Vortrag und Ausstellung gegen Rechtsextremismus

Nach außen wirken sie häufig harmlos

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Die Reihen waren voll beim Vortrag von Marcus Laube “ in der BBS-Aula.

Nienburg - Von Nikias Schmidetzki. Der Name mag irritieren, und so hatte Birgit Krämer auch in einer Einladung an Kollegen appelliert: „Nicht löschen, erst lesen!“. Mit der „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ setzten sich am Freitag mehr als 200 Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) auseinander.

Birgit Krämer ist Sozialarbeiterin der BBS und hatte gemeinsam mit der Gruppe „Against Racism“ zum Projekttag eingeladen. Zusätzlich steht in der Aula der Schule noch bis zum Donnerstag die Ausstellung „PerspektivWechsel“. Darin können sich Besucher über Gruppen, die sich gegen Diskriminierung stark machen, informieren.

Den Auftakt bildete aber zunächst der Vortrag von Marcus Laube aus Celle. Auch er ist Sozialarbeiter und befasst sich mit rechten Strukturen. Was er präsentierte, waren Geschichten, mit denen er tatsächlich zu tun hatte.

Biografien von Jugendlichen, die zu Nazis wurden, die den Weg zurück fanden und von Organisationen, die versuchen, junge Menschen von sich zu überzeugen. Das waren die Punkte, mit denen Laube auf die Zuhörer zuging.

Filmchen waren es, Clips, mit denen rechte Organisationen ganz gezielt für sich zu werben versuchten. Und so makaber der Titel klang, so passend war er doch: Als eine Art „Erlebniswelt“ präsentieren jene Gruppen ihr Milieu.

Da war die Geschichte von Kevin, einem Jugendlichen, der als Nazi gewalttätig geworden war. Sein Weg führte ins Gefängnis und später raus aus der Szene. Er studierte später, war ein kluger Kopf, betonte Laube immer wieder. Und das sei bei vielen derer, die junge Menschen für den Rassismus gewinnen wollen so, erklärte der Experte. „Die sind nicht alle dumm“, betonte er. Im Gegenteil: Viele seien sogar ziemlich intelligent und wüssten daher genau, mit welchen Mitteln sie Stimmung gegen Ausländer und für ihre Zwecke machen können.

Die mittlerweile verbotene Gruppe „Besseres Hannover“ war Zentrum eines weiteren Kapitels. Es waren keine offensichtlichen Nazis mit Glatzen und Springerstiefeln. In ihren Filmen mobilisierten sie gegen die Verödung einzelner Stadtteile. Eine andere Aktion brachte Mitglieder der Gruppe auf den Weihnachtsmarkt, um dort als Weihnachtsmänner verkleidet neben Keksen auch Flugblätter zu verteilen. „Sie nutzen Mittel, die von niemandem für schlecht gehalten werden“, erklärte Laube. Das galt auch und im Besonderen für den „Abschiebär“, einen auf den ersten Blick knuddeligen Teddy, der es sich zum Auftrag gemacht hatte, Ausländer abzuschieben. Gleich mehrere entsprechende Videos zeigte Laube.

Zwischendurch sprach er mit den Schülern. Die Reaktionen waren gemischt. Einige konnten nachvollziehen, warum sich Jugendliche von Bildern und der musikalischen Untermalung angesprochen fühlen. Eine andere fand es „einfach bescheuert.“

Über Aktionen über Engagement informieren Stelltafeln.

Das war das Ziel der Aktion. Aufrütteln und Informieren will „Against Racism“, eine eigenständige Gruppe, die Unterstützung vom Weser-Aller-Bündnis WABE bekommt. Ihre Mitglieder informierten im Anschluss an den Vortrag und hatten verschiedene Broschüren dabei. Sie selbst hatten zum Teil schon Stress mit Nazis, wollen gerade deswegen aktiv bleiben. Denn ein Trend zur rechten Bewegung sei nicht nur bundesweit, sondern auch im Kreis Nienburg zu beobachten. Organisationen wie Pegida, aber auch die AfD nennt die Gruppe explizit. Die Ausstellung selbst umfasst die Themengebiete „Neonazismus/Autonome NationalistInnen“, Flucht und Asyl, Antiziganismus (Abneigung gegen Sinti und Roma), Sexismus, aber auch den Konflikt in Syrien und im Irak sowie ungleiche Bildungschancen. Gerne vermittelt die Gruppe die Ausstellung auch an andere Schulen. Am besten erreichbar sind die Mitglieder per E-Mail an die Adresse against-racism-nienburg@gmx.de.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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