Als Nachwuchs-Journalistin zum Zukunftstag in die Akademie

„Von Beruf: Bücherwurm“

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Beim Tischdecken haben Samantha, Paula und Leana (v.l.) viel Spaß – auch mit den Haarnetzen, die sie tragen müssen.

Rehburg-Loccum - Von Lowis Kaßing und Beate Ney-Janßen. Mit dem „Girl’s Day“ hatte 2001 alles begonnen. Damals sollten insbesondere Schülerinnen an einem Tag pro Jahr die Chance bekommen, in Berufe hineinzuschnuppern. Aus dem „Girl’s Day“ ist nun schon seit etlichen Jahren der Zukunftstag geworden. Jungen und Mädchen ab der fünften Klasse können sich für diesen Tag eine „Arbeitsstelle“ suchen und viele Berufe hautnah erleben. In Rehburg-Loccum wollte Lowis Kaßing gestern erfahren, wie das denn so mit dem Journalisten-Beruf ist.

Elf Jahre alt ist Lowis, tanzt in ihrer Freizeit Modern-Dance und spielt Klavier, besucht in Nienburg die sechste Klasse des Marion-Dönhoff-Gymnasiums und ist neugierig auf einen Tag mit Stift, Block und Kamera. Es ist der zweite Zukunftstag, den sie mitmachen darf. 2015 ist sie gemeinsam mit einer Hebamme unterwegs gewesen. Nun will sie etwas ganz anderes erleben.

Um ihren „Arbeitsplatz“ für diesen Tag hat sie sich bereits vor einem Jahr bemüht. Wie das so ist als Journalistin, wollte sie erleben – und hat dafür im Vorfeld schon etliche Informationen von ihrer „Kollegin“ bekommen. Einen Artikel schreiben, über dem auch ihr Name steht, sollte die Aufgabe für den Tag sein. Und was passt dann besser, als am Zukunftstag andere Schüler an ihren jeweiligen Arbeitsstellen zu besuchen?

Das Ziel für Lowis war die Evangelische Akademie Loccum, in der sich drei weitere Mädchen – Samantha, Leana und Paula – zu einem Arbeitstag angemeldet hatten. Was Lowis erlebt hat, schreibt sie hier:

„Hier haben wir das Kuh-Fernsehen!“ Simone Schad-Smith geht voran über die Galerie der Evangelischen Akademie Loccum. Das Kuh-Fernsehen, auf das sie hinweist, spielt sich vor den Fenstern der Galerie ab, denn dort grast gemütlich eine Herde Kühe mit Kälbern auf der Weide. Dahinter ist das Kloster Loccum zu sehen. Hoch streckt sich der Dachreiter des Klosters in den Himmel. Auf diesen Dachreiter wollen Samantha, Paula und Leana zu späterer Stunde noch steigen. Das soll der Höhepunkt ihres Tages sein – hoch hinaufsteigen an einen Punkt, den ansonsten kaum jemals jemand besuchen darf.

Einiges haben die drei Mädchen aber vorher schon erlebt und sehr früh sind sie am Zukunftstag an ihrem Arbeitsplatz erschienen. Schon um 7 Uhr haben sie sich in der Küche gemeldet, um das Essen für die Tagungsgäste vorzubereiten.

Wir haben uns nicht so früh auf den Weg gemacht. Für uns beginnt der Arbeitstag erst um 8.30 Uhr mit dem Frühstück in der Akademie. Dabei erzählen uns die drei Mädchen, was sie schon erlebt haben. „161 Teller habe ich eingedeckt“, berichtet Samantha. So viele Tagungsgäste sind momentan im Haus. Beim Frühstück bespricht Simone Schad-Smith den weiteren Ablauf des Tages. Sie betreut an diesem Tag die drei Mädchen. Ihre eigentliche Arbeit in der Akademie ist die einer Studienleiterin – Schad-Smith richtet Tagungen aus, die sich in erster Linie an Schüler wenden.

An diesem Tag stellt sie den Mädchen aber viele Berufe vor, die in der Akademie ausgeübt werden. Vom Frühstück geht es direkt zu Heike Springborn. Sie ist eine der Sekretärinnen im Haus und erklärt, wie Adressen verwaltet werden, welchen Service die Referenten bekommen und wie die Gäste im Haus aufgenommen werden.

„Behinderte Menschen nicht ausgrenzen“ – das ist das Thema der deutsch-polnischen Tagung von Susanne Benzler, in die die drei Mädchen anschließend hineinschnuppern dürfen. Durch Singen und Tanzen wird die Tagung aufgelockert. Spannend ist, dass die Teilnehmer der Tagung teilweise Deutsche, teilweise aber auch Polen sind – und sich verstehen können, weil in einem Nebenraum eine Frau sitzt, die alles übersetzt, was gesprochen wird. Hören können die Teilnehmer das über Kopfhörer, die sich jeder nehmen kann.

Dass viele der Gäste in der Akademie aus anderen Ländern kommen, erzählt auch Akademiedirektor Stephan Schaede, der zu einem Kakao in sein Arbeitszimmer eingeladen hat. Aus Afrika, aus Syrien, aus vielen anderen Ländern der Welt kämen Gäste, sagt er. Wir vier Mädchen schauen alle erstaunt auf die riesigen Bücherregale in seinem Büro. Voll gestopft sind die mit Büchern, Akten und Papieren. Ein wildes Durcheinander. Auf die Frage, was denn der Beruf von Schaede sei, meint Leana: „Von Beruf: Bücherwurm.“ Das stimmt nicht ganz, wie er erzählt. Bücher hätte er zwar viele, von Beruf sei er aber Theologe.

Für uns ist es nach diesem Gespräch höchste Zeit, an den Schreibtisch zu gehen. Samantha, Paula und Leana wollen nun auf den Dachreiter steigen. Damit unser Artikel zu diesem Zukunftstag schnell geschrieben wird, verabschieden wir uns. Vorher fragen wir aber noch, wie die Mädchen denn zu diesem „Arbeitsplatz“ gekommen sind. Samanthas Vater, erzählen sie, habe bei Simone Schad-Smith nachgefragt, als er in deren Haus eine Treppe einbaute. Einen Lieblingsberuf hatten die drei zu diesem Zeitpunkt für sich selbst in der Akademie noch nicht gefunden – aber ihnen standen schließlich noch einige Stunden Arbeit an verschiedenen Stellen bevor.

Diese Geschichte vom gestrigen Zukunftstag steht stellvertretend für alle anderen Aktionen, die auf dieser Seite nicht vollzählig und zeitnah erscheinen könnten. Wir bitten um Verständnis.

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