Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast in Trinkwasserschutzgebiet Drakenburg

Gemeinsam handeln für mehr Trinkwasserschutz

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast steht auf einer Wiese in Drakenburg und spricht mit Frank Schmädeke (l.; MdL) und Joachim Oltmann.
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Wollte sich vor Ort ein Bild der Lage machen: Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast war gestern in Drakenburg und diskutierte mit Frank Schmädeke (l.; MdL) und Joachim Oltmann am Messbrunnen.

Ein Messbrunnen im Trinkwasserschutzgebiet Drakenburg sorgte dafür, dass der Grundwasserkörper zwischen Aller und Weser bis nach Verden zum roten Gebiet in punkto Nitratbelastung wurde. Nun wurde dieser Brunnen bei den Gebietskulissen der roten Gebiete herausgenommen. Er ist für die Messungen offenbar gar nicht geeignet.

  • Einer von elf Messbrunnen im Raum Drakenburg ist offenbar ungeeignet, um Nitratwerte verlässlich zu ermitteln
  • Das hatte Folgen für die Landwirte: Sie müssen 20 Prozent weniger düngen.
  • Otte-Kinast wirbt für Kooperationen beim Trinkwasserschutz

Drakenburg - Besagter Messbrunnen beschäftigte auch die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU), die ihn sich am gestrigen Donnerstag anschaute und sich beim Nienburger Landtagsabgeordneten Frank Schmädeke (CDU) darüber informierte. Dieser hatte die Überprüfung desBrunnens initiiert.

Dabei ist Otte-Kinasts Ressort gar nicht für das Messstellennetz zuständig. Das betreut der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als Teil des Umweltministeriums. Dennoch wollte die Ministerin wissen, was es mit dem Brunnen auf sich hat. Schließlich landen die Beschwerden der Landwirte, die ab sofort 20 Prozent weniger auf ihren Flächen düngen dürfen, auf ihrem Schreibtisch. „Seit Dezember haben wir im Ministerium 2 000 Briefe erhalten von betroffenen Betrieben“, sagte sie.

Oltmann: „Ist eigentlich ein Peilbrunnen“

Joachim Oltmann vom Nienburger Kreisverband der Wasserwirtschaft erläuterte die Lage. „Das ist eigentlich ein Peilbrunnen, mit dem wir sehen, wie sich die Fließrichtung des Grundwassers entwickelt. Der wurde mal errichtet für die Erschließung des Grundwassers“, sagte er.

Das Corpus Delicti: Frank Schmädeke zeigte den Messbrunnen, der offenbar für diese Aufgabe gar nicht geeignet ist.

Schmädeke ergänzte: „In den Brunnen kann auch leicht Oberflächenwasser fließen und die Messwerte total verfälschen. Alleine daher ist dieser Brunnen fachlich ungeignet.“ Zudem wies er auf den Wertverlust der Flächen hin, weil aufgrund dieses Brunnens in diesem Grundwasserkörper rund 30 000 Hektar betroffen seien, obwohl die anderen elf Messstellen alle unauffällig seien. „Auf einen Schlag werden so Flächen im Wert von rund 150 Millionen Euro verbrannt“, rechnete er hoch. Die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen lieferten durch 20 Prozent weniger Düngung auch weniger Ertrag und verlieren folglich an Wert. Anschließend demonstrierte Schmädeke, wie leicht durch den Deckel des Brunnens Oberflächenwasser eindringen könne. Die ganze Konstruktion ist ein Unterflurverschluss, der bei Bodenfeuchte volllaufen könnte. „Ich kann den Frust hier verstehen, wenn ich mir diesen Brunnen so anschaue“, sagte die Ministerin. Generell solle ein brauchbarer Ersatz für diesen Messbrunnen geschaffen werden. Als weiteres Mittel der Wahl nannte sie das digitale Meldesystem der Düngebilanzen ENI, womit jeder Betrieb mit seinem Stickstoffausbringungen erfasst werde und „schwarze Schafe“ auch schnell identifiziert und im Detail kontrolliert werden könnten.

Ministerin wünscht sich mehr Kooperationen

Außerdem brach sie eine Lanze für die Wasserschutzkooperationen im Land Niedersachsen. „Es kann nicht sein, dass die Politik die bestraft, die seit Jahren das Trinkwasser schützen und großes Vertrauen mit den Trinkwasserversorgern aufgebaut haben. Dann behalten wieder die Kollegen recht, die bei den Kooperationen nicht mitmachen“, betonte die Minsterin. Daher forderte sie, im Bereich der Wasserschutzkooperationen keine roten Gebiete auszuweisen.

Damit rannte sie bei Jörg Hatesaul, Sprecher der Drakenburger Trinkwasserkooperation, offene Türen ein. Auch sein Kollege Jürgen Meyer von der Stolzenauer Kooperation hatte zuvor auf die großen Erfolge des Trinkwasserschutzes hingewiesen, weil die Messwerte nur zwischen vier und 14 Milligramm Nitrat und im Durschnitt bei zehn Milligramm liegen würden. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter Grundwasser.

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