Nienburger Museum eröffnet Sonderausstellung zum Kriegsende

Einblicke in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte

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Museumsleiterin Dr. Kristina Nowak-Klimscha mit einem Feldtelefon, eines von zahlreichen ausgestellten Exponaten in der sich derzeit im Aufbau befindenden Sonderausstellung.

Nienburg - von Leif Rullhusen. Der „Stunde Null“, dem Ende des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte widmet sich eine neue Ausstellung im Nienburger Museum. „In Gefangenschaft – Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter am Ende des Zweiten Weltkriegs“ ist der Titel der Sonderausstellung im Fresenhof.

Die wird am kommenden Donnerstag, 7. Mai, eröffnet. Anlass ist das 70-jährige Kriegsende. „Wir haben das Thema auf den Landkreis und die Stadt Nienburg heruntergebrochen“, erklärt Museumsleiterin Dr. Kristina Nowak-Klimscha. Deshalb konzentriere sich die Ausstellung neben der Pulverfabrik in Liebenau auf die Bereiche Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft. Zwei große Kriegsgefangenenlager, das Stalag XC und das Oflag XB, gab es damals schließlich in Nienburg. Noch heute stehen davon einige Baracken in der Ziegelkampstraße. Vom Stalag aus verwalteten die Nationalsozialisten bis zu 40 000 Zwangsarbeiter, die im gesamten norddeutschen Raum unter erbärmlichen Bedingungen schuften mussten.

„Aufgrund des begrenzten Platzes für die Sonderausstellung mussten wir das Thema stark eingrenzen“, erklärt die Museumsleiterin. Es konzentriert sich deshalb fast ausnahmslos auf die Zeitspanne um die Stunde Null. Bei der Darstellung der Schicksale einzelner Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter greift die Ausstellung allerdings auch weiter in Kriegszeiten zurück. Da das wichtige Thema nicht einfach mit Stellwänden und Vitrinen dargestellt werden soll, überlässt die Museumschefin die Gestaltung nicht dem Zufall. Die professionelle visuelle Umsetzung des Themas hat sie dem Team anvertraut, das auch schon die neue Dauerstellung im Fresenhof gestaltete. Zahlreiche Holzwände geben dem Fritz-Heller-Saal einen gewissen Barackencharakter. Stacheldrahtfolien zwischen den Holzbalken vermitteln zudem den Eindruck eines Gefangenlagers. Verschiedene historische Exponate erlauben darüber hinaus einen Einblick in die Jahre 1945 und 1946 – dem Abschnitt des nahenden Kriegsendes und der danach ganz langsam beginnenden Normalität.

Teils skurrile Dinge zeigt die überaus interessante Sonderausstellung. So hat ein Nienburger Briefmarkensammler Exemplare aus jener zur Verfügung gestellt. Sie zeigen Postwertzeichen mit dem Profil Hitlers, das die Alliierten unkenntlich machten oder mit dem Schriftzug „Deutschlands Verderber“ überdruckten. Bis zu August 1945 waren diese Marken noch offiziell im Umlauf. Flugblätter mit Aufrufen zur Kapitulation, eine Dose mit der Fliegerschokolade „Scho-Ka-Kola“ und von den Kriegsgefangenen heimlich hergestellte Körbe sind nur einige weitere Beispiele. Die Flugzeugtür eines abgeschossenen britischen Bombers – eine Leihgabe des Heimatvereins Deblinghausen – wird die Besucher gleich zu Beginn der Ausstellung empfangen.

Die offizielle Eröffnung, zu der alle Interessierten eingeladen sind, beginnt am kommenden Donnerstag um 19 Uhr im Quaet-Faslem-Haus. Im Anschluss an einen Imbiss findet eine erste Führung statt. Danach kann die Ausstellung „In Gefangenschaft – Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter am Ende des Zweiten Weltkriegs“ zu den Öffnungszeiten des Museums bis zum 7. Oktober besucht werden. Es können auch Führungen gebucht werden.

Ein weiteres Ereignis im Nienburger Museum lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten. Am Sonntag, 17. Mai, erwartet die Besucher des Fresenhofes anlässlich des internationalen Museumstages von 11 bis 17 Uhr nämlich ein spannendes Programm. Das richtete sich vor allem, aber nicht ausschließlich, an Familien und taucht tief ganz tief in die Geschichte ein. Die Vorführung und Herstellung steinzeitlicher sowie bronzezeitlicher Werkzeuge stehen unter anderem auf dem Plan. Auch ein mittelalterlicher Schmied wird dann anwesend sein.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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