Wolfsberater Lohmeyer tritt zurück

Wildschwein unter Jagdrecht – Wolf unter Artenschutz

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Christian Lohmeyers Rücktritt wird vom Umweltministerium bedauert.

Nienburg/Hannover - Von Kurt Henschel. Eine nur knappe und nicht konkrete Beschreibung der Tätigkeit eines Wolfsberaters liefert der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz, abgekürzt NLWKN (siehe Info-Kasten), nichts Brauchbares für das Vorgehen eines Wolfsberaters enthält die „Richtlinie Wolf“ des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz in Hannover. Sie regelt lediglich Ersatz-Ansprüche, erklärt aber nicht, wie sich ein Wolfsberater im Umgang mit dem Wolf und dem Bürger in seiner Region zu verhalten hat.

Das Fehlen „klarer Handlungsweisungen“ hatte in unserer gestrigen Ausgabe Wolfsberater Christian Lohmeyer aus dem Bücker Ortsteil Stendern beklagt und begründet, warum er sein Ehrenamt Mitte des Monats niederlegt. Auf seine Kritik am Umweltministerium äußerte sich auf Nachfrage dessen Pressesprecherin Dunja Rose: „Herrn Lohmeyers Rücktritt ist bedauerlich, seine Kritik ist in Gesprächen mit der Staatssekretärin erörtert worden. Zukünftig wird die Region, die Herr Lohmeyer bisher als Wolfsberater betreut hat, vorerst von seinem Kollegen Herrn Wichmann übernommen, bis ein neuer Wolfsberater ausgebildet und eingesetzt ist.“ Weiter erklärt Rose: „Der Wolf steht unter strengem Artenschutz nach EU-Recht. Bei allen Maßnahmen im Umgang mit dem Wolf steht für die Landesregierung die Sicherheit der Menschen immer an erster Stelle.“ Wegen der wachsenden Population und Ausbreitung ist im November 2014 die Richtlinie über die Gewährung von Billigkeitsleistungen und Zuwendungen (kurz: „Richtlinie Wolf“) erlassen worden. Sie sei „ein wichtiger Eckpunkt im Rahmen des niedersächsischen Wolfsmanagements. Aufgrund sich verändernder Rahmenbedingungen ist die Richtlinie als dynamisches Konzept vorgesehen und wird fortlaufend weiterentwickelt“, so die Pressesprecherin.

Im Rahmen einer Dialog-Veranstaltung Anfang Mai, zu der das Umweltministerium alle niedersächsischen Wolfsberaterinnen und Wolfsberater sowie die Landesjägerschaft als Koordinierungsstelle der Wolfsberater eingeladen hatte, habe Minister Wenzel ein umfangreiches Maßnahmen-Paket (Wolfsbüro beim NLWKN, intensivere Überwachung des Rudels in Munster, schnellere Riss-Beurteilung, bundesweite Monitoring- und Kompetenzstelle, neues Internetportal) zur Weiterentwicklung des Wolfsmanagements in Niedersachsen vorgestellt, so Rose. Derzeit sind ihren Angaben zufolge in Niedersachsen 113 Wolfsberater ehrenamtlich tätig. Diese stehen betroffenen Landnutzern zur Seite, informieren interessierte Bürger und nehmen Wolfssichtungen oder -spuren auf.

Um einen einheitlichen und fachlichen Standard zu gewährleisten, werden die vom Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz ernannten ehrenamtlichen Wolfsberater im Auftrag des Ministeriums regelmäßig von der Alfred-Töpfer-Akademie für Naturschutz in Theorie und Praxis geschult. Bei den Schulungen gehe es laut Rose neben der Vermittlung von fachlichem Wissen auch darum, das Netzwerk der Wolfsberater zu stärken und den Austausch zwischen ihnen zu fördern. „Die Wolfsberater sind ehrenamtlich tätig und erhalten eine Aufwandsentschädigung, die über Pauschalen geregelt ist“, klärt Rose auf. Und zum Vergleich zwischen Wildschweinen und Wölfen, der sich laut Aussage von Christian Lohmeyer verbiete, sagte die Pressesprecherin: „Wildschweine stehen unter Jagdrecht, während der Wolf unter Artenschutz steht.“ Auf Basis dieser rechtlichen Regelung dürfe das verletzte Wildschwein „erlöst“ werden.

Der NLWKN zur Wolfsberatung

Nur kurz beschreibt der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) das Thema „Wolfsberatung in Niedersachsen“. Darin heißt es wörtlich: „Seit 2008 leben in Niedersachsen wieder Wölfe. Grundsätzlich können in allen Landesteilen und zu jeder Zeit Wölfe auftauchen. Mit der Anwesenheit von Wölfen gibt es Informationsbedarf in der Bevölkerung, bei den Tierhaltern und Jägern, da wir verlernt haben, mit dem Wolf unaufgeregt zu leben. Länder, in denen der Wolf nie verschwunden war, zeigen uns auf, dass und wie es geht. Auch aus diesem Grund hat das Land Niedersachsen eine Gruppe von Wolfsberaterinnen und Wolfsberatern ernannt, die über das Land verteilt mit Rat und Tat allen Bürgerinnen und Bürgern ehrenamtlich zur Verfügung stehen. Auch nehmen sie alle Sichtungen oder Spuren auf, um Klarheit über Wolfsvorkommen oder Wolfsrisse zu erhalten. Wenn Sie Fragen haben oder Meldungen abgeben möchten, können Sie sich gern an die Wolfsberater wenden.“

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