Addi Handwerker ist Sammler

„Wir hatten doch nichts!“

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Eine der vielen Sammlungen von Addi Handwerker: Bücher.

Rehburg - Von Beate Ney-Janßen. Kinderbücher und Kakteen, Plakate und Bilder, Postkarten und Vasen – in dieser Aufzählung ist noch lange nicht alles enthalten, was der Rehburger Addi Handwerker sammelt. In seinem Haus nutzt er jede freie Fläche für allerhand, was ihn interessiert oder er einfach schön findet.

Die Sammelleidenschaft habe bei ihm mit Briefmarken begonnen, sagt Handwerker, und zwar schon in der Kindheit. Vielleicht, meint er, liege das daran, dass er ein Flüchtling sei – er war ein halbes Jahr alt, als seine Eltern mit ihm von polnischem Gebiet nach Norddeutschland flohen. „Wir hatten doch nichts! Daher kommt es wohl, dass ich alles sammelte, was ich bekommen konnte.“

Seine ersten Briefmarken bekam er von einem Mitschüler, der eine kleine Sammlung hatte. Zu gern hätte Handwerker so etwas auch besessen, aber wovon sollte er es bezahlen? Die Lösung für ihn lag in der Schokolade, von der die Flüchtlingskinder einmal pro Woche bei der Schulspeisung eine Tafel bekamen. Diesen kleinen Schatz tauschte er mit dem naschsüchtigen Mitschüler: die wöchentliche Schokoladen-Ration gegen 100 Briefmarken.

Die Briefmarken-Sammlung wuchs im Lauf der Jahre an, auf Schokolade als Tauschmittel war er irgendwann nicht mehr angewiesen. Mit wachsendem Bestand wurde er nicht nur mit der Schule fertig, sondern machte auch eine Lehre als Maler. „Bei der Berufsberatung hat man mich gefragt, wo denn meine Interessen seien“, erinnert er sich schmunzelnd. Nun, antwortete er, malen und zeichnen würde er wohl gerne. Dass er deshalb das Anstreichen von Wänden lernte, war nicht eben sein Wunschtraum gewesen, sodass er sich fortbildete und ein Studium begann, das er als Grafikdesigner abschloss.

Jeder Zentimeter ist bepflastert

Spätestens zu diesem Zeitpunkt begann er auch damit, Plakate zu sammeln. Ein Teil hängt an vielen Wänden in seinem Haus. „Die Petersburger Hängung“, sagt er grinsend beim Aufstieg in den ersten Stock durch das Treppenhaus, in dem nahezu jeder Zentimeter mit Bildern und Plakaten bepflastert ist – dicht an dicht, ähnlich der namensgebenden Hängung in der Sankt Petersburger Eremitage.

Kamen viele der Plakate im Zusammenhang mit Handwerkers Studium und Arbeit als Grafikdesigner zu ihm, so sind andere Sammlungen einfach so entstanden. Wenn Addi Handwerker durch sein Haus führt, so begegnet seine Sammelleidenschaft dem Besucher in allen Räumen.

Ein Griff auf ein Regal fördert eine Keks-Dose aus seiner Bahlsen-Sammlung hervor. Darin steckt eine weitere Sammlung, nämlich von alten Gruß- und Glückwunsch-Postkarten. Vieles davon, sagt Handwerker, hätten er und seine Frau auf Flohmärkten gefunden.

Danach erläutert er das Prinzip von Hyazinthen-Vasen, die in einem Flur auf vier Regalböden übereinanderstehen. Dann zieht er aus einer kleinen Holzkiste alte gläserne Fotoplatten hervor. Die gehörten zu der alten Kamera im Wohnzimmer, sagt er, und seien über eine Nachbarin in Hannover zu ihm gekommen, die auszog. Allerhand wollte sie auf den Müll werfen, wofür Handwerker gute Verwendung hatte. So ist er nun der Hüter der Fotos der ehemaligen Nachbarin geworden.

Die Wände sind bepflastert mit Bildern und Plakaten.

Trennen kann er sich kaum jemals von einer Sammlung. Seine Briefmarken hat er zwar verkauft, aber alles andere bleibt.

Plakate, Vasen, Bilder, Postkarten und Co. sind jedoch nur die kleinen Sammlungen im Hause Handwerker. Umfangreicher und noch schwerwiegender ist das, was der Ruheständler an Kinderbüchern zusammengetragen hat. Die grafische Gestaltung habe ihn interessiert, sagt er. Mittlerweile ist diese Sammlung so sehr gewachsen, dass es für ihn nicht mehr leicht ist, weitere Exemplare zu finden, die nicht in seine Duplikate-Sammlung wandern müssen.

Diese Sammlung zu vervollständigen, ist aber nach wie vor sein Ziel. Viele Stunden Beschäftigung mit diesen Kinderbüchern stecken nicht nur im Stöbern auf Flohmärkten und in Antiquariaten wie auch im Katalogisieren – manche der Bücher restauriert er sogar selbst. Oder lässt ganz besondere Exemplare von einem Restaurator herrichten.

In Rehburg-Loccum lebt er nun seit zehn Jahren. Seitdem fügt sich zu seinen Sammlungen noch eine weitere hinzu. Denn in jener Stadt zu wohnen, heißt für ihn, mit den Menschen dort zu leben. Das jüngste Stück dieser „Sammlung“ ist nun seine Mitgliedschaft im Rehburger Shanty-Chor, der froh um jede neue Stimme ist.

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