Tierphysiotherapeutin Renate Albrecht hat ihr Hobby zum Beruf gemacht

„Die wären schon tot, wenn es uns nicht gäbe“

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Sanfte Bewegungen nach rechts und links bilden einen Bestandteil der physiotherapeutischen Übungen auf dem Trampolin.

Binnen - Von Vivian Krause. Das Trampolin steht auf dem grünen Rasen und wartet auf den stämmigen Patienten. Bordeaux-Dogge „Hermine“ schaut ihr Frauchen fragend an. Mit einer einladenden Handbewegung fühlt „Hermine“ sich ermutigt.

Renate Albrecht wendet die Physiotherapie auch bei ihrer eigenen Bordeaux-Dogge „Hermine“ an.

Also stapft die Dogge auf das schwarze Trainingsgerät und lässt sich von Renate Albrecht sanft hin- und herwiegen. „Das ist schon die erste Übung“, beantwortet die Tierphysiotherapeutin einen fragenden Blick. „Ich habe im Leben zweimal mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Albrecht und lächelt. Das eine war der Sport. Diese Leidenschaft hat sie jahrelang als Sportlehrerin ausgeübt – bis vor sechs Jahren. Denn ein anderer Wunsch drängte immer weiter in den Vordergrund: Die Arbeit mit Hunden. „Dann habe mir den Lebenstraum erfüllt, den ich seit 1999 mit mir rumgetragen habe: Die Tierphysiotherapie erlernen“, erzählt Albrecht. Der Physiotherapeut für Tiere ist kein staatlich anerkannter Beruf. „Die Qualität schwankt gewaltig“, bedauert Albrecht. Der Grund: Jedes Ausbildungsinstitut hat seine eigenen Vorschriften. Es gibt keine einheitlichen Prüfungen.

Daher ist es in doppelter Hinsicht verwunderlich, dass die Tiere teilweise mehr geboten bekommen als die Zweibeiner. Albrecht selbst arbeitet in der Tierklinik Nienburg. Mit Blick auf die Ausstattung des Physiotherapie-Bereichs stellt Albrecht fest: „Das ist ein Stück weit Luxus.“ Diesen haben manche Menschen nicht. In dem Anbau stehen neben einem Unterwasserlaufband auch ein Flächenlaser, ein Akupunkturlaser, eine Liege, ein Gymnastikball sowie Wackelbretter. „Das wird für jeden Patienten maßgeschneidert“, so Albrecht.

Manche denken, „das brauchen wir nicht bei Tieren“ und stempeln die Arbeit als Hokuspokus ab. Vor allem, da Albrecht eine ganzheitliche Behandlung anbietet – also auch inklusive Techniken der Tierheilpraktik wie beispielsweise Homöopathie.

„Die großen Kliniken, die Knochen-Operationen machen, können gar nicht mehr ohne. Das gehört zum Standard dazu“, unterstreicht Albrecht. Auch appelliert die Tierheilpraktikerin an das Miteinander unter Tierärzten und Physiotherapeuten. Den Vorteil, in einer Praxis zu arbeiten, hat nicht jeder Physiotherapeut. Daher sei die Empfehlung an einen solchen seitens der Ärzte notwendig.

Wie sieht die Arbeit in der Praxis aus? Ein Hund hatte einen Kreuzbandriss und ist in einer Tierklinik operiert worden. Anschließend wird die Empfehlung zur Physiotherapie ausgesprochen. „Ich habe den Hund zuvor noch nie gesehen“, beschreibt Albrecht. Die Besitzer bringen den Befund mit. Dann wird der Hund untersucht und geschaut, ob er noch andere „Baustellen“ hat. „Dann lege ich los“. Damit meint die 53-Jährige das Ausarbeiten eines Behandlungsplans. Bei einem Kreuzbandriss sind im Schnitt zehn Behandlungen zwischen 30 und 60 Minuten angedacht. „Wir brauchen eine bestimmte Anzahl an Behandlungen, damit es auch greifen kann“, erklärt die ehemalige Sportlehrerin.

Hund und Halter bekommen Hausaufgabenzettel. So können sie die Physiotherapeutin unterstützen. Beispielsweise mit Massagen, mehr Bewegung oder einer Futterumstellung. „Ich leiste die Vorarbeit und dann sehe ich, ob die Besitzer einen guten Job gemacht haben“, sagt Albrecht und lächelt. Und weiter: „Viele sind da sehr engagiert und merken, dass es dem Hund dadurch besser geht.“

Die Halter sind froh über die Angebote und die damit verbundene zurückgewonnene Lebensqualität der Hunde. Insbesondere solche mit alten Hunden. „Die wären schon tot, wenn es uns nicht gäbe“, sagt Albrecht.

Die Beschwerden kommen aber keineswegs erst im Alter: Wenn ein Hund eine Fehlstellung hat, dann entwickelt die sich schon, wenn er laufen lernt. „Da hat er vielleicht als Welpe ‚so lustig gehoppelt‘“, wiederholt die Tierpsychologin die Aussagen vieler Betroffener. Dabei würde da bereits der Grundstein für den schleichenden Prozess der Gelenkerkrankung gelegt.

Bei Tieren sind die Erfolge teilweise besser zu sehen als bei Menschen. Albrecht begründet das damit, dass Menschen kopfgesteuert sind, während der Hund einfach macht. „Ich dachte anfangs, das ist wie Zauberei“, muss die Physiotherapeutin eingestehen.

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