Das prognostiziert eine aktuelle Analyse des Pestel-Instituts

Nienburg droht Wohnungsnot

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DAS Pestel-Institut fordert die Forcierung des Wohnungsneubaus im Landkreis.

Landkreis - von Leif Rullhusen. Dem Landkreis Nienburg droht eine Wohnungsnot. Das prognostiziert das Pestel-Institut aus Hannover in einer aktuellen Wohnungsmarktanalyse. Der zufolge braucht der Landkreis in diesem Jahr 570 zusätzliche Wohnungen für Flüchtlinge.

 „Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren im Landkreis Nienburg lediglich 220 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt“, rechnet Pestel-Institutsleiter Matthias Günther vor. Sowohl das Sanieren leerstehender Wohnungen als auch der Neubau von Wohnungen müsse forciert werden. „Wenn es bei einem starken Flüchtlingszuzug bleibt, muss sich der Landkreis Nienburg auch in den kommenden Jahren darauf einstellen, dass noch mehr Wohnungen gebraucht werden“, warnt Günther.

Die Folgen wären so absehbar wie fatal: Mieten und Immobilienpreise würden massiv steigen. „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, verdeutlicht Institutsleiter Günther. Es müsse dringend etwas passieren. Andernfalls drohe eine Wohnungskrise, die das Potenzial habe, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen.

Bis Ende April steht das Mehrfamilienhaus in der Langen Straße in Nienburg noch als Unterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung. Dann rücken die Abrissbagger an.

Landkreissprecher Torsten Rötschke stellt die Zahlen grundsätzlich nicht in Frage, schränkt ihre Aussagekraft aber ein. Es handele sich um eine statistische Rechnung, die die Ist-Situation im Landkreis nicht berücksichtige. Aktuell seien 250 Wohnungen kreisweit mit 850 Flüchtlingen belegt. „Bis Jahresende werden es etwa 300 Wohnungen mit rund 1200 Flüchtlingen sein“, schätzt Rötschke.

Das Pestel-Institut berechnet den Wohnungsbedarf nach einem Schlüssel. Demzufolge wird der Landkreis in diesem Jahr rund 1430 Flüchtlinge aufnehmen und 100 Flüchtlinge im Schnitt 40 Wohnungen benötigen. „Die Kernaussage ist richtig. Wir haben derzeit aber noch relativ viel leerstehende Wohnungen auf dem Markt“, erklärt Rötschke. Auch sei der prognostizierte Wohnungsbedarf keine Bestandszahl, die permanent anwächst. Vielmehr gebe es eine ständige Fluktuation und somit freiwerdenden Wohnraum. „Selbstverständlich ändert sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt, aber eine Wohnraumkrise gibt es aktuell im Landkreis Nienburg nicht“, betont Rötschke. Um langfristig einem drohenden Engpass zu begegnen, sei der Landkreis zudem nicht der richtige Ansprechpartner. Die Rahmenbedingungen setze der Bund und der soziale Wohnungsbau falle in den Bereich der Kommunen.

Dafür ist im Fall der Kreisstadt Nienburg die stadteigene Wohnungsgesellschaft GBN zuständig. Die hat zur Zeit neun Wohnungen zur Aufnahme von Flüchtlingen an die Stadt Nienburg vermietet. 23 weitere übergab sie am Montag. Die Einzimmer-Kleinstwohnungen in dem Mehrfamilienhaus in der Langen Straße stehen noch bis zum 30. April zur Verfügung. Dann rücken dort die Abrissbagger an. „Es herrscht durchaus Unterbringungsdruck“, berichtet Ralf Bergmann, der sich bei der Stadt um die Flüchtlingslage kümmert. Allein bis Ende Januar muss er für etwa 200 Flüchtlinge eine Bleibe finden. Neben dem kontinuierlichen Zustrom muss er Anfang Mai dann auch noch die Bewohner der Langen Straße erneut unterbringen. Positiv sei, dass sich die Situation bislang nicht auf die Mietpreise ausgewirkt habe. Langfristig mag Bergmann allerdings keine Prognose abgeben. Er hofft, dass Vermieter die Situation nicht ausnutzen.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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