ZSK bringen Nazis aus dem Takt

Das Weserbeatz-Festival der Rock-Ini Nienburg ist Pflichtprogramm für Faschismus-Gegner

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Die Punk-Band ZSK macht sich auf den Weg zum Weserbeatz, um Nazis zu vergraulen. 

Als Ende 2016 40 Mitglieder des als rechtsradikal eingestuften Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen in Nienburg aufmarschierten, zeigten viele heimische Institutionen: „Wir wollen euch hier nicht!“ Neben vielbeachteten Gegendemonstrationen von Verbänden, Vereinen und Mitgliedern der antifaschistischen Bewegung ist eine Idee entstanden, wie man das unerwünschte Gedankengut vertreiben kann: laute Musik, ohne Kompromisse. Die Rock-Ini Nienburg rief das Weserbeatz-Festival ins Leben. Am Samstag, 8. Juni, kommen dafür wieder alle, die gegen Rassismus feiern wollen, auf der Festwiese in Nienburg zusammen. Aushängeschild ist in diesem Jahr niemand geringeres als die über die Szene hinaus bekannte, hochpolitische Punk-Band ZSK.

Nienburg - „Damit soll ein Zeichen für Demokratie und Toleranz und gegen Menschenfeindlichkeit gesetzt werden“, schreibt das Orga-Team in einer Mitteilung. Gemeinsam mit den geladenen Musikern und Besuchern wollen die Veranstalter Möglichkeiten zum zivilgesellschaftlichen Engagement aufzeigen und dazu motivieren, selbst aktiv zu werden.

Bevor die Bands sich über Lautsprecherboxen verständigen, beginnt der Tag ruhig. Ab 9 Uhr werden unter anderem ein Graffitiworkshop und ein Workshop zu rechten Strukturen in Niedersachsen angeboten. Dafür bitten die Organisatoren um eine Anmeldung unter weserbeatz@rockini-nienburg.com. Um 12 Uhr beginnt das Festival mit einer offenen Bühne für Künstler, Poetry-Slammer und textlich Kreative.

Die Einzelauftritte starten um 14 Uhr. Dabei stehen unter anderem Thorsten Stelzner sowie die Gruppe Milan und Band, ehe sie gegen 16 Uhr das Mikrofon an Thore Wittenberg weiterreichen. Ursprünglich als Bassist in Punkbands wie Schimmelpilz, No Good Intentions und Pastel aktiv, ist er seit November 2015 nur noch mit seiner Gitarre und Gesang auf den unterschiedlichsten Bühnen unterwegs. Nach fast 200 Auftritten in fünf Ländern ist dabei ein Projekt entstanden, bei dem er zwischen humorvollen Stimmungssongs, nachdenklichem Pop und politischen Punksongs gemischt mit „vielleicht zu vielen Ansagen“ hin- und herspringt, heißt es.

Wittenberg folgen ab 16.50 Uhr La Partyzipation und die Magical Creatures. Ihnen schließen sich die Forkupines an: drei junge Männer, die mit Einflüssen aus Punkt, Pop und Emo, Harmoniegesang und Reibeisenstimme ihre Vielfalt unter Beweis stellen. „Wären Mixtapes noch ein Ding, könnten Tracks wie die Popnummer ,The Good Fight‘ oder der perfekte Rausschmeißer ,Stay the Night‘ sich große Chancen ausrechnen, mit klopfenden Herzen verschenkt zu werden“, erklärt die Truppe. Am 8. Juni geht es ihnen darum, im Sinne der Festival-Agenda aufzutrumpfen – mit Musik, die gehört, geliebt und gefeiert werden soll.

Auch Thore Wittenberg will ein Zeichen gegen rechte Gesinnung setzen. 

Zwar schließt Jinx gegen 23 Uhr die Bude ab, von 20.10 bis 21.40 Uhr sind aber alle Augen und Ohren auf eine beondere Band gerichtet: ZSK. Nach ihrer Gründung im Jahr 1997 spielten sie ihre ersten Konzerte in linken Jugendzentren, besetzten Häusern und auf Skateboard-Events. Neben rund 300 Auftritten in neun Ländern überzeugten ZSK auch etablierte Namen von sich und ihrer Agenda. Sie spielten als Vorband der Donuts und der Toten Hosen und tourten unter anderem mit der Bloodhound Gang. 2007 erschien ihre erste Live-DVD mit dem bezeichnenden Titel „Wenn so viele schweigen, müssen wir noch lauter schreien“. Zwar löste sich die Band im selben Jahr nach dem Abschiedskonzert im Hamburger Club „Übel und Gefährlich“ auf, seit 2011 stehen die Musiker aber wieder auf der Bühne.

Die bereits 2006 von ZSK gegründete Kampagne „Kein Bock Auf Nazis“ unterstützt derweil bundesweit Proteste gegen Rechts. „Allein im vergangenen Jahr gab es knapp 100 Infostände der Kampagne von Rock im Park und Hurricane bis zu den Tourneen von Broilers und Die Toten Hosen“, heißt es von Seiten der Gruppe.

Vor dem Weserbeatz fragen ZSK nun: „Was tun, wenn jedes Wochenende Flüchtlingsunterkünfte brennen und die AfD im Bundestag sitzt?“ Ganz genau: „Laut werden. Richtig laut werden!“ Sicher werden Joshi (Gesang und Gitarre), Ace (Gitarre), Eike (Bass) und Matthias (Schlagzeug) dabei kein Auge zudrücken und mit aller Leidenschaft gegen Rechts mobil machen.

Besucher des Weserbeatz können sich auf Infostände, Musik, Kabarett, Redebeiträge, Workshops und eine Foodtruckmeile auf dem Festivalgelände freuen. Der Eintritt ist außerdem kostenlos, merken die Veranstalter an. „Im Eingangsbereich werden Festivalbändchen gegen eine Spende verkauft, der Erlös fließt wiederum in das Festival.“ Parkplätze gibt es am Wesavi (Mühlentorsweg / Mindener Landstraße) sowie direkt bei der Festwiese an der Luise-Wyneken-Straße. Vom Nienburger Bahnhof geht man knapp 20 Minuten zu Fuß.

Die Hintergründe 

Hinter dem Projekt Weserbeatz steht ein generationsübergreifendes Netzwerk aus Nienburg und darüber hinaus. „Diverse Kooperationspartner arbeiten hier zusammen. Von eigenständigen Jugendgruppen über Vereine und Initiativen bis hin zu Gewerkschaften, die alle gleichberechtigt und auf Augenhöhe zusammenarbeiten“, schreiben die Veranstalter. Das Weserbeatz Open Air ist außerdem in die Kampagne „100 % Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus“ vom Runden Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt Nienburg eingebunden.

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