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Don-Kosaken-Sänger dürfen nicht nach Deutschland

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Von: Katrin Köster

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Der Don Kosaken Chor singt bei einem undatierten Konzert.
Der Don Kosaken Chor in Aktion. Derzeit werden insgesamt 16 ukrainische Chormitglieder vermisst, die vermutlich in ihrer Heimat sind. © Don Kosaken

Nienburg/Kiew – Uta von Sohl hat ein Hühnchen zu rupfen – und zwar mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Was denkt sich dieser Mann eigentlich?!“, fragt sie erbost und bezieht sich dabei auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Uta von Sohl treffen die russischen Angriffe privat und geschäftlich schwer: Der Kontakt zu insgesamt 16 ukrainischen Sängern des Don Kosaken Chores Serge Jaroff ist seit den Angriffen abgebrochen. Von Sohl arbeitet mit ihnen seit Jahren als Konzertvermittlerin zusammen.

„Ich stehe jeden Morgen um sechs auf und renne an den Rechner, um die Nachrichten zu lesen“, schildert die Wahl-Nienburgerin ihre Sorgen um die vermissten Künstler. Die 16 Ukrainer seien alle professionelle Sänger und treten im Chor unter der künstlerischen Leitung von Wanja Hlibka auf. Vor der Pandemie waren die Ukrainer laut Uta von Sohl mit Gastvisa ausgestattet, die zur jeweiligen Konzert-Saison verlängert worden sind. Mit manchen der Gruppe habe sie bereits seit gut zwölf Jahren zusammengearbeitet, betont die Agentin. Als sich 2020 die Corona-Pandemie ausgebreitet habe, seien einige Künstler zurück in ihre ukrainische Heimat gegangen.

Seit Kriegsbeginn ist der Kontakt von Uta von Sohl und ihrem Team zu den Ukrainern nahezu unmöglich geworden. „Wir haben lediglich sporadisch ihre Familien erreicht. Wir haben den Sängern und ihren Familien angeboten, nach Deutschland zu kommen, aber das haben sie alle abgelehnt“, berichtet die Veranstalterin weiter. Auch der in München wohnende Chorleiter Wanja Hlibka hat keine guten Nachrichten. So berichtet er in einem Telefonat mit Uta von Sohl, dass die Sänger zwar alle gesund seien, aber nicht ausreisen dürften, sondern den Bestimmungen vor Ort ausgeliefert seien. „Auch die ukrainische Botschaft in Berlin kann nicht weiterhelfen“, so von Sohl.

„Seit Kindertagen mit dem Chor verbandelt“

„Ich bin seit Kindertagen mit diesem Chor verbandelt. Als sehr kleines Kind schon ging ich mit meiner Mutter in Heidelberg und Mannheim in jedes Konzert, damals noch unter dem Dirigat von Serge Jaroff“, erzählt die Wahl-Nienburgerin. „In Heidelberg fiel mir dann später ein junger blonder Sänger unter den damals alten Männern auf, der da gar nicht hinzugehören schien. Es war Wanja Hlibka. Und als ich dann viele Jahre später in der Pfalz ein Plakat mit diesem Namen las, ab da habe ich dann den Chor promotet. Das war vor 29 Jahren – und das ist fast ein halbes Leben“, stellt Uta von Sohl fest.

Die Hoffnung auf ein Wiedersehen hat sie nicht aufgegeben. Die Agentin plant die nächsten Konzerte mit den Don Kosaken. „Die Konzerte, die für den Mai geplant sind, müssen wir sicher aus der Tournee nehmen. Für den 1. September ist ein Konzert in Österreich geplant und danach, so hoffen wir alle, werden ab Oktober wieder alle Konzerte stattfinden“, sagt sie. „Ich rechne zu 100 Prozent mit den 16 Mann“, stellt sie klar, und es klingt beinahe wie eine Kampfansage an den Mann im Kreml.

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