kleinere Produktabschlüsse und zusätzliche Services“. Als Bindeglied für zeitnahe Auskünfte stehe das Kunden-Servicecenter telefonisch, per Mail oder Chat bereit.

Sparkasse Nienburg: Mehr Selbstbedienung 

Im Bereich Nienburg würden drei Selbstbedienungs-(SB)-Automaten – in den Helios-Kliniken, bei Obi und im Leintor – abgeschafft. Auch der Automat in Drakenburg fällt weg. Aufgrund des Neubaus der Sparkasse in Hoya würde der Automat an der Bücker Straße geschlossen. Die bestehende Geschäftsstelle in Bücken werde zu einem Bargeld-Automatenstandort umgewandelt.

Als Beratungscenter mit mindestens vier Mitarbeitern blieben erhalten die Standorte Eystrup, Hoya, Lavelsloh, Lemke, Nienburg Goetheplatz, Holtorf, Rehburg, Steimbke, Steyerberg, Stolzenau und Uchte.

Als SB-Filialen ausgestattet werden die Standorte Husum, Kaufpark Uchte, Landesbergen, Liebenau, Loccum, Erichshagen, Nienburg Hannoversche und Lange Straße, Lehmwandlung und Nordertor sowie Rodewald, Rohrsen, Warmsen Langendamm und Wietzen.

Der Zeitplan sieht vor, dass die Standorte Langendamm, Husum, Lehmwandlung, Rohrsen und Landesbergen nach dem zweiten Quartal 2018 fertig umgestaltet sein sollen. Ab dem dritten Quartal sollen Wietzen und Bücken fertig zu nutzen sein, Liebenau und Warmsen ab dem vierten Quartal, Rodewald und Loccum ab 2019. Die Kunden würden zu gegebener Zeit über die Maßnahmen informiert.

Sparkasse will Ansprüchen gerecht werden 

Die SB-Standorte sollen künftig in einer Art Kubus untergebracht sein. Auf etwa 28 Quadratmetern Fläche biete dieser knallrote Bau ausreichend Platz für die technische Ausstattung. Außerdem seien die Kuben durch ihre farbliche und bauliche Gestaltung sehr markant, so die Vorstandsmitglieder.

„Die Geschäftsstellen, die wir im Laufe der nächsten beiden Jahre in SB-Center umwandeln, sind zu klein, um weiterhin mit Personal wirtschaftlich betrieben werden zu können“, so Vorstand Winfried Schmierer. „Zudem steigen die Ansprüche unserer Kunden an qualifizierte Beratung und die Komplexität von Bankprodukten nimmt immer mehr zu. Diesen Anforderungen können wir aber nicht mehr an allen Standorten gerecht werden.“ Ziel der Umstrukturierung sei, die Sparkasse Nienburg zukunftsorientiert aufzustellen und Kompetenzen zu bündeln.

Lesen Sie außerdem: Auch die Volksbank überprüft die Wirtschaftlichkeit ihres Angebots. Etwa in Drakenburg wird der Automat abgeschaltet. 

Quelle: BlickPunkt Nienburg

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild 

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