Die Geschichte des Weihers Poggenbrink / Ein Wecholder Bürger erinnert sich

Der „Porgenbrink“ früher

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Bernd und Christa, die Kinder von Alfred Wiesner, füttern 1954 einen im Poggenbrink beheimateten Schwan. Auf dem Bild ist der Weiher – hier in westlicher Blickrichtung – in seiner einstigen Größe zu sehen. ·

Wechold - Von Gerhard Kastens. Die Geschichte des Poggenbrinks in Wechold, der kürzlich gesäubert und auf Vordermann gebracht wurde, ist lang.

Der Wecholder Gerhard Kastens (Jahrgang 1930) berichtet über die Entstehung des Gewässers und seine Erinnerungen an den „Porgenbrink“, wie der Weiher wegen seiner großen Population an Fröschen (plattdeutsch: Porgen) früher von den Menschen genannt wurde.

„Als unsere Vorfahren ihre Häuser bauten, errichteten sie diese an hochwassersicheren Stellen. Die Plätze, die nicht so sicher waren, erhöhte man zu einer sogenannten Wurt. Die Erde dazu entnahm man ganz in der Nähe. Bis zur Flurbereinigung 1963 konnte man solche Gewässer in Wechold noch bei vielen Häusern sehen.

Im Zuge der Einteilungen des Landes wies die Gemeinde bereits vor 1800 die ersten Erdstiche an geeigneten Stellen aus. Jeder, der Erde benötigte, konnte diese dort entnehmen. In Wechold sind bis in die heutige Zeit vier nicht mehr genutzte Erdstiche genau bekannt, darunter auch der Porgenbrink (Grundstück 5).

Drei von ihnen waren schon während meiner Jugend mehr oder weniger mit Weidegebüsch zugewachsen oder wurden als Abfallplätze genutzt. Ab wann diese Erdstiche angelegt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen.

Nicht jeder konnte dort graben, wo er wollte. Dies geschah auf Anweisung des Vogts oder des Bürgermeisters. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beteiligten sich alle Dorfbewohner am Wegebau und an Friedhofserhöhungen mit Hand- und Spatendiensten. Stoffers Brink, der heutige Poggenbrink, wurde etwa mannstief ausgegraben, alle Seitenwände waren ziemlich steil. Auf der Sohle des Brinks entstanden kleine Wälle in unregelmäßigen Abständen und Längen.

Vielfältige Tierwelt in Wechold

Im Frühjahr, bevor die vielen Wasserpflanzen und das Porgenschott das Wasser bedeckten, konnte man das reichhaltige Tierleben im auf den Grund beobachten.

An Fischen sind mir nur die Hechte in Erinnerung geblieben. Wenn man sich sehr langsam entlang des Ufers bewegte, sah man diese, bewegungslos auf Beute wartend, am Ufer. Bei niedrigem Wasserstand im Sommer haben wir in den Tümpeln Hechte von beachtlicher Größe gefangen, indem wir das Wasser „müddig“ machten und die Tiere zum Auftauchen zwangen.

Neben Wasserhühnern, Libellen und der Vogelwelt waren die Frösche allgegenwärtig. Wenn die Porgen an warmen Sommerabenden ihr weithin hörbares Konzert anstimmten, war das sehr beeindruckend. Nicht mit Worten zu beschreiben sind die Tage, an denen die kleinen Frösche das Wasser verließen: Auf den Straßen wimmelte es dann von Kröten und Landfröschen.

Bauliche Veränderungen im 20. Jahrhundert

Bei der Flurbereinigung 1963 wurde die westliche Grenze des Porgenbrinks gekürzt und mit vielen Stübben und Erde neu verlegt. In diesen Jahren erwarb der Friedhofswärter Hermann Leiding die Spitze des Porgenbrinks von der Gemeinde. Er verlegte einen Damm quer durch das Wasser und fuhr allen Abfall mit einem kleinen ,Holder‘ in den Brink. Einmal kippte er dabei mit seinem Gefährt ins Wasser.

Zu dieser Zeit wurde in der Gemeinde nach Öl gebohrt. Für den schmutzig-weißen Bohrschlamm fand man am Porgenbrink eine Endlagerstätte. Nachdem darüber noch etwas Erde kam, wurde das Gelände von der Jagdgenossenschaft mit Pappeln bepflanzt, die vor den Arbeiten im Dezember lange Zeit ein kümmerliches Wachstum zeigten.

Baden im Weiher war nicht sehr beliebt

Für die Kinder gab es dort, wo Hermann Leidings Grundstück anfängt, eine zehn Quadratmeter große Bademöglichkeit. Ende der 60er-Jahre schuf die Gemeinde eine Fläche zum Baden und säuberte den Weiher: Ein Misserfolg – gebadet hat dort kaum jemand.

Auf Betreiben der Jagdgenossenschaft wurde Anfang der 70er-Jahre der Versuch gemacht, den Porgenbrink wieder zu beleben. Mit einem Seilbagger wurde der Sand rundherum verteilt und eine Insel in der Mitte geschaffen. Ein paar Enten lebten von nun an am Weiher. Die eingesetzten Frösche waren allerdings nach kurzer Zeit wieder verschwunden.“

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