Die Nienburgerin Fatima Kirmizi hat einen ziemlich ungewöhnlichen Beruf

Traumjob Tatortreinigerin

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In voller Montur: Die Tatortreinigerin trägt während ihrer Einsätze einen Seuchenschutzanzug, Handschuhe, Stiefel und Atemmaske.

Nienburg - von Leif Rullhusen.  Wenn die Spurensicherung, der Leichenbestatter und der Kammerjäger ihren Job erledigt haben, beginnt der Einsatz von Fatima Kirmizi. Die 35-jährige Nienburgerin arbeitet an Orten, um die jeder andere Mensch einen möglichst großen Bogen macht. Sie ist Tatortreinigerin.

Fatima Kirmizi beseitigt die ekligen Überreste eines Verbrechens sowie die Spuren, die ein natürlicher Todesfall oder ein Messi in einer Wohnung hinterlassen haben. Kein Job für zart besaitete Menschen: „Oft bleiben Tote über Tage oder sogar Wochen unentdeckt“, erklärt die zierliche Frau mit dem ungewöhnlichen Beruf. Dann würde es an einem solchen Tatort schon ziemlich übel riechen. Ganz abgesehen von den Körperflüssigkeiten, die ein Mensch nach seinem Ableben von sich gibt. Und wenn Spurensicherung oder Bestatter nicht gründlich genug waren, ist das nicht unbedingt alles, was am Tatort zurückbleibt.

„Wenn eine Leiche länger an einer Stelle lag, sind die Umrisse anschließend noch sehr deutlich zu sehen, wie ein Schatten“, beschreibt die Tatortreinigerin. Reinigungs- und Desinfektionsmittel kommen in einem solchen Fall höchstens bei Fliesen oder Steinboden zum Einsatz. „Laminat, Holz oder Teppichboden reißen wir komplett raus.“ Bei extremen Fällen muss sogar der Estrich raus.

Das war bei ihrem letzten Einsatz in Nienburg der Fall. Die betroffene Wohnung musste Fatima Kirmizi komplett entkernen, einschließlich des Estrichs.

In den völlig verwahrlosten Räumen hatte eine ältere Dame mit mehreren Katzen gelebt.

Ein Tatort, zu dem Fatima Kirmizi gerufen wird, ist nicht zwangsläufig der Ort eines Verbrechens oder eines Todesfalls. „Es reicht ein entsprechende Befund. Dazu zählen auch von Ungeziefer befallene Messi-Wohnungen“, erklärt sie. Wie an ihrem letzten Einsatzort in der Kreisstadt. Unabhängig davon riegelt sie jeden Tatort hermetisch von der Umgebung ab. Nur durch eine Hygieneschleuse und in einem speziellen Seuchenanzug mit Stiefeln, Handschuhen und Atemmaske betritt sie ihren Arbeitsplatz. Im Extremfall wechselt sie ihren Anzug sogar alle halbe Stunde. Alles, was an Gegenständen den Tatort verlässt, ist grundsätzlich Sondermüll.

An ihrem nächsten Einsatzort – Kollegen aus Fulda brauchen bei einem größeren Befund Unterstützung – gab es allerdings eine Leiche. Ob ein Gewaltverbrechen die Ursache war, weiß die Nienburger Tatortreinigerin nicht. „Ich bin gespannt und habe keine Ahnung, was auf mich zukommt.“ Angst vor dem, was sie erwartet, hat die 35-Jährige nicht.

Sollte sie bei einem Einsatz auf Überreste oder Stücke stoßen, die die Spurensicherung womöglich übersehen hat, stoppt sie ihre Reinigungsaktivitäten sofort. „Dann ist erst einmal wieder die Polizei dran.“ Passiert ist ihr das bislang noch nicht. Das liegt allerdings auch daran, dass die 35-Jährige ihr Zertifikat zur Tatortreinigerin erst im vergangenen Dezember erwarb und sich zu Beginn dieses Jahres mit ihrer Firma „Tagoni“ in Nienburg selbstständig gemacht hat. Aktuell ist sie dabei, Kontakt zur Nienburger Polizei und zum Gesundheitsamt aufzunehmen. Wie kommt eine junge, attraktive Frau ausgerechnet auf den Beruf der Tatortreinigerin? „Die gleichnamige Fernsehserie war es nicht“, versichert sie. „Die habe ich erst nach meiner Ausbildung das erste Mal gesehen.“ Sehr pragmatisch ist Fatima Kirmizi an ihre Berufswahl herangegangen. „Ich habe in den vergangenen Jahren in die verschiedensten Bereiche der Reinigungsbranche hineingeschnuppert und suchte eine Möglichkeit, mich auf diesem Gebiet weiterzubilden.“ Tatortreinigerin sei eine vielversprechende Marktlücke. „Außerdem reinige ich mit Leidenschaft und bin ziemlich abgehärtet.“

Ihr Berufswunsch als Kind war übrigens Sängerin. Eine Leidenschaft, die Fatima Kirmizi mit ihrem aktuellen Beruf gerne kombiniert. „Wenn ich keine Atemmaske trage, singe ich manchmal während der Arbeit“, erzählt sie.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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