AUS DEM LANDGERICHT 42-Jähriger wird Mordversuch am Ehemann vorgeworfen

Zeuge nennt Geschichte der Angeklagten „absurd“

Verden/Rehburg – In einen „komatösen und lebensbedrohlichen“ Zustand soll eine 42 Jahre alte Angeklagte aus Loccum mithilfe von Insulin und Morphin gezielt ihren Ehemann gebracht haben. So der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Verden, die der Frau einen Mordversuch vorwirft. Am Mittwoch, dem fünften Verhandlungstag, wurden in dem Verdener Landgerichtsprozess zwei Sanitäter und ein Notarzt gehört.

Nachdem die Angeklagte einen Notruf abgesetzt hatte, waren sie am Abend des 25. Januar 2020 im Einsatz.

„Mein Mann hat Diabetes und kriegt auch Morphium und alles. Der muss sich mehr Insulin gespritzt haben. Ich habe keine Ahnung. Er hat sich erbrochen und ich bin vorhin zum Einkaufen weggewesen. Ob er sich selbst gespritzt hat, weiß ich nicht. Er japst extrem nach Luft“, sagte die Angeklagte laut verschriftetem Notruf.

Unter dem Stichwort „Unterzuckerung“ erfolgte die Alarmierung der Retter. Im Schlafzimmer habe der im Bewusstsein „stark eingetrübte“ Mann gelegen. Nach der Gabe von Glukose habe sich sein Zustand verbessert.

Als merkwürdig bezeichnete ein Rettungssanitäter, dass sie den Zuckerwert nicht gleich hoch bekommen hätten und dass die Ehefrau sofort eine Patientenverfügung erwähnt habe. Ein zweiter Sanitäter fand es ungewöhnlich, dass die Frau ihrem Mann Insulin gespritzt haben soll. So habe es der Patient ihm auf der Fahrt ins Stolzenauer Krankenhaus gesagt. Beide Sanitäter stuften die Kombination Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit als grundsätzlich lebensgefährlich ein. Hinweise auf einen Suizid sah der Notarzt nicht, aber es sei Thema in seinem Gespräch mit der 42-Jährigen gewesen. Ihr Mann habe an seinem Geburtstag zwei Tage zuvor gesagt, „dass er so nicht mehr leben möchte“. So habe sie es dem Arzt gesagt. Dagegen soll sie gegenüber Gästen, in Abwesenheit ihres Mannes, von einem bevorstehenden Ableben ihres Gatten aufgrund seiner Erkrankungen berichtet haben. Das hatte eine Freundin zuvor aus einem Gespräch am Geburtstag berichtet.

Offenbar nicht die einzige Lüge der Angeklagten. Die Gefahr eines Hirnschadens, wovon sie Freunden nach dem Rettungseinsatz berichtet haben soll, hat laut dem Arzt nicht bestanden. Ihm und den Sanitätern war auch nichts von einem vorherigen Einsatz bekannt, bei dem der Mann nicht mitgenommen worden sei. Angesichts der absurden Begründung, dass der Zustand des Patienten zu schlecht sei, musste der Arzt lachen. „Das entspricht nicht meiner Vorstellung als Arzt“, merkte er an. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Wiebke Bruns

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