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Vandalismus im Klosterwald

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Noch überlegt Karsten Sierk, ob er die Brücke auf dem Wiedensähler Kirchsteig im Loccumer Klosterwald über die Fulde reparieren lassen soll.
Noch überlegt Karsten Sierk, ob er die Brücke auf dem Wiedensähler Kirchsteig im Loccumer Klosterwald über die Fulde reparieren lassen soll. © Ney-Janßen

Loccum – Vandalen haben in Loccums Klosterforst zugeschlagen und eine Brücke über die Fulde zerstört. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ärgert das Klosterförster Karsten Sierk besonders. „Wir überlegen ernsthaft, ob wir die Brücke nicht demontieren sollen“, sagt Sierk. Er steht an der Fulde, dem Bach, der durch den Klosterforst mäandert. Die Brücke, um die es geht, führt Wanderer vom Kloster zur Lucca-Burg und bei Bedarf noch sehr viel weiter.

„Das hier ist der historische Wiedensähler Kirchsteig“, sagt Sierk. Ein gern genutzter Weg, insbesondere in den Sommermonaten, wenn das Laubdach Schatten spendet und die Hitze erträglich macht. Doch die Brücke hat kein Geländer mehr. Mit brachialer Gewalt ist es abgerissen worden. Einige Hölzer liegen im Wald, andere sind in den Bach geworfen worden. Auf den Kosten für die Reparatur bleibe das Kloster sitzen, sagt der Förster.

In guten Jahren, wenn der Forst ordentlichen Ertrag abwirft und einen erheblichen Anteil zur Finanzierung des Klosters beiträgt, dann tue solch eine Reparatur nicht so weh. Die guten Jahre sind nach seiner Ansicht aber vorbei.

Sorgenvoll wirft er Blicke in die Baumkronen und zeigt auf trockene Blätter in den oberen Regionen. Auswirkungen der vergangenen trockenen Sommer, Auswirkungen dieses zu regenarmen Jahres. Selbst direkt neben der Fulde ist es viel zu trocken, und wenn Sierk sich umschaut, entdeckt er immer wieder Bäume mitten im Grün, die bereits tot sind.

Er und sein Team haben in diesen Wochen alle Hände voll zu tun, allein die abgängigen Bäume zu fällen, die nah an dem weitverzweigten Wegenetz im Klosterforst stehen. Die Verkehrssicherheit muss schließlich gewährleistet werden.

Auf ein Alter von 150 bis 160 Jahren schätzt er eine Buche am Wegrand, an der einige mächtige Äste bereits trocken sind. Sie wird wie viele andere der Säge zum Opfer fallen müssen. „Die Buchen leiden besonders“, erklärt er. Eichen, mit ihren tief ins Erdreich führenden Wurzeln, hätten momentan noch größere Chancen. Buchen machten aber einen erheblichen Anteil der Bäume im klostereigenen Wald aus: Die Hälfte des Forstes besteht aus Laubbäumen, davon sind rund 80 Prozent Buchen. Zwei weitere solcher Jahre, meint Sierk, dann sei der Forst nachhaltig und irreparabel geschädigt und selbst Laien würden deutlich die Auswirkungen erkennen.

Abgesehen von den ökologischen Schäden am Wald, bedingt durch den Klimawandel, lässt sich das Holz der Buchen kaum noch verkaufen. Der wirtschaftliche Schaden ist also schon jetzt beträchtlich. Was Sierk wieder dazu bringt, darüber zu sinnieren, ob das Kloster es sich leisten kann, eine demolierte Brücke zu reparieren – die nicht der einzige Fall von Vandalismus ist.

Auch an dem Rohr, das einen anderen Bach in den von Seerosen gekrönten Backteich plätschern lässt, sind Hölzer abgerissen worden. Dem Waldboden in dem FFH-Gebiet schadet es außerdem, dass sich dort Mountainbiker Pisten und Rampen bauen. Für diese überwiegend jungen Leute wünsche er sich eine andere Lösung, einen anderen Platz, an dem sie ihrem Hobby nachgehen könnten, betont er. Von Aufklärung abgesehen, wenn er solchen Gruppen begegnet, hat er bislang nichts unternommen. Aber auch solche Zerstörungen treiben ihn in seiner Sorge um das Öko-System Wald um.

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