Für Notfälle: Avacon lagert mobile Strommasten-Bausätze bei der Raiffeisen-Agil in Leese

Fischer-Technik in XXL

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Avacon-Leitungsplaner Yannick Heisler (l.) und Detlev Krause, Avacon-Betriebsleiter für 110 kv-Leitungen, beobachten den Aufbau der mobilen Stromtrasse in Leese.

Leese - Von Leif Rullhusen. Das Münsterländer Schneechaos verursachte vor gut zwölf Jahren massive Stromausfälle. Tagelang saßen rund 250 000 Menschen ohne Strom im Dunklen und Kalten – mitten im Winter.

Wind im Zusammenspiel mit nassem Schnee, der auf den Überlandleitungen gefror, ließ die Strommasten reihenweise wie Streichhölzer abknicken.

„Letztendlich ist diese Katastrophe mit ein Grund für die Anschaffung unseres transportablen Notgestänges“, berichtet Avacon-Leitungsplaner Yannick Heisler. Der Netzbetreiber hat sich sich transportable Bausatz-Strommasten einschließlich Leitungen neu zugelegt. Sie sollen beschädigte Stromtrassen – zum Beispiel durch umgestürzte Bäume – provisorisch überbrücken.

Damit im Notfall jeder Handgriff sitzt, trainieren Monteure, Meister und Projektleiter des Energieversorgers den Umgang mit der transportablen Stahlkonstruktion.

Auf dem Gelände der Raiffeisen-Agil in Leese lagert das gesamte Equipment im Wert von rund zwei Millionen Euro, um im Ernstfall innerhalb von maximal 48 Stunden an jeden Einsatzort des Avacon-Netzbereiches transportiert zu werden. Der reicht von der Nordseeküste bis ins südliche Hessen sowie von der holländischen Grenze bis nach Sachsen-Anhalt. Nach dem Erreichen des Einsatzortes soll es höchstens noch einmal drei Tage dauern, bis ein Spezialistenteam die unterbrochenen Überlandleitungen auf einer Strecke von maximal sechs Kilomtern provisorisch überbrückt hat, erklärt Heisler.

Damit im Notfall jeder Handgriff der Spezialisten sitzt, trainierten Monteure, Meister und Projektleiter des Energieversorgers den Umgang mit der transportablen Stahlkonstruktion, die ein wenig an einen Fischer-Technik-Baukasten in XXL erinnert, in der vergangenen Woche auf dem Raiffeisen-Gelände in Leese. Zwei der insgesamt 50 Portalmasten bauten die Fachleute des Energieversorgers im Wald auf und spannten dazwischen die drei erforderlichen Stromleitungen. Das ist nur mit Hilfe von schwerem Gerät möglich. Allein ein Mast bringt zwei Tonnen Gewicht auf die Waage. Mit Stahlseilen wird jeder der etwa zwölf Meter hohen Konstruktionen an insgesamt 16 massiven gut zweieinhalb Tonnen schweren Betonblocken befestigt.

Nur für Schwindelfreie: Nachdem die Strommasten stehen, müssen die Fachleute die Stromleitungen spannen.

Diesen pro Mast weit über 40 Tonnen schweren Bausatz per Lkw an, in den meisten Fällen schlecht erreichbere Orte zu transportieren, ist neben der Montage eine zusätzliche, enorme logistische Herausforderung. Nicht nur, dass Stromleitungen in den seltensten Fällen direkt entlang gut ausgebauter Straßen verlaufen, kommen die Provisorien schließlich vornehmlich dann zum Einsatz, wenn Straßen und Wege nach Stürmen oder Schneefällen beispielsweise durch umgestürzte Bäume blockiert sind. „Wir arbeiten für diese Fälle mit Spezialunternehmen vor Ort zusammen, die mit entsprechenden geländegängigen Allradfahrzeugen ausgestattet sind“, erklärt Heisler.

Für die Montage der zwei Tonnen schweren Stahlkonstruktionen ist schweres Gerät nötig.

Einsatzmöglichkeiten für den Avacon-Neuerwerb gibt es genug. Erst vor wenigen Wochen kamen solche identischen Bausätze in Südniedersachsen in der Nähe von Han.-Münden nach den Verwüstungen von Orkantief Friderike zum Einsatz. In dem Fall hatte der Hersteller die Masten zur Verfügung gestellt. Zukünftig greift die Avacon nun auf die eigenen, in Leese gelagerten zurück.

Das neue Avacon-Notgestänge kann auf einer Strecke von maximal sechs Kilometern als sogenannte einsystemige Hochspannungsfreileitung eingesetzt werden. Etwa alle 120 Meter muss die zerstörte Originalstromtrasse mit einem mobilen Portal überbrückt werden. Mit 1000 Ampere kann das Notgestänge in etwa die gleiche Stromstärke transportieren, wie eine herkömmliche 110-kV-Hochspannungsfreileitung. Ist diese repariert, wird das Notgestänge wiedr abgebaut, gesäubert, geprüft und wieder eingelagert – bis zur nächsten Katastrophe irgendwo 55 000 Quadratkilomter großen im Avacon-Versorgungsgebiet.

Die Technik des neuen Provisorums ist nicht neu: Seit über 40 Jahren existieren sogenannte Störgestänge in Unternehmungen, die bei kleineren Störungen eingesetzt werden können. Auch die Avacon setzt solche transportablen Notgestänge schon seit Jahren ein. Allerdings waren die Vorgängermodelle weniger leitungsstark und konnten zudem nur kürzere Strecken überbrücken.

Baukasten für Erwachsene: Das Lager der Stahlmasten auf dem Raiffeisen-Agil-Gelände.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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