Nienburger Jugend-Preis an zwei Gruppen verliehen

Gegen Rassismus und Diskriminierung

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Henning Onkes (links) und Ulrike Kassube (rechts) mit den Preisträgern des Elisabeth-Weinberg-Preises.

Nienburg - von Beate Ney-Janßen. Ein Jugend-Preis für Zivilcourage, für ein tolerantes Miteinander und gegen das Vergessen ist der Elisabeth-Weinberg-Preis. Zwei Preisträger hat es bei der 14. Verleihung des Preises, der nach einer Nienburger Jüdin benannt wurde, gegeben.

Die „Chronik rechter Aktivitäten in Nienburg seit März 2014“, die Annika zur Preisverleihung im Vestibül des Nienburger Rathauses in die Höhe hält, ist lang. Und einige Beispiele daraus trägt sie vor: dass rechte Sticker in Nienburg an vielen Orten geklebt und Flyer der NPD auf dem Schlossplatz verteilt wurden. Dass ein polizeilich bekannter Neonazi alternative Jugendliche drangsaliert und sie bei Solidaritätsdemonstrationen fotografiert hat. Dass eine Nienburger Gaststätte einen Drohbrief bekam, weil sie von Nazis als „Linker Schuppen“ eingestuft wurde. Dass eine Stolperstein-Verlegung gestört wurde. Das alles, sagt Annika, seien solche Punkte wegen derer die Gruppe, in der sie aktiv ist, gegründet wurde. „Against Racism Nienburg“ nennen sie sich und stellen sich seit rund zwei Jahren auf vielfältige Weise gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.

„Wir müssen uns regelmäßig umsehen, wenn wir durch Nienburg gehen“, sagt Annika, „Wir wurden bedroht, verfolgt und einige von uns wurden in Nienburg bereits körperlich angegriffen.“ Sie selbst sei ebenfalls Opfer rechter Gewalt geworden. Das ist auch der Grund, weshalb Annika an diesem Abend nur mit Vornamen angeredet wird. Vollständige Namen zu nennen kann zu weiteren Übergriffen führen. Sie und ihre Mitstreiterin Wiebke haben schon genau überlegt, wie sie ihre Arbeit vorstellen können, inwieweit sie öffentlich in Erscheinung treten mögen. Für ihre Überzeugung und für ihr Projekt stellen sie sich letztlich sogar vor die Kamera. Zivilcourage – wie es eine der Bedingungen für den Elisabeth-Weinberg-Preis ist. Der Applaus nach Annikas Präsentation ist laut und anhaltend.

Die zweite nominierte Gruppe geht andere Wege, wenn auch mit ähnlichen Zielen. Jugendliche aus Rehburg-Loccum, Wunstorf und Stolzenau sind es, die gemeinsam innerhalb des Arbeitskreises Stolpersteine Rehburg-Loccum eine Lesung zur Euthanasie in der NS-Zeit aufgebaut haben. Einen Auszug aus der Lesung präsentieren sie an diesem Abend, erklären das System, das die Nazis mit ihrer Aktion T4 ausklügelten, nennen Opferzahlen, erzählen die Geschichte des Jungen Benjamin Traub, der in einer Gaskammer ermordet wurde, und geben berührende Einblicke in Kinderschicksale. Den Einstieg in die Lesung bildet ein eigens zu diesem Zweck geschriebener Punk-Song mit dem Titel „Euthanasie“, der Brücken zwischen damals und heute baut. Nach ihrer Motivation befragt von den Lehrerinnen Martina Olbrich und Susanne von Stemm, die das Projekt begleiten, sagt Annabell, dass sie nicht wolle, dass Ähnliches wieder passieren könne - dann müsse doch etwas dagegen getan werden. Gegensteuern führt auch Timon als Begründung an und sagt: „Ich finde es nicht gut, Leute auszuschließen, weil sie anders sind.“

Den Elisabeth-Weinberg-Preis haben beide Gruppen bekommen – 1250 Euro und der erste Platz wurde „Against Racism“ zugesprochen, 750 Euro und Platz 2 bekamen die Jugendlichen von dem Stolperstein-Projekt. Verliehen hat den Preis Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes, der neben Landrat Detlev Kohlmeier Schirmherr des Jugendpreises ist. Initiator des Preises ist der Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt Nienburg. Träger des Preises sind Stadt und Landkreis Nienburg, der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Nienburg, die Nienburger Bürgerstiftung, die Werner-Ehrich-Stiftung sowie der Runde Tisch selbst. Seit dem Jahr 2000 gebe es den Runden Tisch, erläutert dessen Vertreterin Ulrike Kassube. Vor dem Hintergrund rechtsextremistischer Aktivitäten in Nienburg sei er seinerzeit gegründet worden. Hauptanliegen sei es damals wie heute, das Bewusstsein junger Menschen für Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung zu schärfen und das Engagement dagegen zu stärken. „Nach einigen Jahren der Ruhe spielt dies heute, wie wir wissen, erneut eine nicht zu unterschätzende Rolle auch in Nienburg.“

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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