Stadtrat nimmt Antrag zur Kenntnis

„Pestizidfreie Kommune“: Nienburger BUND initiiert ersten Schritt

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Der Bestand an Wildbienen ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen.

Nienburg - Von Leif Rullhusen. In Deutschland verzichten laut BUND mittlerweile rund 180 Städte und Gemeinden bei der Bewirtschaftung ihrer Grünflächen auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln. Doch auf der Liste „pestizidfreier Kommunen“ befindet sich nicht eine im Landkreis Nienburg.

Das könnte sich vielleicht ändern. Lothar Gerner hat im Namen der Nienburger BUND-Kreisgruppe einen entsprechenden Antrag an die Kreisstadt gerichtet, den der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag zunächst einmal zur Kenntnis nahm. „Jetzt muss der Bürgermeister entscheiden, welcher Fachbereich für die weitere Bearbeitung zuständig ist“, erklärt Burkhard Walter, Leiter des Sachgebiets Zentrale Dienste bei der Stadt. Sobald der Fachbereich das Thema entsprechend aufgearbeitet habe, werde er es dem Verwaltungsausschuss zur Entscheidung vorlegen.

Ein solcher Beschluss könne Vorbild für andere Kommunen im Landkreis sein, ist Gerner überzeugt. Er hofft, dass diese Initiative im gesamten Landkreis Nienburg umgesetzt wird. „Die ,Pestizidfreie Kommune’ wäre auch bei uns ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung“, betont Gerner. Neben dem Verzicht auf Pestizide bei der Pflege öffentlicher Grünflächen sollen im Rahmen der Initiative mehr Blühflächen angelegt und auch bei der Verpachtung eine entsprechende Pestizidfreiheit vereinbart werden.

Der BUND sieht aber nicht nur die Kommunen in der Verantwortung. „Es wäre schön, wenn dann auch in Privatgärten weniger gespritzt wird, damit wir giftfreien Honig und giftfreie Früchte essen können“, wünscht sich Erk Dallmeyer vom Nienburger BUND. Ein Mehr an Blühflächen helfe darüber hinaus der leidenden Insektenwelt.

Schließlich sind die Fakten alarmierend: Verschiedenen Studien zufolge hat die Zahl der Insekten innerhalb von nicht einmal drei Jahrzehnten in Deutschland um 75 Prozent abgenommen. Schrumpfende Lebensräume und extensiver Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln sind daran nicht unbeteiligt. Besonders in der Kritik steht der Einsatz von Glyphosat.

Die Kreisstadt setzt schon seit Jahren bei der Bewirtschaftung ihrer Wege und Grünflächen keine Pestizide mehr ein. „Wir haben uns statt dessen manuelle Geräte angeschafft, um unerwünschtes Grün zu beseitigen“, berichtet Lutz Scheele, Gärtnermeister beim Baubetriebshof in Nienburg. Die Fugen zwischen Gehwegplatten hält zum Beispiel eine sogenannte Unkrautbiene frei. „Damit wird das Grün abgebürstet. Die Wurzeln bleiben aber erhalten“, erläutert Scheele.

Diese Maßnahmen reichen allerdings nicht aus, um die BUND-Auszeichnung „Pestizidfreie Kommune“ zu erhalten. Diese beinhaltet den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide auf allen kommunalen Flächen. Das schließt auch Privatunternehmen ein, die öffentliche Flächen pflegen. Bei der Verpachtung kommunaler Flächen für landwirtschaftliche Nutzung muss der Pachtvertrag ein Verbot von Pestiziden einschließen. Darüber hinaus muss die Stadt insektenfreundliche Blühflächen oder Projekte initiieren sowie ihre Bürger über die Bedeutung von Biodiversität in der Stadt informieren. Zudem muss sie Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern wie Bienen und Wildbienen sowie giftfreie Maßnahmen beim Gärtnern aufzeigen.

180 Kommunen machen das bereits – unter anderem Hameln und Celle.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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