Eystruper Bauern- und Bürgerschützen traktieren Damen bis heute mit Bowle

Schießtradition seit 1648

+
Ausschnitt aus der aktuellen Vereinsfahne. ·

Eystrup - Von André SteuerVon alters her griffen die sesshaften Untertanen auf Geheiß ihres Herrschers zu den Waffen. Auch in der hiesigen Grafschaft musste sich, wer Haus und Grund besaß, im Schießen üben. Bis heute hält der „Bauern- und Bürgerschützenverein Samtgemeinde Eystrup“ diese Tradition am Leben. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1648 zurück. In unserer Serie Eystrup von A bis Z zeichnen wir sie unter dem Buchstaben „B“ nach.

Zu den Eystruper Bauernschützen gehörten früher nur jene, die am Waldgebiet des Eystruper Bruchs beteiligt waren. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten auch andere Haus- und Grundbesitzer beitreten. Als der Verein 1979 seinem Namen „Bauern- und Bürgerschützenverein Eystrup“ das Wort „Samtgemeinde“ hinzufügte, öffnete er sich auch für Mitgliedern aus den Nachbargemeinden.

Die Schützen tragen keine Uniform, ihr Zeichen ist ein Eichenbruch am Hut.

Seit 1952 messen sie sich regelmäßig alle drei Jahre beim Bauern- und Bürgerschießen. Mit dem festen Intervall erinnert der Verein daran, dass früher der Sieger des Schießens drei Jahre keine Steuern an den Grafen zu entrichten hatte. Der hatte dadurch zwar weniger Einnahmen, konnte sich aber sicher sein, dass seine Bauern im Schießen immer gut trainiert waren.

Die Urkunden aus der Anfangszeit des Vereins gingen 1945 verloren, anders als die 1858 vom hannoverschen König Georg V. (1819-1878) gestiftete Fahne. Bereits 1870 kam eine schwarz-weiß-rote Flagge hinzu. 1988 ersetzte eine neue Vereinsfahne die alte. Bis heute trägt sie bei Umzügen das jeweils jüngste Vereinsmitglied.

Beim Bauern- und Bürgerschießen dürfen die Besitzer des Siebenmeierhofs in Mahlen und des Ritterguts Eystrup jeweils sechs Schüsse abgegeben. Allen anderen Mitgliedern stehen seit jeher nur drei zu. Der beste Schuss entscheidet

Seit alters her gibt der höchste Kreisbeamte einen Schuss für den Landesherren und später für den Oberpräsidenten ab. Eine Tradition, die heute der amtierende Landrat fortführt.

Der Bauernkönig hat, wenn er nach dreijähriger Amtszeit vom Verein abgeholt wird, die Mitglieder mit einem Schnaps und einer Zigarre zu „bewirten“. Dem neuen König obliegt nach der Proklamation das leibliche Wohl der Ehrendamen. Das sind alle weiblichen unverheirateten Angehörigen der Mitglieder, vom 16. Lebensjahr an. Sie sitzen allesamt am Königstisch. Die älteste unter ihnen wird Königin und scheidet in diesem Moment für immer aus den Reihen der Ehrendamen aus. Das Reglement schreibt vor, dass der König die Damen „satt mit Kaffee, Kuchen und Bowle zu traktieren (versorgen) hat“.

Am zweiten Tag des Schießens versammeln sich die Schützen beim Festwirt, marschieren zum Haus des neuen Königs und bringen dort die Scheibe an. Danach ist der König verpflichtet, seinen Gästen ein kaltes Frühstück „bis zum Sattwerden“ zu bieten.

Die aktuell 107 Mitglieder des Vereins behalten diesen überlieferten Ablauf des Schießens bei, denn sie haben sich der Traditionspflege verschrieben. · as

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Frankreichs Regierung verteidigt Rentenpläne

Frankreichs Regierung verteidigt Rentenpläne

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Was bringt Ridepooling wirklich?

Was bringt Ridepooling wirklich?

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

Meistgelesene Artikel

Nienburg: Zwei Linienbusse brennen aus 

Nienburg: Zwei Linienbusse brennen aus 

2,2 Millionen Euro für Anbau am Hoyaer Feuerwehrhaus

2,2 Millionen Euro für Anbau am Hoyaer Feuerwehrhaus

17-jähriger Eystruper stand bei der Festnahme „unter Schock“

17-jähriger Eystruper stand bei der Festnahme „unter Schock“

Kommentare