Nienburgs Polizeichef Frank Kreykenbohm verabschiedet sich

Nienburgs Polizeichef geht mit leisen Schritten in den Ruhestand

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Die Tage in der Polizeiinspektion sind für Frank Kreykenbohm gezählt.

Nienburg - von Leif Rullhusen. Frank Kreykenbohm hat für seinen Ruhestand Außergewöhnliches vorgesehen. „Mein Plan ist es, keinen Plan zu haben“, erklärt Nienburgs scheidender Polizeichef.

Bislang ließ das Leben von Frank Kreykenbohm wenig Spielraum für eine solche Planlosigkeit. Beruf und Sport füllten seinen Kalender vollkommen automatisch. „Ich möchte die Dinge einfach auf mich zukommen lassen und meinen Kalender nur mit Dingen füllen, die ich für richtig halte.“ Sport wird in seinem Kalender allerdings weiter Platz in Anspruch nehmen. Für den nächsten Ironman in Hamburg hat der begeisterte Triathlet schließlich schon einen Startplatz sicher. Vielleicht wird er ja auch noch ein drittes Mal auf Hawaii starten.

Ende dieses Monats verabschiedet sich Frank Kreykenbohm nach 43 Jahren aus dem Polizeidienst. Die vergangenen 16 Jahre leitete der 62-Jährige die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg. Nienburg ist er bereits seit 32 Jahren treu. „Ich fühle mich als Nienburger und bleibe auch hier wohnen“, versichert der gebürtige Salzgitteraner.

Schon mit 28 Jahren Leiter der Schutzpolizei in Nienburg

Begonnen hat der Polizeidienst von Frank Kreykenbohm ganz klassisch mit der Ausbildung an der Polizeischule in Hann. Münden im Jahr 1977. Dabei war sein ursprünglicher Berufswunsch als Kind Tierarzt. Nach seiner Ausbildung erlebte er als Bereitschaftspolizist die Auseinandersetzungen in Gorleben und rund um die Chaostage, war als Streifenpolizist in Lehrte und Garbsen unterwegs, bevor er im Jahr 1988 in den höheren Dienst nach Nienburg versetzt wurde. Mit nur 28 Jahren übernahm er die Leitung der Schutzpolizei im Landkreis. Bis auf zwei Intermezzi im niedersächsischen Innenministerium blieb er Nienburg beruflich treu. „Das war meine prägende Zeit, an der sehr viel Herzblut hängt“, blickt Kreykenbohm zurück.

Lebendig in Erinnerung werden ihm einige sogenannte „größere Einsatzlagen“ bleiben. Ganz besonders die Aufmärsche rechter Gruppen in Bad Nenndorf. 13 Mal lagen die Polizeieinsätze im Rahmen dieser Aufmärsche in seiner Verantwortung. „Das waren die größten Aufmärsche dieser Art in Norddeutschland. Wir hatten in der Spitze über 1000 Polizisten im Einsatz“, erinnert sich der Polizeichef. Kreykenbohms Team gelang der Spagat zwischen seiner gesetzlichen Aufgabe, den genehmigten Aufmarsch zu schützen und dennoch dem bürgerlichen Protest genügend Raum zu geben. „Wir ließen zum Beispiel Privatfeiern gegen Rechts an der Aufmarschstrecke zu“, berichtet Kreykenbohm. Eine erfolgreiche Taktik: Irgendwann hatten die Rechten genug und ihre Aufmärsche in Bad Nenndorf waren vorbei.

Fälle Mandy Müller und Ali Barakat bleiben in Erinnerung

Nicht loslassen werden Frank Kreykenbohm auch ungelöste Fälle, wie die vermisste Mandy Müller oder der flüchtige Ali Barakat. Die Nienburgerin Mandy Müller war 2008 in Celle spurlos verschwunden und ist es bis heute. Barakat hatte seine Tochter vor zehn Jahren in Stolzenau auf offener Straße erschossen und setzte sich ins Ausland ab.

Als besonderen Erfolg während seiner Dienstzeit bezeichnet der Nienburger Polizeichef dagegen den Umzug der Nienburger Polizei vom Goetheplatz an den Amalie-Thomas-Platz. Das habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die heutige Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg ihren Sitz in Nienburg hat. „Der Polizeistandort Nienburg hat sich gut entwickelt. Die Polizei ist heute deutlich präsenter als im Jahr 1988“, ist Kreykenbohm sich sicher.

"Digitalisierung ist eine Herausforderung“

Während der vergangenen 43 Jahre hat sich die Polizeiarbeit grundlegend verändert. „Insbesondere die Digitalisierung ist eine Herausforderung“, verdeutlicht Kreykenbohm. „Früher haben wir bei einer Durchsuchung einige Aktenordner beschlagnahmt. Heute sind es Festplatten und Speichersticks mit unendlich vielen Daten.“ Früher sei Bargeld beschlagnahmt worden. „Aber wie archiviere ich heute Bitcoins? Wir müssen ständig schauen, dass wir auf Ballhöhe bleiben.“ Digitalisierung umfasse mittlerweile die gesamte Polizeitätigkeit – von der Verkehrsüberwachung bis zur Stabsarbeit, erklärt Nienburgs Polizeichef.

Ganz wichtig über die vielen Jahre in Nienburg sei sein Team gewesen, betont Frank Kreykenbohm nachdrücklich. „Nienburg ist eine tolle Dienststelle mit einem tollen Team. Es hat nicht einen Tag gegeben, an dem ich nicht gerne aufgestanden und zur Arbeit gegangen bin.“ Besonders ärgert sich der scheidende Polizeichef deshalb auch über pauschale Vorwürfe, die Polizei sei latent rassistisch. Solche Tendenzen schließt Frank Kreykenbohm für seine Polizeiinspektion kategorisch aus. „Vor Einzelfällen ist keine gefeit.“ Das treffe aber auf jeden gesellschaftlichen Bereich zu.

Ein sehr ruhiger Abschied

Der Abschied von Frank Kreykenbohm wird sehr ruhig, fast lautlos stattfinden. Nicht, weil es seiner ruhigen, besonnenen Art entspricht. Vielmehr will Frank Kreykenbohm aufgrund der Corona-Krise jegliches Infektionsrisiko vermeiden. Schwer fällt ihm dieser Entschluss schon. „Ich hätte mich gern von sämtlichen beruflichen Wegbegleitern persönlich verabschiedet“, sagt er.

Vielen wird er sicherlich zukünftig noch über den Weg laufen. Denn ganz ohne Plan steuert Frank Kreykenbohm seine Pensionierung doch nicht an. „Vielleicht engagiere ich mich zukünftig ehrenamtlich“, überlegt der zukünftige Ruheständler bereits. Und dann ist da ja auch noch der Sport.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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