Ersatzteillager auf Bauernhof

Wilfried Blöthe aus Rehburg ist die Nummer 1 für Benelli-Träume

Traum erfüllt: Mittlerweile besitzt Wilfried Blöthe mehr als nur eine Benelli mit sechs Zylindern. Ursprünglich ist Wilfried Blöthe ausschließlich Landwirt gewesen. Hier lässt er sich von einem seiner Wasserbüffel die Hand abschlecken.
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Traum erfüllt: Mittlerweile besitzt Wilfried Blöthe mehr als nur eine Benelli mit sechs Zylindern. Ursprünglich ist Wilfried Blöthe ausschließlich Landwirt gewesen. Hier lässt er sich von einem seiner Wasserbüffel die Hand abschlecken.

Das weltweit größte Ersatzteillager für historische Motorräder der Marke Benelli verbirgt sich in einer unscheinbaren Halle im Städtchen Rehburg nahe dem Steinhuder Meer. Der Landwirt Wilfried Blöthe hat es zusammengetragen und sich nebenbei ein privates Benelli-Museum eingerichtet.

Rehburg – Motorrad-Fans atmen tief durch, wenn sie die letzte Treppenstufe in Wilfried Blöthes Ausstellungshalle nehmen. Auf dem Hof hat sie noch der würzige Duft von Kuhmist umfangen. Der weicht hier den Ausdünstungen von Benzin, Öl und dem Kautschuk von Reifen, die schon so manche Landstraße erobert haben. Das zweite sinnliche Erlebnis ist der Anblick der Maschinen, denen dieses Aroma entströmt. Von rasanten Zweirädern über Roller bis zum elektrobetriebenen Kindermotorrad ist so ziemlich alles dabei, was Benelli jemals gebaut hat.

Offizielle Ausstellungsstücke aus dem italienischen Werk

„Ich kann zu jedem Stück eine Geschichte erzählen“, sagt Blöthe und lässt sich mit leisem Seufzer auf dem ledernen Sattel eines 87 Jahre alten Veteranen nieder. Das Design der eleganten roten Rennmaschine dort hinten, das habe Steve McQueen vor 60 Jahren entwickelt. Einen Beleg dafür, dass der Schauspieler und Motorrad-Fan selbst auf genau dieser Maschine saß, hat er nicht. Der Beweis, dass sie als offizielles Ausstellungsstück der kleinen Serie im italienischen Werk stand, schlummert aber in seinem Archiv.

Ursprünglich ist Wilfried Blöthe ausschließlich Landwirt gewesen. Hier lässt er sich von einem seiner Wasserbüffel die Hand abschlecken. Heute ist er auch der Benelli-Bauer mit dem weltweit größten Ersatzteillager für die Motorrad-Marke.

Die McQueen-Maschine gehört eindeutig zu Blöthes Lieblingsstücken. Ins Schwärmen gerät er aber erst, wenn er auf seine Sechszylinder angesprochen wird. „Die fahren seidenweich“, sagt er. Ein Geldstück auf dem Tank würde bei laufendem Motor nicht einmal vibrieren.

Benelli hat die ersten Motorräder mit Sechszylindermotor in Serie produziert

Die Sehnsucht nach diesem Fahrgefühl, danach, sich sanft auf zwei Rädern in die Kurven zu legen, hatte der 59-Jährige schon als Teenager. So kam er auf Benelli, denn dieses Unternehmen hatte 1972 als erstes überhaupt einen in Serie produzierten Sechszylindermotor auf den Markt gebracht. Die Liebe begann.

Sein erstes Motorrad, eine Benelli 500 Quattro, hatte dann doch nur vier Zylinder. Mehr gab sein Lehrlingsgehalt nicht her. Heute hat die Nummer 1 mit aufgeschnallter Kühlbox einen Ehrenplatz in der Ausstellung. Als Erinnerung an seine Benelli-Anfänge und Urlaube mit seiner Frau auf dem Sozius.

Traum erfüllt: Mittlerweile besitzt Wilfried Blöthe mehr als nur eine Benelli mit sechs Zylindern.

Der ersten Benelli folgten weitere. Oft waren es alte Maschinen mit Reparaturbedarf. Weil es ihm Spaß machte und er ein Händchen dafür hatte, restaurierte er selbst. Und plötzlich standen ziemlich viele Motorräder in der Scheune, wuchs das Ersatzteillager stetig und er wurde in Benelli-Kreisen als Experte gehandelt.

Benelli-Werk kommt 2010 auf Blöthe zu: Zehn Sattelschlepper voller Teile

Damit hing es zusammen, dass ihm das historische Teilelager vom italienischen Benelli-Werk angeboten wurde, sagt Blöthe. Nahezu 100 Jahre Motorradgeschichte in Einzelteilen, die zehn Sattelschlepper füllten.

2010 war das. Drüber geschlafen, durchkalkuliert. Dann schlug er ein. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt hat er auch seinen Szene-Namen bekommen: Benelli-Bauer. „Weil die Italiener meinen Namen nicht richtig aussprechen konnten“, sagt er grinsend. Und weil er doch eigentlich von Beruf Landwirt ist. Die Landwirtschaft hat er beibehalten und sich zusätzlich in das Motorrad-Geschäft gestürzt. Schließlich besaß er nun das weltweit größte Ersatzteillager historischer Benellis. Sein Museum hat er sich zur Freude und zum Teilen mit anderen eingerichtet.

Der gut sortierte Teil des Restelagers befindet sich im Erdgeschoss seiner Halle, direkt unter der Ausstellung. Die Gänge sind schmal, die Regale hoch und vollgestopft. „Hier liegt alles für die Benellis aus den 1960er- bis 90er-Jahren“, sagt er. Das sei aber nur die Spitze des Eisbergs.

Kommen Anfragen für ältere Maschinen bei ihm an, schwingt er sich auf eine der Benellis vor der Tür und fährt zu den anderen Standorten seines Lagers. Dort lagern noch mehr Ersatzteile und dort stehen Hunderte alte Benellis, von denen keine mehr auf die Straße kommen, jede aber ausgeschlachtet werden kann. Geduldig begibt er sich jedes Mal auf die Suche. Nach Nockenwellen und Motorblöcken, nach Rücklichtern, Zylindern und allem anderen, was zu einem Motorrad gehört.

Längst kommen die Anfragen nach solchen Teilen aus aller Welt. Es hat sich herumgesprochen, dass der Benelli-Bauer helfen kann, wenn jemand mit der Restaurierung am Ende seines Lateins ist.

Auch das Kinder-Motorrad ist eine Benelli – allerdings mit Elektro-Antrieb.

Ob das Lager nicht irgendwann ausgeschöpft ist? „Keineswegs“, sagt Blöthe. Das italienische Lager sei doch nur der Anfang gewesen. Frankreich, Spanien. Ersatzteile schlummerten auch anderswo. Vier volle Seecontainer hat er aus den USA nach Rehburg geholt und ist zum Beladen des letzten dieser Container selbst nach Amerika geflogen. Im Gepäck hatte er eine seiner alten Benellis, um eine Tour kreuz und quer durch die Staaten zu machen. Gemeinsam mit Bikern aus ganz Europa. Benelli-Verrückte, wie er einer sei, sagt er schmunzelnd.

Ausstellung besuchen

Anmeldung bei Wilfried Blöthe unter 05037/96 88 33.

„Wir sind mit vier Wochen Zeit und ohne festgelegte Route losgefahren“, erzählt Blöthe. „Eine tolle Tour!“ Eigentlich wollte er mit einer ähnlichen Gruppe 2020 wieder unterwegs sein. Von Deutschland bis nach China, auf weiten Strecken der Seidenstraße. Diesem Plan hat Corona einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt hofft er darauf, im September, zur Feier von 110 Jahren Benelli, nach Italien fahren zu können. Selbstverständlich auf einer historischen Maschine. Mit dem verwirklichten Traum von sechs Zylindern und der ewig gleichen Begeisterung für Benellis.

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