Hermann Boymann und August Wessel sammeln landwirtschaftliche Oldtimer

Richtig verrostet sind sie ihnen am liebsten

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Mehr als 100 Jahre alt ist diese in Twistringen hergestellte Dreschmaschine – und voll funktionsfähig. ·

Hoya - Magelsen · Wer ein Leben lang hart gearbeitet hat, der schaltet im Ruhestand nicht einfach ab. So ist es auch bei August Wessel und Hermann Boymann aus Magelsen. Beide sind mit der Landwirtschaft groß geworden und haben ihre Betriebe gerne geführt. Heute sammeln und restaurieren sie Oldtimer.

Für Hermann Boymann war es nicht leicht, als er vor zehn Jahren in Rente ging. Er verkaufte alle Tiere. Alles, was bis dahin sein Leben bestimmt hatte. Sein Sohn führt den Hof zwar weiter, aber nur im Nebenerwerb. „Da war ich ganz schön traurig“, erzählt der 77-Jährige. „Aber man kommt drüber weg, wenn man sich mit etwas beschäftigt.“ Deshalb suchte er sich – wie auch sein Freund August Wessel – ein Hobby.

Boymann sammelt landwirtschaftliche Oldtimer: Traktoren, Pflüge und andere Gerätschaften. Mehr als 70 Liebhaberstücke stehen mittlerweile im Heimatmuseum „De ole Schüün“ und in seiner eigenen Scheune. „Dafür braucht man schon Platz“, sagt Hermann Boymann mit einem Augenzwinkern. Und natürlich ein bisschen Kleingeld, denn geschenkt bekomme man die Maschinen schließlich nicht. „Aber wenn man eine Leidenschaft hat, dann kriegt man das irgendwie hin“, versichert Boymann.

Zu seinen Favoriten gehören zwei alte Mähdrescher: eine Spitzdreschmaschine, die um 1900 gebaut wurde, und ein motorisierter Mähdrescher der Marke Claas, Baujahr 1960. Beide hat ihm August Wessel vermittelt. „Ich wusste ja, dass Hermann die sammelt, und ich hatte selbst einfach keinen Platz mehr“, erklärt Wessel. Und verkommen sollten die guten Stücke nicht. Also fragte der 82-Jährige seinen Freund, ob er noch ein paar Quadratmeter für die Maschinen zur Verfügung habe – natürlich hatte er.

Gut zwei Wochen braucht Hermann Boymann in der Regel, um einen Oldtimer wieder flott zu kriegen. Mal mehr, mal weniger. „Das Schönste ist, wenn die Teile richtig verrostet sind“, schwärmt er. Dann bedarf es Feingefühl.

Die Technik sei für ihn kein Problem, sagt Boymann. Damit sei er groß geworden. „Früher war alles noch robust und einfach.“ Bei den heutigen Maschinen könne man nicht mal eben ran und etwas reparieren, auch wenn das Grundgerüst geblieben sei.

Gut in Schuss ist seine alte Dreschmaschine. Die mehr als 100 Jahre sieht man ihr nicht an. „Und sie ist voll funktionstüchtig“, schwört der Landwirt. Hergestellt wurde die Maschine in Twistringen, zum Einsatz kam sie für die Eisenfabrik Carl Müller in Verden, und ihr „Gnadenbrot“ erhält sie jetzt in Magelsen auf dem Hof von Hermann Boymann.

Wer sich die Oldtimer einmal anschauen möchte, kann sich bis August 2014 gedulden, dann lädt die Interessengemeinschaft „De ole Schüün“ zu einem Tag der offenen Tür ein. Alternativ verabreden Interessierte einen Termin mit Hermann Boymann, Telefon 04256/222. Dann gewährt er gerne Einblick in seine Sammlung. · rg

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