Wolfsberater: „Verantwortungslos“

Warnschilder im Loccumer Forst: Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Das überflüssige „h“ in dem Wörtchen „stehts“ ist nicht der einzige Fehler auf diesem Schild. Auch Martin Fitschen hat rein gar nichts mit der Aktion zu tun.
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Das überflüssige „h“ in dem Wörtchen „stehts“ ist nicht der einzige Fehler auf diesem Schild. Auch Martin Fitschen hat rein gar nichts mit der Aktion zu tun.

„Achtung! Der Klosterwald ist Wolfsgebiet!“ Warnungen wie diese lassen sich aktuell auf Schildern im Loccumer Forst lesen. Außerdem gibt es Tipps zum richtigen Verhalten, sollte man einem Wolf begegnen. Und auch die Kontaktdaten von Wolfsberater Martin Fitschen sind aufgeführt. Nur weiß der von nichts: „Diese Schilder sind von keiner offiziellen Stelle beauftragt und dort ohne Absprache von Unbekannten platziert worden“, so Fitschen.

Rehburg-Loccum – „Nicht nachvollziehbar und verantwortungslos“ nennt Wolfsberater Martin Fitschen die Warnschilder-Aktion. So etwas schüre nur unnötigerweise Unsicherheiten und Ängste. Wenn es tatsächlich Anlass für Warnungen gebe, würden diese von offizieller Seite, zum Beispiel vom Landkreis, der Polizei oder der Forstverwaltung mit entsprechendem Verweis auf die jeweilige Behörde und einem grundsätzlich anders lautendem Text ausgehängt, erklärt der Wolfsberater. „Dass mein Name mit Telefonnummer angegeben wurde, ist natürlich auch sehr ärgerlich und sorgt sicherlich bei einigen für Verwirrung. Grundsätzlich bin ich gar nicht befugt, derartige Aktionen zu initiieren.“

Für das Aufstellen oder Aufhängen von Schildern und Plakaten auf öffentlichem Grund braucht es eine Genehmigung der Kommune, Stadt oder Gemeinde, erklärt Andrea Kempin von der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg. Durch das Anbringen des Warnschildes könnte der Verursacher ordnungswidrig gehandelt haben. Ein Verstoß könnte ein Bußgeld nach sich ziehen.

Warnschilder im Loccumer Forst: Bußgeld könnte drohen

Wie jedoch Martin Franke, Bürgermeister der Stadt Rehburg-Loccum, mitteilt, habe er lediglich Kenntnis von einem Schild, das nicht auf öffentlichem Grund, sondern in privaten Forstflächen – im Klosterwald – angebracht wurde. Genannte Genehmigungsverfahren seien deshalb nicht erforderlich.

Wolfssichtungen im Landkreis Nienburg gibt es immer mal wieder. Symbolfoto: Lino Mirgeler/dpa

Bußgeld könnte dem unbekannten Verursacher aber dennoch drohen. Andrea Kempin: „Die Veröffentlichung einer privaten Handynummer mit Namensnennung könnte grundsätzlich einen datenschutzrechtlichen Verstoß gegen Art. 6 DSGVO darstellen und bußgeldbewährt sein. Da die Handynummer von Herrn Fitschen unter anderem auf der Homepage des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz unter der Liste der Wolfsberaterinnen und -berater inklusive Namensnennung öffentlich einsehbar ist, wäre allerdings zu prüfen, ob in diesem Fall überhaupt ein Verstoß vorliegt.“

Verstärkt Wölfe im Loccumer Forst unterwegs?

Wirklich korrekt ist das Aufhängen des Schildes also nicht, genauso wenig wie die Orthografie des Verfassers. Doch wie sieht es mit dem Inhalt aus, der den Klosterwald zum Wolfsgebiet deklariert? Sichtungen von Wölfen im Landkreis Nienburg gibt es immer mal wieder, erklärt Fitschen. Dass speziell im Loccumer Forst verstärkt Wölfe unterwegs seien, könne so nicht bestätigt werden. Im gesamten Landkreis könnten jederzeit sporadisch Wölfe auftauchen. Es ist anzunehmen, dass die Tiere des Rehburger Rudels auch mal im Loccumer Forst unterwegs sein können, da er in deren Territorium liegt, so Fitschen.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Nienburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

„Latente Ängste vor Wölfen in Teilen der Bevölkerung darf man nicht einfach ignorieren. Man muss sie ernst nehmen und durch eine sachliche Aufklärung dazu beitragen, den Betroffenen unbegründete Angst zu nehmen. Seit der natürlichen Rückkehr von Wölfen nach Deutschland, mittlerweile circa 20 Jahre, hat es keine Begegnungen oder Vorfälle gegeben, bei denen Menschen körperliche Schäden davongetragen haben“, erläutert Martin Fitschen. Grundsätzlich bitten die Wolfsberater darum, Sichtungen und ähnliche Vorfälle zu melden.

Kontakt: Martin Fitschen, Mobil: 0174-6610846, martinfitschen@freenet.de

Verhalten bei einer Wolfsbegegnung

Was ist zu tun, sollte man tatsächlich einem Wolf begegnen? Das niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz empfiehlt Folgendes: Wenn Sie einem Wolf begegnen, bewahren Sie Ruhe. Beobachten Sie ihn und fotografieren ihn, wenn es die Situation zulässt. Sobald er Sie bemerkt, zieht er sich in der Regel zurück, Wölfe sind vorsichtige Tiere. Nähern Sie sich auf keinen Fall einem Wolf, der ein Tier gerissen hat. Junge Wölfe sind allerdings neugierig und agieren oft weniger vorsichtig als erwachsene Tiere, manchmal sogar dreist. Sollten Sie sich in der Anwesenheit eines Wolfs unwohl fühlen, können Sie Folgendes tun:

•Machen Sie sich bemerkbar durch Reden, Rufen und/oder In-die-Hände-Klatschen.
•Zeigen Sie dem Wolf durch beherztes Auftreten, dass Sie die Situation unter Kontrolle haben.
•Entfernen Sie sich dabei langsam und ruhig, immer mit dem Gesicht zum Wolf.
•Laufen Sie nicht weg, denn das kann Verfolgung auslösen!
•Sollte sich Ihnen der Wolf dennoch nähern, gehen Sie mit Bestimmtheit auf ihn zu, machen Sie Lärm und werfen Sie nach Möglichkeit mit Steinen oder Stöcken nach ihm.
•Der Einsatz von Pfefferspray ist zur Abwehr ebenfalls sehr wirksam.
•Sind Sie mit einem Hund unterwegs, lassen Sie ihn zu seinem eigenen Schutz nicht von der Leine, sondern behalten Sie ihn nahe bei sich.
Anschließend melden Sie den Vorfall dem nächsten Wolfsberater oder direkt der Landesjägerschaft Niedersachsen: Telefon: 0511/530430.
Weitere Infos sind online verfügbar.

Podcast: Experte gibt Tipps für Wolfsbegegnung

Bei „Kreis und Quer“, dem Podcast der Mediengruppe Kreiszeitung, geht es ebenfalls um das schwierige Verhältnis zwischen Mensch und Wolf. Neben zwei Schäfern, dem Landvolk und Umweltminister Olaf Lies äußert sich auch Wolfsberater Dr. Marcel Holy zum Thema - und gibt Tipps, wie man sich bei einer Wolfsbegegnung am besten verhält.

Die Folge „Wird der Wolf zur Plage?“ gibt es ab sofort bei YouTube, Spotify, Apple Podcast und direkt hier im Artikel.

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