Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Tatort Stadion 2“

Ronny Blaschke packt über Rassismus im Fußball aus

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Ronny Blaschke, Autor des Buches „Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis und Hooligans den Fußball missbrauchen“, stellt seine Erkenntnisse in einem Vortrag dar.

Nienburg - Von Vivian Krause. Nazis missbrauchen den Fußball – so die Feststellung von Autor Ronny Blaschke im Jugendhaus Nienburg. Dort referierte er über Diskriminierung durch Neonazis in der Fußballszene. Trainer aus dem Landkreis trennten sich nach etwa einer Stunde mit dem Ziel, für das Thema zu sensibilisieren.

Fast 50 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass zu viele Ausländer in ihrem Land leben würden, mit dieser Zahl steigt der Autor Ronny Blaschke in seinen Vortrag ein. Ein Beweis dafür, dass Rassismus allgegenwärtig und nicht etwa eine Randerscheinung ist, wie viele fälschlicherweise denken, fährt Blaschke fort.

Auch gäbe es die Ansicht, dass Fußball ein Spiegel der Gesellschaft wäre. „Nein“, sagt Blaschke. Denn: „Es ist ein männlicher und emotional aufgeladener Sport.“ Auch der Blick in die Runde der Zuschauer zeigt, Frauen sind im Fußball noch immer nicht so stark vertreten, die Stuhlreihen sind ausschließlich mit männlichen Teilnehmern besetzt.

Früher wurden dunkelhäutige Spieler auf dem Feld mit Affengeräuschen erniedrigt, heute halten Nazis Banderolen mit Aufschriften wie „Hallo Kanaken“ hoch oder bilden in den Rängen ein menschliches Hakenkreuz. Mit solchen Beispielen verdeutlicht der Autor, dass Rassismus präsent ist. Er betont aber auch, dass Fußball nicht nur im Stadion stattfindet. So bilden sich Fanprojekte oder Jugendclubs mit rechtem Gedankengut. Als größtes Mittel zur Vernetzung der rechten Szene sieht Blaschke das Internet.

Wiederholt legt der Moderator das Augenmerk auf die Jugendlichen. Diese behaupten einfach, sie seien rechts, aber bei der Frage nach dem „Warum?“ hätten sie überwiegend „ganz dünne Argumente“. Doch bei 25 000 Rechtsextremen muss vor allem in der Fußballszene sensibilisiert werden, unterstreicht Blaschke: „Fußball müsste politisch neutral sein und darf keine Neonazis dulden“.

Als extremes Beispiel nennt der Journalist neben der HoGeSa-Demo (Hooligans gegen Salafisten) in Köln (2014), die gezeigt hat, „was da alles so existiert in unserem Land“, auch das Beispiel vom DFB-Schiedsrichter aus der Kreisliga, Stephan Haase. Dessen Hintergrund: NPD-Mitglied, ehemaliger Betreiber eines Vertriebs für Rechtsrock und vorbestraft, klärt Blaschke das Publikum auf. „Die Satzung lässt es nicht zu, ihn rauszuwerfen.“ Daher der Appell an alle: Informieren. So könne zumindest jeder selbst entscheiden, ob er von diesem Schiedsrichter gepfiffen werden möchte.

Schockierend auch, dass Neonazis, die kein Stadion mehr besuchen dürfen, anderweitig in Erscheinung treten, so beispielsweise als Trainer oder Sicherheitspersonal bei Veranstaltungen, so Blaschke.

Generell sei es schwer geworden, Neonazis zu identifizieren, denn „sie verstecken ihre Botschaften“. Und zwar in Symbolen und Codierungen. Blaschke erwähnt nur ein paar, verweist aber auf eine Broschüre, in der sie allesamt gelistet sind. Zusammenfassend hält er fest: „Nazis lassen sich nicht mehr leicht erkennen. Daher muss man wachsam sein und früh mit den Leuten reden.“

Der Meinung sind auch die Anwesenden. Das Wichtigste sei die Prävention. So solle man rassistische Äußerungen vom Spielfeldrand unterbinden oder geheime Botschaften auf Trikots entschlüsseln, kommen Beispiele aus den Zuhörer-Reihen.

Besonders positiv hervor hob Stefan Gilster, Leiter der städtischen Einrichtung Jugendhaus und DFB-Stützpunkt-Trainer, das Interesse von etwa 20 Trainern aus dem Landkreis. Wenn beim Thema Fußball Leute zusammen kommen, ohne dass ein Ball im Spiel ist, sei das ein Schritt in die richtige Richtung.

Der Vortrag war angeknüpft an die Ausstellung „Tatort Stadion 2“, welche sich – wie bereits berichtet – ebenfalls mit dem Thema Rassismus im Fußball beschäftigt und noch bis Freitag im Rathaus Nienburg zu sehen ist.

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