Impfbuch-Apps müssen nachgebessert werden

Kreis Diepholz: Kein QR-Code für 3200 Genesene

Ein Handy zeigt einen QR-Code, daneben liegt ein Impfbuch.
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Mithilfe eines QR-Codes können derzeit nur zweimal Geimpfte ihren Status belegen. Die Apps können zum Beispiel die Daten von Genesenen, die laut RKI nur eine Impfdosis brauchen, nicht verarbeiten. Das Gesundheitsministerium will nachbessern. Zum 1. Juli sollen aktualisierte Versionen der gängigen Apps zu haben sein.

Landkreis - Ein Ehepaar aus Martfeld möchte auf der Terrasse eines Cafés die Sonne genießen und Kaffee trinken. Beide sind gegen Corona geimpft, haben auch ihre Nachweise dabei. Aber: Nur die Ehefrau kann Platz nehmen. Der Impfpass und der Genesenennachweis ihres Mannes werden nicht akzeptiert. „Meine Frau zeigte einfach ihren QR-Code auf dem Smartphone. Mich wollen sie da gar nicht haben. Ich stand da mit den ganzen Zetteln in der Hand“, erzählt Hermann Grotheer am Telefon.

Der 74-Jährige ist in Sorge: Wie soll er seine Impfung nachweisen, wenn die Apps seine Daten-Konstellation nicht akzeptieren? Der Martfelder war im November 2020 an Covid-19 erkrankt, galt ab 9. Dezember 2020 offiziell als genesen und bekam von seinem Hausarzt am 19. Juni eine Impfdosis gegen das Coronavirus.

Martfelder berichtet über App-Odyssee

Nach den Vorgaben der Ständigen Impfkommission (STIKO) ist er damit durchgeimpft: „Bei immungesunden Personen, die eine labordiagnostische gesicherte SARS-CoV-2-Infektion (PCR-bestätigt) durchgemacht haben, sollte eine einmalige Impfung in der Regel sechs Monate nach Genesung erwogen werden. (....) Für die Impfung von Genesenen können alle zugelassenen Covid-19-Impfstoffe verwendet werden“, heißt es dort.

So wie Hermann Grotheer könnte es fast 3 200 Personen im Landkreis Diepholz gehen – so viele Menschen im Landkreis Diepholz haben ihre Covid-19-Infektion vor mindestens sechs Monaten überstanden. Sie können ihren Impf-Status derzeit nicht digital belegen. Sie müssen ihren Impfpass oder eine Bescheinigung ihres Arztes bei sich tragen. Das bestätigt auch Gerdfried Rüter auf Nachfrage. Er ist Bezirksvorsitzender des Landes-Apothekerverbandes und betreibt im Kreis mehrere Apotheken. „Ob dieser Nachweis in den EU-Urlaubsländern akzeptiert wird, ist unklar. Wir warten im Grunde auf eine Aussage des Robert-Koch-Institutes (RKI).“

Bei seinem Team in Wagenfeld sind nach seiner Kenntnis bislang drei Personen mit derselben Konstellation wie bei Hermann Grotheer vorstellig geworden. „Derzeit können wir ihnen keinen Nachweis austellen“, erläutert Rüter. „Wir bescheinigen diesen Leuten ihre zweite Impfung und empfehlen, wegen eines Genesenennachweises zum Hausarzt zu gehen.“

Detailliert informieren vor dem Urlaub

Das gelte laut Rüter im Übrigen nicht bei Menschen, die eine Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson erhalten haben. Auch wenn die nur eine Impfung erhalten, werden sie von den Apps als Geimpfte eingestuft.

Wichtig sei es grundsätzlich, sich vor einer Reise genau zu erkundigen, welche Impfnachweise das Urlaubsland erwartet, ergänzt der Wagenfelder. „Wie sich das alles weiterentwickelt, ist derzeit völlig unklar“, sagt der Apotheker. Damit bezieht er sich nicht alleine auf die Technik, sondern auch auf die Infektionslage insgesamt. „Es stellt sich für alle auch die Frage, wie lange der Schutz hält, wann Nachimpfungen fällig werden. Da müssen sich die STIKO und das RKI äußern.“ Derzeit gehen Experten des RKI und der STIKO im Übrigen von sechs Monaten aus. Wie sich die Delta-Variante auf die Situation auswirkt, ist Rüter zufolge ebenfalls noch offen. „Da könnte uns im Herbst noch was erreichen.“

Doch bereits jetzt seien viele Mitarbeiter der Apotheken im Land am Limit, berichtet er von den Rückmeldungen einiger Verbandskollegen. Die Angestellten wuppten neben dem „normalen Geschäft“ ja zusätzlich die Erstellung der digitalen Impfnachweise, die Tests sowie die erhöhte Nachfrage insgesamt aufgrund der Urlaubssaison, berichtet Rüter.

Aktualisierte Apps für Impfzertifikate ab 1. Juli

Nichtsdestotrotz schaut der Wagenfelder optimistisch in die Zukunft. „Ich bin von Haus aus Optimist“, sagt er und lacht. „Und ich bin der Meinung, es sind besondere Zeiten. Da tun wir Apotheker, was nötig ist.“

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollen ab 1. Juli weiterentwickelte Versionen der Apps zur Verfügung stehen, die auch Fälle wie den von Hermann Grotheer erfassen können. „Wir rechnen da eher kurzfristig mit einer Info durch das Gesundheitsministerium“, sagt Rüter.

Das EU-Impfzertifikat

Der EU-weit gültige Corona-Ausweis soll ab dem 1. Juli kommen. Den Ausweis gibt es digital oder in in Papierform mitsamt QR-Code. Er soll es EU-Bürgern ermöglichen, erfolgte Impfungen, negative Tests oder eine überstandene Covid-Erkrankung nachzuweisen. Innerhalb der EU müssen die Zertifikate der jeweiligen Mitgliedsländer anerkannt werden. Derzeit stellen acht Staaten das Zertifikat aus: Bulgarien, Dänemark, Griechenland, Kroatien, Litauen, Polen, Spanien und Tschechien. „Jede geimpfte Person erhält ein Impf-Zertifikat. Der verwendete Impfstoff spielt dabei keine Rolle“, heißt es von der EU-Kommission.

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