Versuchter Mord in Nienburg: Es verbleibt lediglich ein Angeklagter

Vierfacher Freispruch

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Für vier Angeklagte endete der Prozess am Montag mit einem Freispruch.

Verden/Nienburg - Von Wiebke Bruns. Der Auftrag zur Tötung eines Nienburger Geschäftsmannes im Dezember 2014 kam aus dem Umfeld der Familie, davon ist die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Verden überzeugt. Doch es gibt keine Beweise für den versuchten Mord und somit endete der unter hohen Sicherheitsvorkehrungen geführte Prozess am Montag mit einem Freispruch für vier der fünf Angeklagten aus Nienburg und Hoya. Der fünfte muss sich weiter vor Gericht verantworten.

Die Anklage stützte sich auf die Aussage des fünften Angeklagten, einen 33-Jährigen aus Garbsen. Der gebürtige Rumäne hatte behauptet, dass ihm der Angeklagte Mustafa B. den Auftrag erteilt habe, den zum Tatzeitpunkt 47-Jährigen zu töten. Dieser hatte eine Affäre mit der Schwiegertochter von Mustafa B.. Ebenfalls angeklagt war Ragip B. als Ehemann der Frau sowie ihr Vater Adnan T. und ihr Bruder Umut T.. Doch für deren Tatbeteiligung beziehungsweise moralische und finanzielle Unterstützung hatte das Gericht keine Beweise.

Über mehrere Verhandlungstage war der Garbsener befragt worden, doch von den anderen Angeklagten, die alle beharrlich geschwiegen hatten, kam einer nach dem anderen auf freien Fuß. Schließlich nahm der 33-Jährige, der sich zunehmend unglaubwürdig gemacht hatte, sein Geständnis komplett zurück und der Weg für seine Mitangeklagten zum Freispruch war frei. Die Abtrennung des Verfahrens und das gestrige Urteil waren die Konsequenz.

Staatsanwaltschaft und Gericht zeigten sich in ihrem Plädoyer beziehungsweise der Urteilsverkündung davon überzeugt, dass Nicolae S. in Tötungsabsicht am Abend des 7. Dezember dem Geschäftsmann vor dessen Geschäft aufgelauert und aus nächster Nähe zwei Schüsse auf den verheirateten Mann abgefeuert hat. „Fest steht auch, dass die Liebesbeziehung der Grund war. Es ging bei diesem Anschlag darum, die Familienehre wieder herzustellen“, so die Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt.

„Der Auftrag kam aus dem Umfeld der Familie der Frau. Es konnte aber nicht festgestellt werden, in welcher Art und Weise die vier Angeklagten daran beteiligt gewesen sind“, hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung. Für eine Verurteilung muss jedoch die konkrete Art der Beteiligung festgestellt werden, verdeutlichte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk die Schwierigkeit des Verfahrens.

Der Geschäftsmann, der die Tat überlebt hat, ist auf Grund schwerer psychischer Folgen nicht in der Lage, vor Gericht auszusagen. Seine Geliebte lebt wieder mit ihren Kindern bei ihrer Familie und hatte die Aussage vor Gericht verweigert.

„Es ist kein Freispruch wegen erwiesener Unschuld“, betonte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Gefolgt worden sei dem Grundsatz: Im Zweifel für die Angeklagten. „Soweit die Öffentlichkeit der Ansicht ist, dass sei unbefriedigend – auch der Kammer geht es so. Die Kammer findet es sehr unbefriedigend“, betonte Stronczyk.

Für die mehrmonatige Untersuchungshaft werden alle vier Angeklagten finanziell entlastet. Der Prozess gegen den fünften Angeklagten geht am 19. Januar weiter.

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