Horst Baranski berichtet über sein Leben in Ostpreußen und die Flucht nach Magelsen

„Ohne den Fürsten wären wir nicht angekommen“

Auf einer alten Landkarte des Deutschen Reichs konnten die Gäste Baranskis Flucht nachverfolgen. ·
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Auf einer alten Landkarte des Deutschen Reichs konnten die Gäste Baranskis Flucht nachverfolgen. ·

Hoya - Von Marvin KöhnkenMAGELSEN · Als echtes Original kündigte der erste Vorsitze Wilken Brüns vom Verein „Alte Schule“ den Magelser Horst Baranski im bis auf den letzten Platz gefüllten Veranstaltungsraum an. Der aus Ostpreußen stammende 84-Jährige hat 1945 in Magelsen eine neue Heimat gefunden, nachdem er in einem Flüchtlingszug von Ostpreußen in den damaligen Landkreis Grafschaft Hoya gekommen war.

Im vergangenen Jahr hatte Baranski seine Erlebnisse bereits als Gast des Heimatvereins Wechold vorgetragen. Nun bot sich ihm die Chance, dies in Magelsen zu wiederholen.

In rund 100 bewegten Minuten berichtete der bei Kriegsende 16-jährige Zeitzeuge von seinem Leben auf dem Hof von Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten, seinen Erlebnissen als heranwachsender Hitlerjunge und von jenen Wochen zwischen Januar und März 1945, als er sich mit seiner Familie und den Einwohnern zweier Dörfer auf der Flucht nach Westen befand.

„An einem Sonntagabend, dem 21. Januar, hieß es für uns alle Abschied nehmen. Der Fürst hatte heimlich die Reise für seine Familie und Bediensteten geplant. Nun standen acht bis zehn Pferdewagen abfahrbereit auf dem Hof“, erzählte Baranski im Gebäude der alten Grundschule Magelsen. Sowohl persönliche als auch politische Ereignisse ließ er anschaulich in seinen Vortrag einfließen.

„Viele, viele Menschen schafften nicht, was uns an der Seite des Fürsten gelungen ist.“ Das Wetter war vor allem zu Beginn der Flucht hart, die Temperaturen lagen tief unter dem Gefrierpunkt. „Wir hatten Glück, denn wir mussten nicht über die Haffs an der Ostsee laufen“, berichtete der Referent, der mit Freude darauf hinwies, dass einige seiner Weggefährten aus den Dörfern Schlobitten und Prökelwitz am Abend im Publikum sein konnten.

Baranski ist nach 1990 noch zweimal in seiner alten Heimat gewesen. Im Raum der alten Grundschule hatte er gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern Fotos und Karten aus der Zeit vor 1945 und aus den 90er-Jahren aufgestellt, um seinen Gästen einen Eindruck jener Region zu vermitteln. Mit einem kleinen – „der ostpreußischen Sparsamkeit angemessenen“  – Geschenk bedankte sich Brüns im Anschluss an den Vortrag bei Baranski.

„Ohne den Fürsten von Dohna-Schlobitten wäre wir nie in Magelsen angekommen“, ist er sich heute sicher. 330 Menschen erreichten nach neun Wochen die Gegend, allein 150 davon kamen kurzfristig auf dem Hof von Behr unter. Vor allem vor 1965 kamen die damaligen Weggefährten in guter Regelmäßigkeit zusammen, mittlerweile sind es nur noch wenige. Ihre gemeinsame Vergangenheit tragen sie allerdings weiterhin im Herzen. · kom

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