Sohn tötet Vater

„Von dem Kopf war nichts mehr übrig“

Verden / Rehburg - „Aufgabe des Angeklagten als ausgebildeter Rettungsassistent war es, Leben zu retten. Er hat in beispielloser Brutalität seinem eigenen Vater das Leben genommen“, so leitete Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt gestern ihr Plädoyer ein. Während sie in dem Verdener Landgerichtsprozess eine Verurteilung des 39 Jahre alten Angeklagten aus Rehburg zu zehneinhalb Jahren Haft wegen Totschlags forderte, beantragte Verteidigerin Daniela Post einen Freispruch wegen Schuldunfähigkeit.

Kein Zweifel besteht an der Täterschaft des Angeklagten. Er hat gestanden, am 28. Januar 2016 in Rehburg-Loccum seinen 63 Jahre alten Vater getötet zu haben. Zur Überzeugung der Staatsanwältin hat der Angeklagte zunächst mit einem Messer die rechte Rippe des Opfers durchstochen. Diese Verletzung habe der Rentner noch 20 bis 30 Minuten überlebt. Bis zum finalen Erschlagen mit einem 15 Kilo schweren Stein seien dem Opfer insgesamt sechs Stiche zugefügt worden. Weiter sei mit einem Locher und einem Mörser auf den Mann eingeschlagen worden und minutenlang habe der Angeklagte versucht, seinen Vater zu strangulieren.

„Wir haben ganz erhebliche Abwehrverletzungen. Vieles hat das Opfer miterlebt“, so Marquardt. Am Ende stand der Wurf des Steins. „Von dem Kopf war schlicht nichts mehr übrig“, so die Staatsanwältin. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, betonte die für Kapitalverbrechen zuständige Staatsanwältin mit Blick auf die gesamte Brutalität. Im Oberkörper sei so ziemlich alles gebrochen gewesen. Nur eine Rippe war ohne Fraktur. „Dieses Tatgeschehen zeigt eine extreme Rohheit“, betonte Marquardt.

Beide Juristinnen gingen in ihren Plädoyers auf die extrem schwierige Vater-Sohn-Beziehung ein. Es bestand ein langjähriger Konflikt. Spätestens seit 2008 habe bei dem Angeklagten eine Abhängigkeit von Amphetaminen bestanden. Dadurch habe sich seine Persönlichkeitsstruktur verändert. In den Tagen vor der Tat muss der 39-Jährige massiv konsumiert haben. Über eine Blutprobe konnte ein Wert von 1000 ng/ml zum Tatzeitpunkt errechnet werden. Bei 25 Nanogramm wird bereits von Beeinflussungen im Straßenverkehr ausgegangen.

Den Ausführungen eines Sachverständigen folgend ließ die Staatsanwältin zu Gunsten des Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit gelten. Es sei aber keine Affekt-Tat gewesen. Beides sieht die Verteidigerin anders.

„Drogen haben ihn zum Tier werden lassen“

Die Rechtsanwältin sprach von einer Tragödie. „Die Drogen haben ihn zum Tier werden lassen.“ Ihr Mandant habe im Affekt gehandelt, seine Einsichts- und Steuerungsfähigkeit sei dabei aufgehoben gewesen, womit er schuldunfähig war.

Sollte das Gericht dies anders sehen, sei die Tat als „Totschlag im minderschweren Fall“ zu werten. „Eine bizarre Überschrift“, merkte Post an und betonte, dass damit nicht die Tathandlung gemeint ist. Berücksichtigung findet dabei, dass ein Totschläger beispielsweise „zum Zorn gereizt“ wird.

Staatsanwältin und Verteidigerin sprachen sich übereinstimmend im Fall einer Verurteilung für die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt aus. „Ich werde mir die Tat nie verzeihen“, sagte der Angeklagte. Er habe der gesamten Familie Trauer, Leid und Unglück gebracht.

wb

Das Urteil: Achteinhalb Jahre Haft

Rubriklistenbild: ©  dpa

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